HERODOT: Neun Bücher der Geschichte, Drittes Buch (Thaleia), 110-111
"Um Kasia zu gewinnen, verhüllen sie (die Arabier) mit Rindshäuten und an-
deren Fellen den ganzen Leib und das Gesicht bis nahe an die Augen. Denn
die Kasia wächst in einem See von nicht großer Tiefe, aber an seinen Rän-
dern und in ihm hausen geflügelte Tiere, vergleichbar den Fledermäusen,
die schrecklich zischen und sich kühn zur Wehr setzen. Vor diesen müssen
sie ihre Augen hüten, wenn sie die Kasia pflücken.
111. Noch seltsamer ist die Art, wie sie das Kinamomon sammeln. Wo es
wächst und welches Land es hervorbringt, wissen sie nicht zu sagen, sie
meinen aber und mögen darin auch Recht haben, es wachse in jenen Gegenden,
wo Dionysos erzogen wurde. Sie erzählen, dass diese trockenen Stengel, die
wir mit phoinikischen Namen Kinamomon nennen, von großen Vögeln in ihre
Nester getragen würden, die aus Lehm an schroffe Felsen angeklebt und für
Menschen unzugänglich seien. Darum gehen die Arabier (?) mit einer List
zu Werke. Sie zerlegen totes Vieh in möglichst große Stücke und schaffen
sie in jene Gegend, legen sie nahe zu jenen Nestern und gehen dann weit
fort. Dann kommen die Vögel herabgeflogen und tragen die Fleischstücke hin-
auf in ihre Nester; diese können aber die Last nicht tragen, brechen und
stürzen herab. Da laufen die Arabier herbei und sammeln das Kinamomon, und
von ihnen gelangt es in die übrigen Länder."