Hevea brasiliensis (H.B.K.) MUELL. ARG. (Euphorbiaceae)

 

Geschichte des Naturkautschuks

Die ursprüngliche Heimat des Kautschuk- oder Parakautschukbaumes (Hevea brasiliensis) 

ist das Amazonasgebiet Südamerikas.

 

Schon Columbus sah bei seinen Entdeckungsreisen Amerikas mit "Gummibällen" spielende

Indianer. Die Bälle wurden aus dem Milchsaft des "weinenden Baumes" Ca-Hu-Chu

hergestellt. Viele Jahre später (1735 bis 1745) nahm Charles Marie de la Condamine an einer

Expedition nach Peru, Ekuador und in das Amazonasgebiet zur Vermessung des Äquators teil.

Er brachte Kautschuk mit nach Europa.

 

Der heutige Begriff Latex für den Milchsaft von Hevea brasiliensis stammt von dem spanischen

Wort "leche" für Milch.

 

In der folgenden Zeit forschten viele Wissenschaftler, vornehmlich englische und amerikanische

Chemiker an Eigenschaften des neu entdeckten Rohstoffs. 1770 erkannte Joseph PRIESTLEY

seine Verwendbarkeit als Radiergummi (rubber). Als Charles Goodyear 1839 die Vulkanisation 

des Naturkautschuks mit Schwefel entdeckte, erlangte der Kautschuk weltwirtschaftliche

Bedeutung. Brasilien besaß lange Zeit das Weltmonopol im Kautschukhandel und Städte

wie Manaus erlebten in dieser Zeit ihre größte Blüte. 1876 gelang es dem englischen

Biologen Henry Wickham 70.000 Samen, in zwei ausgestopften Krokodilen, nach England zu

schmuggeln. Nur 2.700 Samen keimten in den Gewächshäusern des Königlichen Botanischen

Garten in Kew, bei London. Diese Pflanzen bildeten die Basis für die ersten Plantagen in Ceylon

und Malaysia.

 

Heutzutage wird Hevea brasiliensis weltweit vorrangig im so genannten Kautschukgürtel (15º nördl. Breite bis 15º südl. Breite) kultiviert, wobei Südost-Asien, mit seinen Kautschukplantagen, einen Anteil von ca. 95 % der Gesamtproduktion von Naturkautschuk besitzt. Die drei größten Kautschukproduktionsländer sind Thailand, Indonesien und Malaysia. Versuche, Plantagen in Südamerika anzulegen, schlugen auf Grund der südamerikanischen Blattkrankheit (South American Leaf Blight: SALB) fehl. Diese wird durch den Virus Microcyclus ulei hervorgerufen.

Gegenwärtig haben sich 6 Naturkautschuk exportierende Länder und 18 importierende Länder zur "International Natural Rubber Organization" (INRO) zusammengeschlossen. Ihre Aufgaben bestehen insbesondere darin ein balanciertes Wachstum zwischen der Versorgung und der Nachfrage mit Naturkautschuk zu erreichen, stabile Handelsbedingungen und ausgeglichene Preise zu schaffen.  Des weiteren hat sie sich zum Ziel gesetzt die Attraktivität von Naturkautschuk auf dem Weltmarkt durch Lösung bestehender Probleme zu erhöhen und Forschungen zur Verarbeitung und Vermarktung des Rohstoffs zu fördern.

 

Botanik von Hevea brasiliensis

Der Kautschukbaum wird 15-30-(50) m hoch, bei einem Stammdurchmesser von bis zu 1 m. Die Rinde ist glatt und grün-braun bis grau gefärbt. Eine kräftige Pfahlwurzel kann in lockeren Böden bis 4,5 m tief eindringen. Die Blätter von Hevea brasiliensis sind dreiteilig gefingerte und unterliegen jährlichem Blattfall. Im Juli/August erscheinen die gelben, getrenntgeschlechtlichen Blüten, aus denen dreifächrige Kapseln reifen. Die Samen sind ölhaltig. Das Holz besteht aus Hart- und Weichholz, mit hell gelblichweißer Farbe. Das Holz ist schwer (Rohdichte von ca. 0,9 g/cm³) und kaum anfällig gegenüber Feuchtigkeitsschwankungen. Der Latex ist ein Pflanzensekret und wird durch Milchsaftgefäße transportiert. Diese befinden sich außerhalb der Kambiumzone im Bast.

Der Latex besteht aus:

    60 - 70 % Wasser

    25 - 40 % Kautschuk

   1,5 -   2 % Harze

   1,5 -   2 % Proteine

   0,5 -   1 % Mineralstoffe

 

Naturkautschuk selbst ist chemisch gesehen ein cis-1.4-Polyisopren und gehört damit zu den Polyterpenen:

 

Nutzung von Hevea brasiliensis

1.   Nutzung von Naturkautschuk

 

Gewinnung von Latex

Mit der Gewinnung des Milchsaftes wird begonnen wenn der Baum seine Maturitätsphase  (Stammumfang von 45-50 cm, in 1m Höhe) erreicht hat. Dieser Zustand wird ca. 5-8 Jahre nach der Pflanzung erreicht. In der Regel sind die Milchröhren entgegen des Uhrzeigersinns in einem Winkel von 3,5° zur vertikalen Richtung angeordnet. Aus diesem Grund erfolgt der Schnitt in den Bast zur Öffnung zahlreicher Milchröhren, in einem Winkel von 30° zur horizontalen Richtung und von der linken Seite des Baumes zur rechten Seite (siehe Abbildung). Der Schnitt wird nur über die Hälft des Baumumfanges geführt, so dass ein Lebendstreifen die Wasser- und Nährstoffversorgung sichert. Über eine vertikale Tropfrinne fließt der Latex in ein Auffanggefäß am Baum. Der Latexausfluss verringert sich stetig und stoppt nach 1-3 h. Aller zwei Tage wird ein Schnitt in den Bast ausgeführt. Wenn eine Seite des Baumes vollständig beerntet worden ist, wechselt man auf die andere Seite.

Der durchschnittliche Latexertrag pro Baum und Tag beträgt etwa 20-30 g.

 

Weiterverarbeitung von Latex

Der gewonnene Latex wird mit Wasser verdünnt und durch Zugabe von Säuren, meist Essig-, Ameisensäure, zur Koagulation gebracht (Ausklumpen des im Latex enthaltenen Eiweiß, in dem das Kautschuk eingelagert ist). Danach werden Platten des koagulierten Kautschuks gewalzt und zum trocknen aufgehängt. Die luftgetrockneten Platten werden als Pale crepe (air-dried-sheets;ADS) bezeichnet. Eine andere Möglichkeit besteht darin die Platten zur Konservierung zu räuchern.

Als Endprodukt erhält man das so genannte Ribbed Smoked Sheets (RSS).

 

Verwendung von Naturkautschuk
Die Verwendung von Naturkautschuk ist sehr vielseitig. So findet er vor allem Verwendung in der Fahrzeugindustrie, zum Beispiel für Reifen, Kühlschläuche und Scheibenwischer. Weiterhin wird er eingesetzt bei der Verankerung von Ölplattformen in der See, beim Brückenbau, sowie als Untergrund beim Hausbau in Erdbeben gefährdeten Gebieten. Ferner dient er als Korrosionsschutz von Wasser- und Gasrohren, als Dichtmaterial im Sanitärbereich, als Bodenbelag und zur Herstellung von Schläuchen und Dachisolierungen.

 

2.  Nutzung des Holzes

Die Ausbeute an Latex lässt mit dem Alter der Bäume nach und so wurden früher Hevea brasiliensis-Plantagen nach ca. 35-45 Jahren abgebrannt. Nachdem sich aber die ökologische und ökonomische Einstellung verändert hat, begann man damit das Holz des Kautschukbaumes zu verwerten. Inzwischen wird das Holz unter anderem zu Möbeln, Türen und Parkett verarbeitet. Eine andere Möglichkeit der Nutzung alter Plantagen besteht im Anpflanzen von Rattan (Calamus spec.). Hier dient Hevea als "Stützbaum",

an welchem die jungen Rattanpflanzen halt finden. Heute ist das Holz eines der wichtigsten Exportprodukte Südost-Asiens.

3.   Nutzung der ölhaltigen Samen

Die Samen können zur Ölherstellung genutzt werden. Die dabei entstehenden Pressrückstände dienen dabei als Viehfutter.

 

 

Quellen

Franke, G., W. Hain u. G. Fröhlich (1980): Parakautschukbaum [Hevea brasiliensis (H.B.K.) MUELL. ARG.]. In: Franke, G. (Hrsg.) (1980): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Band I, S. Hirzel Verlag Leipzig, 3. Auflage, 138-164.
 

Killmann, W. and L. T. Hong (2000): Rubberwood - the success of an agricultural by-product/El caucho, el éxito de un subproducto agricola. FAO, Unasylva, No. 201, Vol. 51, 66-72.

 

Lötschert, W. u. G. Beese (1989): Pflanzen derTtropen. BLV Bestimmungsbuch. Verlagsgesellschaft mbH, München, 3. Auflage, 251-254.

Wessel, M. (1989): Kautschuk. In: Rehm, S. (Hrsg.): Handbuch der Landwirtschaft und Ernährung in den Entwicklungsländern, Band 4, Spezieller Pflanzenbau in den Tropen und Subtropen, 583-600.
 

Rehm, S. and G. Espig (1991): The cultivated plants of the Tropics and Subtropics. Cultivation, Economic Value, Utilization. CTA and Verlag Josef Margraf, Institute of Agronomy in the Tropics University Göttingen, 362-369.
 

Fotos: Dr. Hubertus Pohris