Linum usitatissimum

Einleitung

Blüte Die Kultivierung des Lein (Syn. Flachs) in der alten Welt reicht ca. 8000 Jahre bis in die Beginne der Zivilisation zurück. Auf der Iberischen Halbinsel wurde bereits in der Bronzezeit Lein angebaut und die alten Ägypter (3000 v. Chr.) wickelten ihre Mumien, nachdem diese mit Leinöl einbalsamiert wurden, in Leintücher. Auch in Pfahlbauresten in der Schweiz fanden sich 3000 bis 4000 Jahre alte Leinsamen sowie Gewebereste aus Lein. Der Lein ist somit eine der ältesten Kulturpflanzen der alten Welt. Seinen Ursprung hat der (Faser)Lein vermutlich östlich des Mittelmeers, Nähe Indien. Es folgte eine Verbreitung nach Norden und Westen. Heutzutage wird Lein in vielen Teilen der Welt angebaut, wild findet man die Pflanze nur selten.
Leinblüten

Faser- und Öllein Man unterscheidet heute zwischen Faser-,Ölfaser-, und Öllein. Ursprünglich wurde der Lein hauptsächlich als Faserpflanze genutzt. Die Samen, aus denen das Öl gewonnen wird, wurden nicht bzw. nur in geringen Mengen verarbeitet. Grund dafür war, dass die Kapseln des Lein bei Reife aufsprangen (Spring- oder Klanglein, Linum crepitans) und die Samen ausschleuderten. Um auch die Samen nutzen zu können, wurde ein sogenannter Schließ- oder Dreschlein (var. bulgare) gezüchtet, bei dem sich die Kapseln nicht mehr öffnen. So konnten auch die Samen geerntet und verarbeitet werden.
Faser- und Öllein

Morphologie und Systematik

Habitus Der einjährige, selten überwinternde Lein (Winterlein, var. bienne) wird 60 bis 120cm groß, wobei der Öllein kleiner als der Faserlein wächst. Verzweigungen befinden sich an der Basis des Sprosses, der Faserlein ist allerdings nur wenig verzweigt, während der Öllein auf viele Verzweigungen hin gezüchtet ist. Die Blätter sind gegenständige, linealische Blättchen. An den Spitzen des Leins bilden sich rispige Infloreszensen, welche über mehrere Wochen hin neue Blüten öffnen. Die fünf strahlend blauen, seltener rosa oder weißen Petalen dieser Blüten fallen allerdings schon gegen Mittag ab. Durch die Verwachsung der fünf Staubblätter ist ein Tubus entstanden, in dessen Buchten fünf Staminodien stehen. Der Fruchtknoten des Leins wird von fünf verwachsenen Fruchtblättern gebildet. Durch fünf falsche Scheidewände hat der Fruchtknoten 10 Fächer, von denen jedes eine Samenanlage enthält. Obwohl der Lein Nektarien besitzt, wird er nur selten von Insekten bestäubt. Hauptsächlich kommt es also zur Selbstbestäubung der Pflanze, durch die sich aus dem Fruchtknoten eine etwa erbsengroße Kapsel bildet.
Habitus

Pflanze mit Kapseln In der Kapsel befinden sich 6-7 abgeplattet eiförmige, braune Samen, deren Samenschale einen charakteristischen Aufbau hat. Eine dicke Kutikula liegt über der aus verlängerten Schleimzellen bestehenden Epidermis. Bei Kontakt mit Wasser quellen die Schleimzellen so stark auf, dass die Epidermis abgesprengt wird.
Kapseln
Darunter folgt eine Schicht aus langgestreckten Steinzellen, unter denen eine mit Gerbstoffen angereicherte Pigmentschicht liegt. In dieser Samenschale befindet sich, neben dem Embryo, das ölreiche Endosperm, welches zudem auch Eiweißkörper und Aleuronkörner beinhaltet. Linum usitatissimum (2n =30) ist eine von über 250 Spezies der Gattung Linum und gehört damit zu der Familie der Linaceae. Als Stammpflanze von L. usitatissimum wird Linum bienne (Syn. L. angustifolium) gesehen.
Samen

Anbaugebiete

Karte Je nach Klima des Anbaugebietes wird entweder Faser- oder Öllein angebaut. Der größere Faserlein ist vor allem in kälteren Regionen, z.B. der ehemaligen UdSSR aber auch Westeuropa , zu finden. In Gebieten mit wärmeren Klimaten baut man den schneller reifenden Öllein an. Kanada, Argentinien, Indien und China sind einige Länder, die diesen Lein anbauen.
Karte über Anbau- und Herkunftsgebiete

Nutzung

Faser

Bündel aus geerntetem Lein Der Faserlein ist auf dünne, lange Fasern hin gezüchtet. Sie befinden sich im Stengel der Pflanze. Dort liegen sie, angelegt in zerklüfteter Ringform, als Festigungselemente im Rindenparenchym. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Lein in Europa extensiv für Manufakturen angebaut, bis seine Fasern durch Baumwolle verdrängt wurden. Die Leinfasern sind zwar widerstandsfähiger und vertragen Feuchtigkeit besser als Baumwolle, lassen sich aber auch schwerer anfärben. In Belgien wird der Faserlein weiterhin vor allem für die Brüsseler Spitze angebaut.
Leinbündel, aufgestellt zum Trocknen

Nach ca. 100 Tagen kann der Faserlein geerntet werden. Dazu wird er gerauft, d.h., mit den Händen oder maschinell ausgerissen. Anschließend werden Bündel zum Trocknen aufgestellt. Der getrocknete Lein wird geriffelt und so von Kapseln und Seitenästen befreit. Der bearbeitete Lein muss nun geröstet werden, um die Faserbündel von dem umliegenden Gewebe zu befreien. Bakterien oder Chemikalien lösen Pektine, aus denen u.a. die Mittellamelle besteht, sodaß isolierte Faserbündel entstehen. Wenn diesen Faserbündeln nach dem Rösten noch unerwünschte Stengelreste anhängen, werden sie durch Brechen und Schwingen davon befreit. Jetzt können die Fasern mit dem Nagelbrett gekämmt und parallelgerichtet werden. Dieser Arbeitsschritt wird Hecheln genannt und dient zudem auch zur Trennung des Reinflachs (lange Fasern) vom Werg und Hede (kurze Fasern). Letztere finden Verwendung für gröberer Ware, Polster, Seile und in der Technik.
Leinfasern: links Wasser-, rechts Tauröste

Nach dem Hecheln ist der Lein soweit verarbeitet, dass er gesponnen werden kann.Das Garn wird entweder als Nähzwirn verwendet oder zu Segeltuch, Tischdecken und Bettwäsche verwoben.

Öl

Leinöl Als der Bedarf für Leinfasern abnahm, wurde der Lein zunehmend wegen des aus den Leinsamen gepressten Leinöls angebaut. Der Öllein wurde deswegen auf möglichst viele und große Kapseln sowie Samen gezüchtet. In Ölmühlen werden die Samen gemahlen und kalt oder warm gepresst. Der Ölgehalt der Samen beträgt zwischen 35 und 45%. Davon sind 40-68% Linolensäure, 15-30% Ölsäure und 10-30% Linolsäure. Aufgrund dieser (mehrfach)ungesättigten Fettsäuren autooxidiert das Öl leicht, hat also eine gute Trockenfähigkeit. Es wird in der Farbindustrie für Lacke und Firnisse sowie zur Herstellung von Linoleum verwendet. In Indien werden 35-40% des Leinöls als Speiseöl benutzt. Bei uns findet es allerdings nur geringe Verwendung in der Küche, da es durch die Linolensäure und dessen Autooxidation schnell ranzig wird.
Leinöle

Sonstige

Neben den Fasern für Gewebe und dem Leinöl findet der Lein auch Anwendung in der Pharmazie und als Nahrungsmittel für Mensch und Tier. Die aufgrund von Polysacchariden aus Arabinoxylan und Rhamnogalaktuonanen schleimenden Epidermis der Samenschale macht den Leinsamen z.B. zu einem milden Abführmittel. Leinsamen Geschrotet, gemahlen und verbacken oder ganz findet der Leinsamen seinen Weg auch in unsere Lebensmittel. Wegen dem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren des Samens werden positive Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem untersucht. Zudem wird erforscht, ob einige Inhaltsstoffe auch vorbeugend gegen Krebs sind. Neben den Omega-3-Fettsäuren enthält Leinsamen außerdem hohe Mengen Ballaststoffe und relativ viel Kalium. Der Presskuchen aus den Leinsamen (nach dem Ölpressen) ist sehr proteinreich und wird als Tierfutter verwendet. Vorher muss jedoch erstens die schleimende und als Laxativ wirkende Samenepidermis und zweitens das Enzym Linamarase entfernt werden. Linamarase hydrolisiert das im Samen enthaltende Blausäuregycosid Linamarin. In großen Mengen wäre der Presskuchen dadurch giftig für das Vieh. Der Presskuchen hat nur einen geringen Gehalt an Lysin, weswegen er qualitativ nicht so hochwertig ist wie andere pflanzliche Proteinlieferanten. Für den Menschen ist der Gehalt an Blausäure bei normalem Gebrauch unbedenklich.
geschrotetet Leinsamen

Quellen

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  12. www.life.uiuc.edu/plantbio/263/image/flaxseed.jpg
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  14. www.sthelenanattrust.org/Flax_Mill.htm
  15. www.seilnacht.tuttlingen.com/Lexikon/Leinoel.htm

by Gesa C. Rosenfeldt, February 2004