Der Ameisenstaat

Das Leben der Ameisen richtet sich nach festen Notwendigkeiten wie: Koloniegründung, Nestbau und Nesthygiene, Nahrungsbeschaffung und Verteilung, Brutpflege, Verteidigung und Koloniefortpflanzung. Hier spiegelt sich der enorme evolutionäre Erfindungsreichtum der Ameisen wieder. Alle Ameisen eines Staates sind ständig miteinander im „Gespräch“, damit die Aufgaben gemeinschaftlich umgesetzt werden können.

 

Koloniegründung

Unabhängige Koloniegründung:

Hier wird zwischen claustraler und semiclaustraler Koloniegründung unterschieden. Die claustrale Koloniegründung erfolgt bei verschlossener Gründungskammer. Das bedeutet, dass die Königin nach der ersten Eiablage ihr Nest nicht verlässt um auf Nahrungssuche zu gehen und die Larven mit eigener Körpersubstanz großzieht. Diese Form der Koloniegründung haben wir bereits bei der schwarzgrauen Wegameise (Lasius niger) kennengelernt. Bei der semiclaustralen Koloniegründung muss die Königin ihr Nest verlassen um auf Nahrungssuche zu gehen.


Abhängige Koloniegründung:

Königinnen vieler Arten sind nicht in der Lage, selbstständig eine Kolonie zu gründen. Je nach Art wurden hier unterschiedliche Wege der Koloniegründung entwickelt:

Zum einen können neue Kolonien durch Ablegerbildung entstehen. Dies ist der Fall bei der roten Waldameise (Formica polyctena). Hier laufen nach kurzem Hochzeitsflug die begatteten Weibchen zurück zur Mutterkolonie. Die Art ist polygyn, das bedeutet, dass viele Königinnen in einem Volk leben. Eine neue Kolonie entsteht indem ein Teil der Tiere eines Volkes einen neuen Hügel anlegt und mit einem Teil der Königinnen und der Brut umzieht.

Unter einem Drittel der heimischen Ameisen ist Sozialparasitismus verbreitet. Hier wird zwischen temporärem und permanentem Sozialparasitismus unterschieden.
Ein Beispiel für den permanenten Sozialparasitismus ist die bei uns heimische Amazonasameise (Polyergus rufescens). Das Weibchen dieser Art sucht nach dem Hochzeitsflug eine Kolonie ihrer Wirtsameise Serviformica auf. Hier dringt es ein, tötet die Königin und beginnt Eier zu legen. Die fremde Brut wird von den Wirtsameisen aufgezogen und mit der Zeit bevölkern Amazonasarbeiterinnen die Kolonie. Die Amazonasameisen sammeln kein Futter, bauen kein Nest, pflegen keine Brut und werden sogar von den Wirtsarbeiterinnen gefüttert. Damit den Amazonasameisen die Wirtsameisen nicht aussterben, führen diese einen bemerkenswerten Sklavenraub durch. In den Sommermonaten verlässt fast täglich ein bis 8m langer Raubzug die Kolonie, der bis zu tausend Amazonasarbeiterinnen umfasst und sucht nach neuen Serviformica-Kolonien. Die Kämpfer dringen ins Nest ein und entführen Puppen und Larven, welche sie zu ihrer eigenen Kolonie bringen.

Bei der temporären Koloniegründung dagegen bezieht sich der Parasitismus nur auf die Zeit der Gründungsphase. Hier sterben nach und nach die Wirtsarbeiterinnen aus und werden durch Nachfahren der fremden Königin ersetzt. Schließlich deutet nichts mehr darauf hin, dass die Kolonie einst von einer anderen Art gegründet und erst später von der feindlichen Art übernommen wurde.

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