Der Ameisenstaat

Das Leben der Ameisen richtet sich nach festen Notwendigkeiten wie: Koloniegründung, Nestbau und Nesthygiene, Nahrungsbeschaffung und Verteilung, Brutpflege, Verteidigung und Koloniefortpflanzung. Hier spiegelt sich der enorme evolutionäre Erfindungsreichtum der Ameisen wieder. Alle Ameisen eines Staates sind ständig miteinander im „Gespräch“, damit die Aufgaben gemeinschaftlich umgesetzt werden können.


Kommunikation und Chemie

Drüsen:

Seide ist nur eines der Produkte, die Ameisen erzeugen können. Der Körper einer Arbeiterin ist eine einzige chemische Fabrik. In Kopf, Brustabschnitt und Hinterleib finden sich zahlreiche Drüsen und selbst an Beinen und Füßen mancher Arten werden Hautdrüsensekrete erzeugt. Oft ist weder die chemische Natur noch deren biologische Bedeutung bekannt. Dennoch wissen wir viel über die chemische Zusammensetzung von Ameisendrüsensekreten. Proteine werden ebenso erzeugt wie Säuren, Ester, Kohlenwasserstoffe, Alkaloide und vieles mehr.

Drüsenfunktionen

Es gibt Drüsen mit bestimmter Funktion (s. Bild), die eingesetzt werden für:


Ernährung und Brutpflege:

Im Kopfbereich findet sich eine Anzahl großer Drüsen, wie zum Beispiel die Labialdrüse, Pro- und Postpharynxdrüse und Maxillardrüse.  Diese münden in den Mundbereich oder den Magendarmtrakt und sind für die Nahrungsaufbereitung (s. Bild= Hellblau) und Brutpflege (s. Bild= Dunkelblau) bedeutsam.


Kommunikation:

Verständigung ist für Ameisen besonders wichtig für die Koordination der einzelnen Individuen. Anfang der sechziger Jahre wurde entdeckt, dass sich Ameisen mit Hilfe von Pheromonen (Duftstoffen) verständigen. Dies ist die wichtigste Art der Verständigung in einem Ameisenstaat. Informationsübertragung durch mechanische Signale, wie z.B. Klopftöne sind seltener. Die Drüsen können über den ganzen Körper verteilt sein (s. Bild= Rosa). Drüsensignale werden bei der Erkennung von Artgenossen sowie Königin und Brut, zur Kastenregulation, bei der Geschlechterfindung, bei der Markierung von Nestrevieren, zur Orientierung auf Spuren, zur Rekrutierung zu Futter und neuen Nestern und zur Gefahrenalarmierung eingesetzt. Tote Artgenossen werden am Geruch spezifischer Zersetzungsstoffe erkannt.


Körper, Nesthygiene:

Ameisennester sind reich an verderblichen lebenden und toten Materialien. Auch wenn tote Tiere und Abfälle auf Abfallhaufen außerhalb der Nester transportiert werden, ist das Innere einer Kolonie auf Grund der hohen Luftfeuchtigkeit ein guter Nährboden für Pilze und Bakterien. Ameisenarbeiterinnen putzen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Nestgenossinnen und die Brut. Dabei werden Antiseptikasubstanzen verteilt, die aus der Metapleuraldrüse am Ende des Brustabschnitts stammen (s. Bild= Grün). Es sind zum Teil hochwirksame organische Säuren, die effektiver gegen Mikroorganismen schützen als der Konservierungsstoff Benzoesäure in unseren Konserven. Um Pilze in ihrem Wachstum zu stören, wird der Pflanzenwuchsstoff ß-Indolylessigsäure produziert.


Chemische Waffen:

Drüsen haben oft eine Doppelfunktion wie z. B. die Drüsen des Stachelapparates, die oft ein Gemisch von Signalsubstanzen und Kampsstoffen erzeugen. Der Stachelapparat der Ameisen ist ein ziemlich kompliziert gebautes Organ, das sich zu einer hoch wirksamen Injektionswaffe entwickelt hat. In den Giftdrüsen des Stachelapparates wird ein Gemisch von wasserlöslichen toxischen Substanzen, Peptiden und Enzymen erzeugt (s. Bild= Braun). Durch Injektion dieser Stoffe werden Beutetiere oder Insektengegner sofort gelähmt oder getötet. Bei den meisten Arten wurde der Injektionsstachel allerdings weitgehend zurückgebildet oder ist völlig verschwunden. Schuppenameisen sprühen zum Beispiel ihr Sekret direkt aus der umgewandelten Giftdrüse auf den Gegner.       

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