Der Ameisenstaat

Das Leben der Ameisen richtet sich nach festen Notwendigkeiten wie: Koloniegründung, Nestbau und Nesthygiene, Nahrungsbeschaffung und Verteilung, Brutpflege, Verteidigung und Koloniefortpflanzung. Hier spiegelt sich der enorme evolutionäre Erfindungsreichtum der Ameisen wieder. Alle Ameisen eines Staates sind ständig miteinander im „Gespräch“, damit die Aufgaben gemeinschaftlich umgesetzt werden können.

 

Nestbau

Ameisennester finden sich je nach Region tief unter der Erdoberfläche bis hin ins Laubwerk von Urwaldbäumen. Auf dem Erdboden, unter Steinen, in totem und lebendem Holz, in selbst errichtetet Karton-, Erd- oder Seidenbauten, oder einfach als bloße Ansammlung von Ameisen, dem so genannten Biwaknest.

Je nach Ameisenart und Koloniegröße schwanken die Nestdurchmesser zwischen wenigen Zentimetern und Metern. Die eindruckvollsten Nester finden wir in den gemäßigten und subarktischen nördlichen Breiten Europas, Asiens und Amerikas.

Als Beispiel für Hügelbauten sollen hier die Waldameisen aus der Gattung Formica kurz vorgestellt werden:
Ihre Hügelbauten, die vorwiegend aus Pflanzenmaterial bestehen, können eine beeindruckende Höhe von bis zu 2 m erreichen. Zur Regulation von Temperatur und Feuchtigkeit und um die Materialverrottung zu verlangsamen, wird das Material regelmäßig umgeschichtet, Luftlöcher werden geöffnet und geschlossen. Wichtig ist die gute Wärmeisolierung durch die Holzbestandteile. Die Waldameisen heizen ab Frühling das Innere ihrer Nestkuppel bis ca. 30°C auf. So kann sich unabhängig von den wechselnden klimatischen Bedingungen ihre Brut schnell und gleichmäßig entwickeln.

Ameisenhügel

In den Regenwäldern der Tropen spielt sich vorwiegend aktiver Nestbau in der Laub- und Kronenregion der Bäume ab, wo geeignete Nesthöhlen selten und daher heiß umkämpft sind. Arten, die ihren Nistraum selber schaffen können, haben hier bevorzugte Lebenschancen. So findet man Kartonnestbauten unter Blättern oder frei im Geäst hängend. Besonders beeindruckend sind hier die Nestbauten der Weberameisenarten.

Als Beispiel sei hier kurz der Nestbau der Weberameise Oecophylla smaragdina beschrieben: Hier versammelt sich eine große Zahl von Arbeiterinnen an einer Stelle des Blattwerkes. Die Arbeiterinnen beginnen, Blätter mit dem Kiefer zusammenzuziehen. Erst arbeiten einzelne, dann viele nebeneinander und sogar ganze Ketten von Arbeiterinnen hängen sich aneinander. Darauf erscheinen neue Arbeiterinnen mit Ameisenlarven zwischen ihren Kiefern. Sie pressen die Larven leicht, tupfen deren Köpfe auf die Blattränder und fahren mit ihnen, wie mit Webeschiffchen über den Blattspalten hin und her. Ein feines Seidengespinnst entsteht, das allmählich dicker wird. In wenigen Stunden sind die Blätter zu einer kopfgroßen, festen Kugel zusammengewebt.

O. smaragdina Webenestbau O. longinoda

Auf die Nester der Ameisen in den Ameisenpflanzen, die Nahrung und Wohnraum liefern, sowie auf  Ameisengärten wird in dem Kapitel „Ameisen und Pflanzen“ näher eingegangen.

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