Tulpenfieber

Um 1560 brachte Ogier Ghislain de Busbecq, damals als Gesandter Wiens in Konstantinopel (heutiges Istanbul), Tulpen- und Hyazinthenzwiebeln sowie Flieder- und Rosskastanienpflanzen mit nach Wien. Die Pflanzen waren Geschenke des Sultans Süleyman.

Zu dieser Zeit war Carolus Clusius Leiter des kaiserlichen Botanischen Gartens in Wien.
Er selbst hatte auf Reisen durch Spanien und Portugal Pflanzen gesammelt und gehört zu den Pionieren bei der Erforschung der alpinen Flora.
Er war von der Tulpe sehr begeistert und ließ daraufhin Samen importieren. 1573 wurden im Botanischen Garten des Kaisers 1500 Tulpensamen ausgebracht und somit wurde die Tulpe erstmals auf europäischem Boden kultiviert.

Clusius erhielt 1593 den Ruf für eine Professur an der Universität von Leiden und führte so neben Kaiserkrone (Fritillaria imperialis) und Veilchenwurz (Iris florentina) auch die Tulpe nach Holland ein.
Die Fremdartigkeit dieser Blume faszinierte viele Menschen, die Tulpe wurde bald zum Statussymbol, Prachtgärten entstanden und feine Damen schmückten sich mit ihnen. Man sagte, die Tulpe strahle Eleganz und Nachdenklichkeit aus.
Zudem ist sie problemlos zu kultivieren und man begann auch bald damit neue Tulpensorten zu züchten. Durch einen Mosaikvirus, der durch Blattläuse übertragen wird, entstanden außergewöhnlich gemusterte Blütenblätter.
Um 1630 waren bereits 1000 verschiedene Tulpensorten bekannt.

Rasch überstieg die Anfrage nach Tulpenzwiebeln das Angebot und folglich erhöhten sich die Preise deutlich. Tulpenzwiebeln wurden nun in Auktionen gehandelt, die in Kneipen und Wirtshäusern stattfanden, denn es gab keine offizielle Tulpenbörse.
Die Nachfrage stieg dennoch stetig weiter und man begann Zwiebeln zu versteigern, die noch in der Erde waren. Um 1630 nahm der Handel bizzare Formen an und geriet endgültig aus dem Rahmen, denn es war nun möglich Optionsscheine auf Tulpenzwiebelanteile zu erwerben.
Die Preise stiegen von 1634 bis 37 auf das über 50-fache an, viele Zwiebeln kosteten so mehrere tausend Gulden und Knollen wurden teils mit dem bis zu 100fachen ihres Gewichtes in Gold aufgewogen
1635 soll in Hoorn ein komplettes Haus für drei Tulpenzwiebeln verkauft wurden sein, andere Quellen nennen in diesem Zusammenhang auch ein Haus in Amsterdam, bzw. eine Brauerei in Utrecht.

Die wertvollste Tulpensorte war die Semper Augustus, deren Preis Anfang 1637 bei etwa 10.000 Gulden lag. Das war zu einer Zeit, als ein Handwerker rund 250 Gulden im Jahr verdiente, eine unglaublich hohe Summe.
Die Sorte "Vizekönigin", halb soviel wert wie Semper Augustus, erzielte in Naturalien einen Preis von 24 Wagenladungen Korn, acht Mastschweinen, vier Kühen, vier Fässern Bier, zwei Fässchen Wein, 500kg Käse, einem Silberpokal, einem Bett und einem Anzug.

Nicht alle Holländer waren jedoch der Tulpomanie verfallen. In Flugblättern verbreiteten sie ihren Spot über die Entwicklung des Tulpenhandels.
Ihren Höhepunkt fand die Tulpenspekulation bei einer Versteigerung in Alkmaar am 5. Februar 1637.
99 Posten Tulpenzwiebeln brachten rund 90.000 Gulden, was einem heutigen Gegenwert von etwa 900.000 Euro entspricht.
Bereits einige Tage zuvor nahm der Crash jedoch seinen Anfang. Bei einer der üblichen Kneipenauktionen in Haarlem traute sich kein Händler mehr etwas zu kaufen.
In den folgenden Tagen brach der gesamte Tulpenhandel in den Niederlanden zusammen, alle wollten verkaufen, aber keiner mehr etwas kaufen. Die meisten Tulpen verloren ihren Wert, nur wenige außergewöhnliche Sorten wurden noch von betuchten Liebhabern zu entsprechenden Preisen erworben.
Ab dem 7. Februar stoppte der Handel schließlich gänzlich, was als erster "Börsencrash der Neuzeit" bezeichnet wird.
Das große Problem in der Folge war die unermessliche Anzahl an Kaufverträgen die während der Hochphase geschlossen wurden. Zwiebeln hatten teils mehrfach am Tag den Besitzer gewechselt.
Die Händler waren einfach nicht in der Lage den Züchtern gegenüber jeden Vertrag zu bedienen, aber die Züchter wollten natürlich ihr Geld haben (bzw. mindestens 10% bei Verträgen nach November 1636).
Die Forderungen der Züchter hätten für die meisten Händler den Ruin bedeutet.

Am 27. April 1637 verfügte die holländische Regierung, dass die jeweiligen Städte die Angelegenheiten zwischen den beiden Interessengruppen klären sollten.
Die meisten Städte verboten in Folge Tulpengeschäfte gerichtlich zu klären und verhinderten damit eine Flut von Verfahren.
Somit waren die Parteien gezwungen sich untereinander zu einigen, aber kaum ein Händler zahlte dadurch die 10%tige Ausgleichssumme. Außerdem belasteten die vielen Streitfälle die Gesellschaft, da viele Freunde untereinander Geschäfte gemacht hatten und nun zerstritten waren.
Die Städte versuchten durch Schlichtungskommissionen Frieden zu stiften.
Erst im Mai 1638 wurde in einem Erlass festgelegt, dass bei einem Rücktritt vom Kauf ein Ausgleich von 3 bis 5% des Kaufpreises zu zahlen sei und Entscheidungen der Schlichtungskommissionen immer bindend sind.
Damit fand die "Tulpenkrise" doch noch ein relativ glimpfliches Ende für alle Beteiligten und eine Rezession der holländischen Wirtschaft wurde verhindert.
Die damals wertvollste Tulpensorte Semper Augustus ist heute nicht mehr im Handel. Züchter vernichten alle Pflanzen, die vom Mosaikvirus befallen sind, um eine Übertragung auf den gesamten Bestand zu verhindern