Bedeutung in Mitteleuropa


Warum breitet sich I. glandulifera an Europas Fließgewässern scheinbar ungehindert aus?

Lebensform:

I. glandulifera gehört nach RAUNKIAER zur Gruppe der annuellen Kräuter (Therophyten) die Samenbanken im Boden anlegen. Diese Samen überdauern im Boden die Jahreszeiten in denen nur sehr geringe Mengen an Wasser zur Verfügung stehen. In gemäßigten Klimaten entspricht dieser Periode der Winter. Die Samenbanken von I. glandulifera können auf Grund des hohen Samenansatzes in Reinbeständen mit 32000 Samen pro m² sehr groß werden.

Lebensraum Flussaue:

Die Flussauen der mitteleuropäischen Kulturlandschaft sind durch Verbauung und Landwirtschaft stark gestörte Ökosysteme. Durch angrenzende landwirtschaftlich genutzte Flächen gelangen große Mengen an Nährstoffen in den Flusslauf. Durch den Flusslauf macht sich dieser zusätzliche Nährstoffeintrag flussabwärts entlang des Ufersaums durch das Vegetationsbild bemerkbar (Urtica dioica als Stickstoffzeiger).

Zudem weisen die Ufersäume einen hohen Lehmanteil auf und sind immerfeuchte Ökosysteme mit periodisch wiederkehrenden Überschwämmungen.

Durch die Intensität der menschlichen Eingriffe und die daraus resultierende Störung der Lebensgemeinschaft in diesen Lebensräumen wird zudem das Eindringen neuer gebietsfremder invasiver Pflanzenarten begünstigt.

 

Bodenansprüche:

Impatiens glandulifera gedeiht gut auf nährstoffreichen, feuchten bis nassen, mildhumosen, sandigen sowie auf reinen Lehm- und Tonböden.

Lichtansprüche:

Dichte Bestände bildet I. glandulifera im Halbschatten und bei mindestens 10 % der Lichtstärke der vollen Sonneneinstrahlung während der Vegetationsperiode. Es können jedoch auch große Bestände bei größerer Sonneneinstrahlung beobachtet werden, wenn der Boden ausreichend Feuchtigkeit bietet.

Sekundäre Diasporen-
verbreitung:

Bekannt ist außerdem, dass die Flussläufe als Ausbreitungsvektoren für weiträumigen Samentransport im Sediment des Wasserlaufs dienen. Dieser Verbreitungsvorgang wird auch als Bythisohydrochorie bezeichnet. Bei Hochwasser werden die Samen im Flusslauf als Schwebstoffe transportiert, bei normaler Wasserführung hingegen mit dem Geschiebe am Grund des Flussbetts. Auch abgebrochene Sprosse können als spezifische Diasporenverbreitungseinheiten bei Hochwasser dienen.

Bestand an ausgebautem Flussufer
HARTMANN (1994)

Was macht Impatiens glandulifera so konkurrenzstark?

Konkurrenz-
verhalten:

I. glandulifera zeigt ein üppiges Höhenwachstum und tritt in Lebensgemeinschafetn als "Lückenfüller" auf. Durch die großen Samenbanken können sich schon kleine Bestände innerhalb weniger Vegetationsperioden etablieren.

Aber auch das Eindringen in gesättigte Lebensgemeinschaften ist möglich. Durch die im Herbst nach der Seneszens der Pflanzen anfallende Pflanzenmasse, die im Laufe des Winters verrottet, wird die Keimung anderer Pflanzenarten im Folgejahr behindert. Die Vitalität konkurrierender Jungpflanzen wird somit eingeschränkt, wodurch die Begleitflora stark reduziert werden kann. I. glandulifera wird in solchen Fällen aspektbildend (Bildung von Dominanzbeständen).

 

Dominanzbestand auf ehemaliger Streuwiese
HARTMANN (1994)

Ausbreitungs-
potential:

Potentiell kann sich I. glandulifera in Gesellschaften gestörter Flächen, an Uferbauten und Kahlschlägen, sowie entlang von Galeriewäldern ausbreiten.