Generativer Zyklus
Blühphase: |
Die Blühdauer (Anthese) einer Blüte beträgt etwa zwei Tage. Die Blühphasenfolge ist proterandrisch. Die Selbstbestäubung wird also durch eine zeitliche Trennung der Blühphasen von männlichen und weiblichen Blütenteilen verhindert - die Anthese des männlichen Blütenteils liegt charakteristisch für diese Blühfolge (proterandrisch=vormännlich) vor der der weiblichen Blüten. Die männliche Blühphase dauert etwa anderthalb Tage. Die weibliche Narbe ist nach dem Abfallen der männlichen Staubbeutel für einen Zeitraum von 6 Stunden bis zu einem Tag empfänglich für den Pollen. Die zeitliche Ausdehnung der weiblichen Blühphase ist somit im Vergleich zur männlichen wesentlich flexibler. Auffällig ist, dass die Dauer der männlichen Blühphase fünf mal länger als die der weiblichen ist. | ![]() SCHEVEN (1991) |
Faktoren des Bestäubungserfolgs: |
Eine erfolgreiche Bestäubung ist von vielen Faktoren abhängig. Am Beispiel von I. glandulifera lassen sich diese sehr anschaulich erläutern. Blüten, die von Hummeln und Bienen bestäubt werden, haben meist einen optisch sehr auffälligen Schauapparat und einen sehr intensiven Duft. Sowohl visuelle als auch olfaktorische Reize dienen der Anlockung der Bestäuber. Wird die Blüte schließlich vom Bestäuber angeflogen kann die Attraktivität der Blüte durch ein Angebot von Nektar oder Fraßpollen weiter gesteigert werden. Weitere Faktoren sind die Präsentationszeit der Blüten und die größe der Bestände in denen die Pflanzen vorkommen. Dazu kommt die Präsenz des Bestäubers. Zum Beispiel bestäuben Nachtaktive Insekten in der Regel keine Blüten, die tagsüber geöffnet sind. |
![]() SCHEVEN (1991) |
Pollenfreisetzung: |
Der Pollen wird durch eine Kontraktion der Antherenwände freigesetzt. Pollenfäden aus Cellulose, die an der Antherenwand haften, sorgen dafür, dass der Pollen kontrolliert abgegeben wird. Das heißt nur dann, wenn der Bestäuber beim Eindringen in die Blütenhöhle mit der Rückenbehaarung die Pollenpakete aufnimmt. Im Antherenblock einer einzigen Blüte sind etwa 1,5 Millionen Pollen enthalten. Eine so große Pollenmenge ist eigentlich typischer für Anemogame (Windbestäubte) Pflanzenarten. Nach nur einem Bestäuberbesuch verbleiben nur etwa 2 % des ursprünglichen Pollens in dem Antherenblock. Die Pollenübertragung auf den Bestäuber ist demnach trotz fehlender Koevolution von I. glandulifera und den heimischen als Bestäubern auftretenden Insekten sehr effizient. Die Vitalität des Pollens beträgt lediglich 6 %. |
![]() LEINS (2000) |
Bestäubung der Narbe: |
Fliegt ein Bestäuber, auf dessen Rücken die Pollenpakete haften, eine weitere Blüte an, die sich zudem in der weiblichen Blühphase befindet, so wird beim hineinkriechen in die enge Blütenhöhle der Pollen am Rücken des Insekts auf der Narbenfläche verteilt. Schon ein Blütenbesuch reicht dabei aus, um den vollen Samenansatz zu erzielen. Einzelne Blüten werden durchschnittlich etwa 40 mal während der Anthese besucht. Eine erfolgreiche Bestäubung ist somit in nahezu jedem Fall sicher. |
![]() SCHEVEN (1991) |
Befruchtung der Narbe: |
Die Befruchtung findet aufgrund der hohen Wachstumsgeschwindigkeit des Pollenschlauchs innerhalb weniger Stunden statt. Da der Samenansatz in der Regel 100 % beträgt, enthält jede gebildete Samenkapsel zwischen 9 und 10 Samen. In Reinbeständen von I. glandulifera konnten im Erdreich bis zu 32000 Samen pro m² gefunden werden. |
![]() SCHEVEN (1991) |
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