Nutzen/-ung

In diesem Abschnitt soll der biologische Nutzen der morphologischen Anpassung und der ökonomische Nutzen, den der Mensch daraus zieht, vorgestellt werden.

Biologischer Nutzen

Der Prozess der Vergeilung stellt in erster Linie eine Anpassung an widrige Keimungsbedingungen dar. Wenn Samen von einer Laubschicht bedeckt sind, oder vom Regen tiefer in das Erdreich gespült wurden, ist durch etioliertes Wachstum eine bestmögliche Verteilung der knappen Ressourcen der Keimlinge gegeben. Deshalb wird ausschließlich in Längenwachstum investiert. Zum Durchdringen der Streuschicht ist es darüberhinaus von Vorteil, wenn der Hypocotylhaken geschlossen ist. Durch die schnelle Umstellung auf normales Wachstum, sobald ausreichend Licht vorhanden ist, hat der Keimling durch die Vergeilung nur geringe Nachteile gegenüber benachbarten, an günstigeren Stellen gekeimten Jungpflanzen.

Ökonomischer Nutzen

Im Folgenden sollen zwei bekannte Beispiele von Nutzpflanzen, bei denen der Mensch sich etioliertes Wachstum zu Nutzen macht, vorgestellt werden. Häufig ist der Vorteil der vergeilten Individuen gegenüber den normal gewachsenen der, dass die Pflanze zarter und damit besser verträglich ist.

Spargel (Asparagus officinalis)

Der weiße Spargel ist das bekannteste Beispiel für die Nutzung von vergeilten Trieben als Nahrungsmittel. Dazu werden die Spargelpflanzen mehrere dm tief in die Erde eingepflanzt. Beim Austreiben müssen sie die über ihnen aufgehäufte Erde durchdringen, wobei die Triebe (botanisch gesehen Phyllocladien, da die Sprossachsen die Assimilation übernehmen und die Blätter reduziert sind) vergeilen. Bevor die Triebe die Oberfläche erreichen, werden sie "gestochen". Dies kann mehrmals hintereinander im Frühjahr geschehen. Damit die Pflanzen ausreichend Nährstoffe assimilieren und speichern können, wird die Spargelernte klassischerweise an Johanni (24. Juni) eingestellt. Die Pflanzen treiben dann aus, bilden große oberirdisch stark verzweigte Triebe, blühen und fruchten.

Spargelfeld im Frühsommer nach dem Austreiben der Spargelpflanzen. - Quelle: Wikipedia

Verschiedene Spargelsorten (Dabei ist nur der hinten abgebildete Spargel vergeilt!). - Quelle: Wikipedia



Endiviensalat/Chicorée (Cichorium intybus)

Frisch geernteter Chicorée. - Quelle: Wikipedia

Natürliches Wachstum:

Beim Chicorée (die Wildform heißt im Deutschen Wegwarte) handelt es sich um eine zweijährige krautige Pflanze, die zur Überdauerung des Winters eine Rübe ausbildet. Im zweiten Jahr blüht und fruchtet die Pflanze, wonach sie stirbt.




Anpflanzung bei der kommerziellen Verwendung:

Bei der kommerziellen Nutzung wird der obere Teil der Rübe im Herbst des ersten Jahres geerntet und kühl gelagert. In diesem Lagerungszustand kann der Chicorée bis zu acht Monate verbleiben. Dadurch ist es ganzjährig möglich, frischen Endiviensalat zu verkaufen. Wird die Lagerungstemperatur erhöht, so beginnt die Rübe auszutreiben. Da man diesen Schritt im Dunkeln ausführt, vergeilen die Jungtriebe, wodurch sie zart und saftig werden.