Eine der leistungsfähigsten Methoden zur Erzeugung chiraler sekundärer Alkohole ist heute die enantioselektive Hydroborierung mit nachfolgender Oxidation. Die Hydroborierung läuft in der Regel als reine syn-Addition an die Doppelbindung mit hoher Regiospezifität für das sterisch weniger gehinderte C-Atom. Die Regioselektivitäten sind hierbei bis zu 80-100%. Die syn:anti-Selektivitäten ca. 87:13 bis 97:3.
Eines der gebräuchlichsten Reagentien ist das Diisopinocampheylboran (Ipc) 2BH. Es reagiert sehr gut mit ungehinderten Z-Olefinen. Die E-Olefine reagieren langsamer und geben schlechtere Selektivitäten. Trisubstituierte Olefine reagieren auch mit schlechten Selektivitäten.

Das Monoisopinocampheylboran ist wesentlich reaktiver und natürlich daher auch schlechtern handzuhaben. Es zeigt auch moderate Selektivitäten bei E-Olefinen. Mit tribubstituierten Olefinen ergeben sich aus den E-Olefinen die syn Produkte und aus den Z-Olefinen die anti Produkte.

In dem vorliegenden Beispiel ist das Edukt erneut eine prochirale Substanz, die zwei enantiotope Halbräume besitzt. Damit existieren, wenn ein chirales Reagenz angreift zwei diastereomorphe ÜZ. Die Reaktion über den energetisch niedrigsten ÜZ ist wieder die schnellere.
Ein gutes Hydroborierungsreagenz ist das S, S-2,5-Dimethylborolan

Hier liegt im Fall der Hydroborierung erneut eine starke Reagenzkontrolle der Stereoselektivität vor.
Diese Hydroborierungen können auch katalytisch gestaltet werden. Als Hydroborierungsreagenz setzt man dann meistens Catecholboran ein. Katalysiert wird mit Rh-Diphosphin Komplexen, wie z.B. mit BINAP. Die erreichten ee-Werte liegen bei um die 95% ee.
