| Inhalt
der Lehrveranstaltung ist nicht die antike Mythologie selbst, sondern
ihr Nachleben vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Sie soll den Teilnehmenden
Kenntnisse der wichtigsten mythologischen Quellen (z. B. Ovid, Metamorphosen
und Fasti), der wichtigsten mythographischen Handbücher
der Renaissance (z. B. Natalis Comes) sowie jüngerer mythologischer
Forschung vermitteln.
Ziel ist es aber vor allem, Verfahren der
ikonographischen Analyse von Bildern und Skulpturen zu lehren, deren
Themen einen Ursprung in der Antike haben, aber auf vielfältige
Weise durch Überlieferung oder bewußte Veränderung
ihren jeweiligen Gebrauchszusammenhängen angepaßt sind.
Dies reicht von der Fürstenunterhaltung (z. B. Tizians Poesie'
für Philipp II. von Spanien) über die Fürstenrepräsentation
(z. B. Apollomythen am Hof Ludwigs XIV.) bis zur bildungsbürgerlichen
Selbstdarstellung in Bildungsinstitutionen des 19. Jhs.
Das elektronische Medium wird dabei als die
Chance begriffen, im Sinne einer Einführung einen Überblick
über die Wirkungsmacht mythologischer Sujets von der Antike
bis zur Gegenwart zu geben, ohne in dieser ersten Schicht Vollständigkeit
des Materials und der Aspekte anstreben zu müssen. In weiteren
Schichten sollen Vertiefungen zu Themen wie Selbstreflexion der
Künste, Mythos und Kunsttheorie, Buchillustration, exemplarische
Analysen bedeutender mythologischer Bildprogramme, Methodik der
Ikonographie u. a. fortgeschrittenen Studierenden die Gelegenheit
zur weitergehenden Auseinandersetzung mit dem Thema bieten. Ausgewählte
Texte aus antiken wie neuzeitlichen Quellenschriften werden übersetzt,
kommentiert und mit weiterem Bildmaterial zur intensiveren Weiterarbeit
zur Verfügung gestellt. Hierbei werden auch antike Denkmäler
einbezogen - das Material dient zugleich als Fundus für die
Lehreinheit 'Antikenrezeptionen'. |
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