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Las Meninas
Als erster legte der Velázquez-Biograph Antonio Palomino eine Beschreibung des Gemäldes vor: "Unter den wunderbaren Gemälden, die Don Diego anfertigte, befand sich ein großformatiges Bild mit dem Porträt der Herrin Kaiserin (damals noch Infantin von Spanien), der Doña Margarita María von Österreich, die noch sehr jung war: Es fehlen die Worte, ihre große Anmut Liebreiz zu beschreiben, Lebhaftigkeit und Schönheit darzulegen; aber ihr Porträt selbst ist die größte Lobrede. Zu ihren Füßen kniet Doña María Agustina, ein Hoffräulein der Königin und Tochter des Don Diego de Sarmiento, die ihr in einem Tonkrüglein Wasser reicht. Auf der anderen Seite befindet sich Doña Isabel de Velasco (die Tochter des Don Bernardino López de Ayala y Velasco, des Grafen von Fuensalida und Edelmann des Gemaches seiner Majestät), auch sie ein Hoffräulein und später Edeldame, mit einer Bewegung und sehr typischen Geste, als spreche sie; im Vordergrunde befindet sich ein liegender Hund und neben ihm Nicolasico Pertusato, ein Zwerg, der auf ihn tritt, um so zusammen mit der Wildheit der Figur gleichzeitig auch den Gehorsam und den Sanftmut im Leiden darzustellen; denn als man ihn porträtierte, verblieb er unbeweglich in der Haltung, die man ihm zuwies; diese Figur ist dunkel und wesentlich und verleiht der Komposition große Harmonie; dahinter befindet sich Mari Barbola, ein Zwergin von ungeheuerlichem Aussehen; im weiter entfernten Hintergrunde und im Halbschatten befindet sich Doña Marcela de Ulloa, eine Ehrendame, und ein Wächter der Damen, die der Figurenanordnung eine wunderbare Wirkung verleihen. Auf der anderen Seite befindet sich Don Diego Velázquez. Er die Farbpalette in der linken Hand, und in der rechten den Pinsel, am Gürtel den Schlüssel zum Gemache und als Quartiermeister, und auf der Brust das Gewand des Santiago(- ordens), das ihm aufzumalen Seine Majestät befahl, nachdem er gestorben war; und manche behaupten, Seine Majestät selbst habe es ihm aufgemalt, um die Lehrmeister dieser überaus edlen Kunst mit einem derart herausragenden Chronisten zu ermutigen; denn als Velázquez dieses Bild malte, hatte ihm der König diese Gunst nicht erwiesen. (...) Die Leinwand, auf der gemalt ist, ist groß, und man sieht nichts von dem Gemalten, da man auf ihre Rückseite blickt, die auf der Staffelei ruht. (...) Velázquez stellte seinen klaren Geist dadurch unter Beweis, dass er offenbarte, was er mit geistreichem Striche malte, und zwar indem er sich des kristallklaren Lichts eines Spiegels bediente, den er im hintersten Bereiche der Galerie und gegenüber dem Bilde malte, in dem die Spiegelung oder der Widerschein uns unsere Katholischen Königs Philipp und der Königin María Anna repräsentiert. In dieser Galerie, bei der es sich um diejenige aus dem Gemache des Prinzen handelt, wo fingiert wird und wo gemalt wurde, sieht man - wenn auch nur undeutlich - verschiedene Gemälde an den Wänden; es ist bekannt, dass die von Rubens stammen und Geschichten aus den Metamorphosen des Ovid (zeigen). Diese Galerie verfügt über mehrere Fenster , die man in Verkleinerung sieht, wodurch die Distanz groß erscheint; durch sie dringt das Licht von links herein, und zwar nur durch die vordersten und hintersten. Der Fußboden ist glatt und von einer solchen Perspektive, dass es den Anschein hat, als könne man auf ihn gehen; und an der Zimmerdecke entdeckt man dieselbe Raumfülle. Auf der linken Seite neben dem Spiegel befindet sich eine offene Tür, die zu einer Treppe hinausführt, auf der José Nieto steht, der Quartiermeister der Königin, sehr gut getroffen, ungeachtet der Distanz und der Abnahme der Größe und des Lichtes, in denen man ihn vermutet; zwischen den Figuren gibt es Atmosphäre; ihre Anordnung ist hervorragend, der Einfall neu; kurzum: Es gibt keine Lobpreisung, die dem Stil und der Sorgfalt dieses Werkes gerecht würde; denn es ist Wahrheit, nicht Malerei. (...)" 2 Zu ergänzen ist Palominos Beschreibung um folgende Bermerkungen: Die Galerie, die Velázquez für dieses Bild als Atelier benutzte, befand sich im Alcázar zu Madrid und wurde bis zu seinem frühen Tod 1646 von den Infanten Baltasar Carlos benutzt. Spätere Umbauten hatten die Lokalisierung des Saales zunächst erschwert.3 Die beiden Gemälde von Rubens, die Palomino zufolge zwei Passagen aus den Metamorphosen von Ovid darstellten, thematisieren den Wettstreit zwischen menschlicher und göttlicher Kunst: Minerva und Arachne (links) und Apoll und Midas (rechts). Das Gemälde hat, wie oben bereits erwähnt,
eine Reihe von vielschichtigen Interpretationen erfahren, auf die alle
einzugehen, an dieser Stelle kein Raum bleibt. Verwiesen sei daher auf
den Sammelband von Thierry Greub, erschienen 2001, die Wirkungs- und
Rezeptionsgeschichte von Caroline Kesser von 1994 oder auf die Zusammenfassung
bei Zelger 1994, S. 119ff. Die Fragen wie die Antworten könnten
unterschiedlicher nicht sein. Caroline Kesser hat in ihrer Dissertation
aus der vielfältigen Literatur über die Meninas im
wesentlichen vier Interpretationsstränge feststellen können:
a) Momentaufnahme, b) humanistisches Lehrstück, c) Plädoyer
für die Würde der Malerei, d) Problematisierung der Repräsentation.
Übereinstimmung herrscht trotz aller unterschiedlichen Interpretationen
darin, dass dieses Gemälde ebenso wie die Hilanderas eine bedeutende
Rolle in den Bemühungen des Malers um die Aufnahme in einen der
drei Militärorden Spaniens spielte, bewies Velázquez in
diesen Arbeiten doch seine Kunstfertigkeit und intellektuelle Überlegenheit.
Gerade in diesen beiden Werken konnte die im 17. Jahrhundert in Spanien
umstrittene nobleza der Malerei ausgewiesen werden. In dem langwierigen
Aufnahmeverfahren musste Velázquez nicht allein seine adlige
Herkunft nachweisen, denn diese Militärorden waren ausschließlich
Mitgliedern dieser Gesellschaftsschicht vorbehalten. Darüber hinaus
musste sich das gesellschaftliche Ansehen der Tätigkeit des Malens
ändern, denn bis in das 17. Jahrhundert hinein wurde die Malerei
in Spanien im Gegensatz zur Bildhauerei als Handwerk und nicht als künstlerische
Tätigkeit aufgefasst. Während in Italien dieser Prozess lange
abgeschlossen war, kämpften die spanischen Maler für die Anerkennung
der Malerei als "artes liberales". Dabei ging es nicht zuletzt
auch um materielle Vorteile. Velázquez musste sich von dem Verdikt,
einer handwerklichen Tätigkeit nachzugehen, befreien, wenn die
Aufnahme nicht scheitern sollte, denn das Eintreten eines Handwerkers
in den erlauchten Kreis eines Ordens war unmöglich. Sowohl die
Meninas als auch die Hilanderas bezeugen den in theoretischen
Schriften beschworenen ingenio des Künstlers Velázquez,
dessen Hände lediglich ausführende Instrumente seiner genialen
Bilderfindungen waren.
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Diego Velázquez: Las Meninas, |
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Anmerkungen 1
Stoichita 1991, S. 138. |
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