Diego Velázquez >> Historische Hintergründe >> Lebenswerk

 

 

 

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 |12 | 13 | 14 | 15 | 16

 

Nobilitierung


Seit 1650 unternahm Velázquez Anstrengungen, in einen der drei Militärorden aufgenommen zu werden. Einen entsprechenden Antrag hatte er beim König eingereicht. Die Nominierung durch den König datiert vom 6. Juni 1658. Den Statuten zufolge musste der Anwärter nachweisen, dass er und seine Vorfahren bis in das 4. Glied dem christlichen Glauben angehörten, dass er, seine Eltern oder Großeltern keiner manuellen oder als niedrig angesehenen Arbeit nachgingen (daher die unermüdlichen Anstrengungen, die Malerei aus dem Handwerk zu lösen) und sich damit den Lebensunterhalt verdienten, dass er adliger Herkunft war. Als Haupthindernis erwies sich für Velázquez der Adelsnachweis. Auch wenn die Familie von Fleischsteuern befreit war, was in Sevilla nur für die Edelleute und den Hochadel zutraf, widersprach seine Tätigkeit als Maler und somit als ausübender Handwerker den Statuten. Entsprechend stieß der Antrag zunächst auf Ablehnung. Die Aufnahme in den Santiago-Orden gelang erst im zweiten Anlauf nach päpstlichem Dispens und wurde am 28. November 1659 ausgesprochen. Das Schwert, das die Mitglieder zum Zeichen der Zugehörigkeit trugen, wurde nachträglich in das Gemälde Las Meninas eingefügt.

Als Velázquez am 6. August 1660 im Alter von 61 Jahren verstarb, hatte er den Gipfel innerhalb der höfischen Hierarchie erreicht. Er war der Maler des Königs, zugleich Hofmarschall und Mitglied einem der ranghöchsten Orden des Landes. Als erster spanischer Maler war er nobilitiert worden. Er stellte eine Ausnahmeerscheinung im gesellschaftlichen Gefüge Spaniens im 17. Jahrhundert dar.

Raphael Mengs (1728 -1779) urteilte über die Entwicklung der Malerei bei Velázquez: "Der Wasserverkäufer von Sevilla erlaubt dir zu sehen, wie er in seinen Anfängen seine Kunst der Nachahmung des Natürlichen unterwarf, indem er alle Teile vollendete und ihnen jene Kraft gab, die er im Modell gesehen zu haben scheint, und indem er den wesentlichen Unterschied zwischen den Teilen, die Licht und Schatten erhalten, beachtete (...) Doch wo er ohne Zweifel die genaueste Idee des Natürlichen gab, ist in dem Bild Las Hilanderas, das in seinem letzten Stil und in einer Art gemalt ist, dass es scheint, als ob die Hand keine Rolle in der Ausführung gespielt hätte, sondern das es nur als ein Akt des Willens gemalt worden sei." 1

>>

zurück zur Gliederung


 

 

 

Diego Velázquez: Alte Frau beim Eierbraten
1618, Öl auf Leinwand, 100,5 x 119,5 cm, Edinburgh,
National Gallery of Scotland,
aus: Norbert Wolf, Velázquez, Köln 1999, S. 10.

Anmerkungen

1 Adolph Mengs an Ponz, s. Antonio Ponz, Viaje de España, VI, 1776 zitiert nach Stoichita 1991, S.141.

zurück
zurück zur Gliederung