Diego Velázquez >> Historische Hintergründe >> Lebenswerk

 

 

 
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Die religiösen Bilder


Velázquez hat im Laufe seines Lebens nur wenige Gemälde mit religiösen Inhalten gemalt, in denen er die von seinem Schwiegervater Francisco Pacheco im Namen der Inquisition postulierte und überwachte gegenreformatorische Bildsprache beherzigte. Zu den wichtigsten gehören: Maria schenkt dem heiligen Ildefonso ein Messgewand (um 1620 ?), Josefs blutiger Rock wird Jakob gebracht (1630)(s.u.), Das San-Plácido Kruzifix (um 1630), Die Heiligen Antonius der Abt und Paulus der Eremit (um 1634 ?), Krönung der Maria (um 1645). Sie weisen die Merkmale der jeweiligen stilistischen Entwicklung auf, während der sie gemalt wurden: "Velázquez griff an Vorbildern auf, was ihm wichtig und studierenswert schien."
1  In dem Gemälde Maria schenkt dem heiligen Ildefonso ein Messgewand ist das künstlerische Vorbild für die Darstellung des asketischen Heiligen, hier des Ildefonso, in Grecos heiligem Paulus (1608 - 1614) zu finden.>>


In der Darstellung des Christus am Kreuz (um 1630, für das Benediktinerinnen-Kloster San Plácido in Madrid, auch San-Plácido-Kruzifix genannt) hielt sich Velázquez an die Regeln der gegenreformatorischen Bilderwelt, wenn er z.B. alle vier Nägel malt, mit denen Christus an das Kreuz geschlagen wurde. Auftraggeber des Votivbildes war vermutlich der Staatsekretär Jerónimo de Villanueva. Christus wird in dem Moment gezeigt, in dem ihm der Kopf auf die Brust fällt, nachdem er die Worte "Es ist vollbracht" ausgesprochen hatte. Sein Körper ist in vollem Licht dargestellt, der Kopf von einem Lichtschein umgeben. Der Hintergrund ist dunkel gehalten. Trotz der auf den ersten Blick konventionellen Darstellung des Kreuzigten lassen sich auch Neuerungen feststellen: Dazu gehören die extreme Nahansicht der Komposition, die naturgetreue Wiedergabe des Körpers, die über die rechte Gesichtshälfte fallenden Haare. Wenn man genau hinschaut, erkennt man, das Velázquez die Figur als klassischen Kontrapost gestaltet hat. "Etwas übertreibend könnte man sogar sagen, dass dieses Gemälde zwei Betrachtungsweisen ermöglicht: einerseits ist es als traditionell gestaltetes Andachtsbild, andererseits als Bild einer gekreuzigten Statue wahrnehmbar."
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Christus am Kreuz,
um 1632, Öl auf Leinwand, 248 x 169 cm,
Madrid, Museo del Prado, TUD Diathek

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Wenige Jahre nach dem San-Plácido-Kruzifix entstand das Gemälde Die Heiligen Antonius der Abt und Paulus der Eremit (um 1634?). Das Werk, das für eine ermita im Park des Buen Retiro-Palastes bestimmt war, stellt eine Szene aus der Legenda Aurea des Jacobo de Voragine dar: Der Besuch des Antonius bei Paulus. Im Vordergrund der Simultandarstellung sind in der Bildmitte die bärtigen Sitzfiguren der beiden Heiligen Antonius der Abt (links in dunkler Mönchskutte) und Paulus der Eremit (rechts in hellem Gewand) zu sehen. Sie werden rechts von einem Baum flankiert. Paulus hat die Hände zum Gebet erhoben. Sein Blick geht in Richtung einer Krähe, die, ein Brot im Schnabel, von links auf die beiden Heiligen herunterzustürzen scheint. Hinter ihnen erhebt sich eine mächtige mit einer Höhle versehene Felswand, die zwei Drittel der Leinwand einnimmt; links davon öffnet sich der Ausblick auf eine weitläufige Flusslandschaft. In diese Landschaft sind Szenen aus dem Leben der Heiligen eingebettet: Im Hintergrund ist Antonius zu sehen, der einen Kentauren nach dem Weg zu Paulus fragt; danach trifft er auf einen Faun, ein bocksfüßiges gehörntes Untier; schließlich klopft er an die Höhlentür; die Schlusssequenz zeigt Antonius, der neben dem toten Paulus im Gebet versunken ist, währenddessen zwei Löwen die letzte Ruhestätte für Paulus graben. Als Vorbilder werden u.a. ein um 1503 entstandener Holzschnitt von Albrecht Dürer genannt, vor allem hinsichtlich der Gestaltung der Krähe mit dem Brot, und ein Gemälde von Joachim Patinir von 1510 - 1515 , das Velázquez in der königlichen Kunstsammlung studieren konnte.

Die Heiligen Antonius, der Abt und Paulus,
der Eremit um 1635 - 1638,
Öl auf Leinwand, 261 x 191,5 cm,
Madrid, Museo del Prado, TUD Diathek

Die Heiligen Antonius, der Abt und Paulus,
der Eremit (Detail), um 1635 - 1638,
Öl auf Leinwand, 261 x 191,5 cm,
Madrid, Museo del Prado, TUD Diathek

Abrecht Dürer,
Die Heiligen Antonius der Abt
und Paulus der Eremit,
um 1503, Holzschnitt, New York, Metropolitan Museum of Art,
aus: Museo del Prado (Hrsg.):
Velázquez (Ausstell.kat.),
Madrid 1990, S. 289
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Joachim Patinir,
Der heilige Hieronymus in der Wüste,
1510 - 1515, Öl auf Leinwand, 74 x 91 cm, Madrid, Museo del Prado aus: Museo del Prado (Hrsg.): Velázquez (Ausstell.kat.), Madrid 1990, S. 289.

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Um 1645 schuf Velázquez das Gemälde Krönung der Maria. Engelsgleiche putti tragen die Wolkenformationen, auf denen die Mutter Christi in den Himmel gehoben wird. Gottvater (rechts, mit einer linken Hand eine Kristallkugel an den Körper pressend) und Christus (links), beide in altrosa/rot changierenden Gewändern halten den Rosenkranz über das Haupt Mariens. Darüber schwebt eine weiße Taube, Symbol des Heiligen Geistes, die von einer Lichtgloriole umgeben ist. Die Darstellung der Maria entspricht den Forderungen Pachecos: In ihren makellosen jugendlichen Gesichtszügen manifestiert sich das Postulat der Jungfräulichkeit der Mutter Christi und ihre unbefleckte Empfängnis.

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Diego Velázquez, Krönung der Maria,
um 1645, Öl auf Leinwand,
178,5 x 134,8 cm,
Madrid, Museo del Prado, TUD Diathek

Francisco Pacheco, Immaculata,
1621, Sevilla, Kathedrale, TUD Diathek

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Diego Velázquez,
Maria legt dem hl. Ildefons das Messgewand an;
um 1620 (?); Öl auf Leinwand, 166 x 120 cm,
Sevilla, Museo de Bellas Artes, TUD Diathek

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Anmerkungen

1 Wolf 1999, S. 20.
2 Stoichita 1991, S. 130f.

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