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1622 verließ Velázquez erstmals seine Heimatstadt, um sein Glück in Madrid, im Zentrum der Macht zu suchen. 1 Die erste Bewerbung verlief erfolglos. Im Frühjahr 1623 jedoch schuf Velázquez auf Anordnung des Grafen Olivares ein Porträt des jungen Monarchen, das so außerordentlich gefiel, dass er am 6. Oktober 1623 zum alleinigen Porträtisten des Königs ernannt wurde, mit einer Entlohnung von 20 Dukaten im Monat. Velázquez wird den spanischen Monarchen und die königliche Familie bis zu seinem Tod 1660 wiederholt malen.
Da unter den anderen drei Hofmalern der Neid um Velázquez´ Bevorzugung anschwoll, wurde auf Geheiß Philipps IV. im Jahre 1627 ein Wettbewerb unter den Hofmalern veranstaltet, den Velázquez für sich entscheiden konnte. Gleichzeitig wurde er zum Kammerherrn ernannt - eine Stellung, die zusätzlich mit dem Privileg des mietfreien Wohnens und kostenloser ärztlicher Behandlung belegt war. Seine weitere Karriere innerhalb der Hofes brachte ihn bis in die Position des Hofmarschalls. In Madrid hatte Velázquez Zugang zur königlichen Bildersammlung im Alcázar, die er ausgiebig studieren konnte. Dort fanden sich in jenen Jahren u.a. Werke von Hieronymus Bosch. Albrecht Dürer und vor allem von Tizian. Eines der Hauptwerke jener Jahre ist das in königlichem Auftrag gefertigte Gemälde Triumph des Bacchus von 1628/29 (Öl auf Leinwand, 165,5 x 227,5 cm, Madrid, Museo del Prado). Es ist die erste großformatige mythologische Darstellung, die zugleich als Überwindung der bodegones gilt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der hellbeleuchtete Bacchus, Gott des Weines und der orgiastischen Feste, der halbnackt und mit einer Weinlaubkrone bekrönt auf einem Fass sitzt. Er krönt gerade einen vor ihm knienden Soldaten (oder Bauern) mit einer Weinlaubkrone. Die Zeremonie - als Parodie eines Krönungsaktes zu verstehen - wird von einer Gruppe von Bauern mit wettergegerbten Gesichtern auf der rechten Bildhälfte beobachtet. Zwei der Bauern schauen geradewegs aus dem Bild heraus auf den Betrachter. Rechts von Bacchus sehen zwei weitere Zuschauer der Szene zu, die ebenfalls Weinlaubkronen tragen und damit dem Gefolge des Gottes zuzurechnen sind. Die vordere der beiden Figuren ist in Rückenansicht gegeben. und dient als Einführungsfigur in die Szene. Vor Bacchus liegt auf dem Boden eine Schale aus Glas. Daneben steht ein irdener Krug, der in dieser Form auch heute noch in Spanien für Wein verwendet wird. Die zwei der Bauern und einer der Satyrn aus dem Gefolge des Bacchus halten mit Wein gefüllte Gläser und Schalen in den Händen. Durch den direkten Blickkontakt mit den erwähnten Bauern und durch die Rückenfigur wird der Betrachter in doppelter Weise in das Bild einbezogen. Victor Stoichita fasste zusammen: "Im Mittelpunkt seines (Velázquez´) Interesse stand der eindrucksvolle Kontrast zwischen der überirdischen Erscheinung des Weingottes (Durch die helle Farbe der Haut, die intensive Beleuchtung, auch das kostbare zwischen altrosa und apricotfarben changierende Tuch betont, das um dessen Lenden drapiert ist, d.A.) und die irdische Präsenz seiner Begleitung. Betrachtet man nur die Bauerngruppe oder das großartige Stillleben im Bildzentrum, so begreift man, wie sehr der Maler noch seiner Sevillaner Periode verpflichtet ist. Betrachtet man die Gestalt des Gottes oder diejenige des liegenden Saturn, so wird die Hinwendung Velázquez zum klassischen Ideal offensichtlich." 2 Das Bild vereint drei Bildgattungen: Stillleben, Genreszene und mythologische Szene.
Die Figur des Bacchus lehnt sich an Bacchus von Caravaggio (um 1598, Öl auf Leinwand, 98 x 85 cm, Florenz, Galleria degli Uffici) an. Für die Darstellungen der Bauern wurden die Bildtypen des Ribera als Vorbilder genannt. Für die Darstellung des Bacchus allerdings setzt Velázquez erstmals neue, bislang für ihn untypische Farbtöne ein: Hellere Körperfarben, sowie altrosa für die Stoffbahnen, die um die Hüften des Gottes gelegt sind. Diese künstlerischen Mittel wird er auch weiterhin dort anwenden, wo ein Gott oder gottgleiches Wesen in den Bildern auftritt, z.B. in der Schmiede des Vulkan oder im Mars. Die Lichtpunkte in den Gesichtern, vor allem der Bauern, sind prägnanter gesetzt, die Pinselführung spontaner. Diese Neuerungen wurden auf den Einfluss von Peter Paul Rubens zurückgeführt, der seit 1628 in diplomatischer Mission in Madrid weilte. Im Alcázar wurde ihm ein Atelier zur Verfügung gestellt, in dem Velázquez ihn besuchen durfte. Seinem Einfluss wird auch zugesprochen, dass Velázquez im Jahr 1629 im Gefolge des Marchese Spinola zu seiner ersten Italienreise aufbrach, "um diese wundervollen Gemälde und Skulpturen zu betrachten und zu studieren, welche die Fackel sind, die den Weg der Kunst erhellt, und die höchste Bewunderung verdienen." 3 Der Weg führte über Genua und Mailand zunächst nach Venedig. Dort konnte er die Werke von Tizian (1485/90 - 1576) und Tintoretto (1518 - 1594) studieren. Weitere Stationen waren Ferrara, Florenz, Rom und Neapel. In Rom verbrachte er mehrere Monate mit dem Studium der Arbeiten von Raffael (1483 - 1520) und Michelangelo (1475 - 1564). Die Quellen berichten, das er Zeichnungen der alten Meister angefertigt habe. Velázquez wurde während seines Romaufenthaltes von dem Grafen von Monterrey, zwischen 1628 und 1631 ordentlicher Botschafter der spanischen Krone in Rom, protegiert. Neben dem Studium der italienischen Meister bestand Velázquez´ Auftrag in der Suche und dem Erwerb von Gemälden für die königliche Sammlung. Für diesen Zweck wurde er mit Empfehlungsschreiben sowohl des spanischen Monarchen als auch des mächtigen Conde-Duque de Olivares ausgestattet, die ihm in Rom Tür und Tor zu den wichtigsten Persönlichkeiten öffneten.
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Félix Castello, Der Alcázar
von Madrid, |
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Anmerkungen 1
Ein Jahr zuvor, 1621, war Philipp IV. als Nachfolger seines Vaters Philipp
III. zum König von Spanien gekrönt worden. Er überlies
die Staatsgeschäfte 1623 jedoch dem aus Sevilla stammenden Grafen
de Olivares, den er zum Premierminster ernannt hatte. |
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