Diego Velázquez >> Historische Hintergründe >> Lebenswerk

 

 
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Bilder der ersten Italienreise 1629/30

Zu den Bildern der Italienreise gehört das Gemälde Die Schmiede des Vulkan (223,5 x 290 cm, Öl auf Leinwand, Madrid, Museo del Prado). Es hat eine Episode aus den Metamorphosen des Ovid (4,173: "Er (Sol/Apoll) war der erste der Götter, so glaubt man, welcher der Venus Liebe zu Mars, die verbotene, merkte: es sieht dieser Gott ja alles zuerst. Es kränkt ihn die Tat, und er meldet der Juno Sohne, dem Gatten, wie sehr man und wo man sein Lager beleidigt. Dieser vergaß, was er schuf, und das Werk, das die künstliche Rechte hielt, es entfiel der Hand. ...") zum Thema: Dargestellt ist der Moment, in dem Apoll den Vulkan über die Liaison zwischen seiner Frau Venus und Mars, dem Kriegsgott, unterrichtet. Vulkan verharrt ebenso wie seine Gehilfen in ungläubigem Erschrecken wegen dieser Nachricht. Ihre Aufmerksamkeit gilt allein Apoll. Jede Aktivität, jede Bewegung ist im Augenblick der Nachricht erstarrt: Das Eisen liegt rotglühend auf dem Ambos, ein Gehilfe hält inne in der Bearbeitung eines Brustharnischs - die Zange in der Hand.

Die Werkstatt und die darin arbeitenden Handwerker wurden in gedeckter Farbpalette gemalt. Vulkan und seine Gehilfen sind nur mit einem um die Hüften geschlungenen Tuch bekleidet und verdeutlichen damit die Hitze, die in der Werkstatt herrscht. Für die Person des Lichtgottes Apoll wählte Velázquez helle Farben und taucht ihn in helles Licht. Sein Kopf umrahmt ein Lichtnimbus. Das ihn umhüllende Tuch ist in lichtdurchflutetem Rot gegeben - Farben, die an Tizian und Tinoretto gemahnen. Die Parallelen zum Bacchus-Bild sind augenscheinlich, auch wenn die Farbpalette insgesamt lichter geworden ist.

Durch die Anordnung der Hauptpersonen Apoll und Vulkan in der linken Bildhälfte liegt hier das Zentrum der Bilderzählung. Um kompositorisch ein Gegengewicht auf der rechten Bildhälfte zu erreichen, konzentrierte Velázquez hier die vier Gehilfen vor dem Kamin. Einer von ihnen beobachtet das Geschehen im Vordergrund aus dem hinteren Teil der Werkstatt. Velázquez versteht es auch hier, treffliche Stillleben zu komponieren: Zwei Hammer, die an einem Ambos und am Haustein lehnen, und deren Stile auf Apoll und Vulkan weisen. Daneben ist eine ebenfalls an den Haustein gelehnte Schale zu sehen. Am Brustharnisch in der rechten Bildhälfte lehnt ein weiterer Hammer, rechts daneben liegen Teile des Harnischs auf dem Boden. Auf dem Kaminsims steht, neben drei teils übereinander gestapelten grauen Trinkgefäßen eine zierlicher weißer, irdener Krug, der wie ein Fremdkörper in der Werkstatt wirkt. Ein Hinweis auf die abwesende Hausfrau? Hinter Apollo öffnet sich der Raum - ein Landschaftsausblick wird sichtbar. Ob es sich hierbei tatsächlich um eine Fensteröffnung oder um ein Bild handelt, bleibt unklar. Über der Szene liegt die Aura der Peinlichkeit: Apoll, zu dem sich eine Kopfstudie erhalten hat, wirkt mit seinem koketten Auftreten wie ein jugendlicher Geck, der gar nicht schnell genug seine Nachricht überbringen kann. Vulkan hingegen erscheint als tölpelhafter, nichtsahnender Ehemann, der vom Betrachter wegen seiner Naivität belächelt wird. Als künstlerisches Vorbild wurde ein Stich von Antonio Tempesta aus der 1606 in Antwerpen erschienenen Ovid-Ausgabe herangezogen. Velázquez modifizierte sie allerdings sehr stark.

Antonio Tempesta, Schmiede des Vulkan, (Antwerpen 1606),
New York, Metropolitan Museum of Art,
TUD Diathek

 

 

 

 

Diego Velázquez, Kopf des Apoll in der Schmiede des Vulkan, 1630,
Öl auf Leinwand, 36 x 25 cm, Japan, Privatbesitz, aus. Wolf 1999, S. 23.

 

 

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Die zweite große in Rom entstandene Arbeit ist das Gemälde Josefs blutiger Rock wird Jakob gebracht. Geschildert wird hier jener dramatische Szene (I. Mose/Gen. 37), in dem die in Bocksblut getauchten Kleider des Josef seinem greisen Vater Jakob überbracht wird, um diesen glauben zu lassen, sein Lieblingssohn wäre tot. Im Gegensatz zu dem vorherigen Gemälde spitzt sich die Dramatik hier von links, wo die Söhne Jakobs stehen, nach rechts zu. Dort sitzt, am rechten Bildrand, die Hände vor Schreck erhoben, der greise Jakob. Die Szene spielt in einem offenen Saal, der im Hintergrund einen Landschaftsausblick freigibt. Das Licht fällt von rechts auf die Überbringer der vermeintlichen Unglücksbotschaft. Zwischen ihnen und Jakob stehen verschattet und erst auf den zweiten Blick registriert zwei weitere Personen, deren vordere in nachdenklicher Miene die rechte Hand vor den Mund hält. Am rechten unteren Bildrand steht ein bellendes Hündchen, das kompositorisch ein Gegengewicht zu den am linken unteren Bildrand auf dem Boden liegenden Gegenständen bildet: Velázquez hat hier aus Kappe und Stock wieder um ein Stillleben geschaffen. Der vor Jakob zu Boden gefallene Stock trennt Jakob und die Unglücksboten optisch von einander. (In dieser Weise lässt sich auch für den unmittelbar vor Apoll stehenden Ambos in dem Bild Die Schmiede des Vulkan interpretieren.) Der Saal, in dem sich die Szene abspielt ist karg, einzig der rote gemusterte Teppich, auf dem Jakob steht, ist Zeugnis für einen gewissen Wohlstand. In der Forschung wird vor allem das räumliche Tiefenwirkung erzeugende Schachbrettmuster des Fußbodens hervorgehoben, das sich auch in den Arbeiten von Tizian und Tintoretto findet. Effektvoll setzt Velázquez in der Kleidung Komplementärfarben gegeneinander.

 

Diego Velázquez, Josefs blutiger Rock wird Jakob gebracht, 1630,
Öl auf Leinwand, 223 x 250 cm,
Madrid, Patrimonio Nacional,
Monasterio de San Lorenzo de El Escorial,
TUD Diathek

 

 

Diego Velázquez, Josefs blutiger Rock wird Jakob gebracht (Detail),
1630, Öl auf Leinwand, 223 x 250 cm,
Madrid, Patrimonio Nacional, Monasterio de San Lorenzo de El Escorial, TUD Diathek

Diego Velázquez, Josefs blutiger Rock wird Jakob gebracht (Detail),
1630, Öl auf Leinwand, 223 x 250 cm,
Madrid, Patrimonio Nacional, Monasterio de San Lorenzo de El Escorial, TUD Diathek

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Beide Bilder wurden auch als Pendants angesehen. Carl Justi interpretierte sie als Gleichnisse über einen aufgedeckten (Schmiede des Vulkan) und einen geglückten Betrug (Josefs blutiger Rock), während Moffitt sie als christliche Allegorien deutete, indem er Apoll als Gott der Weissagung und Reinheit mit Christus gleichsetzte und den blutigen Rock des Joseph als Vorankündigung des Todes Christi ansah.


Zwei Landschaftsdarstellungen
Singulär im Werk Velázquez´ stehen zwei Landschaftsdarstellungen, die der Maler während einer seiner beiden Italienreisen schuf: Villa Medici, Pavillon der Ariadne, 44,5 x 38,7 cm, Öl auf Leinwand, Madrid, Museo del Prado und Villa Medici, Zwei Männer bei der Fassade der Grottenloggia, 48,7 x 43 cm, Öl auf Leinwand, Madrid, Museo del Prado. Beide Bilder zeigen eine völlig neue Farbpalette in vorwiegend Grün- und Ockertönen und wirken wie ein Vorgriff auf die Malerei des Impressionismus. Die Datierung der beiden Bilder ist bislang nicht eindeutig geklärt. Für die Entstehung während der ersten Italien 1629/30 wird eine Textstelle aus Palominos Biographie herangezogen, die besagt, Velázquez habe im Sommer 1629 oder 1630 mehrere Wochen in der Villa Medici gewohnt, "da ihm dieser Ort für seine Zwecke und zum Studieren gerade im Sommer gut geeignet erschien, denn es handelt sich um den höchsten und luftigsten Ort von Rom, und es gibt dort die schönsten antiken Statuen zu kopieren. (...) Er hielt sich dort mehr als zwei Monate auf(...)", wie Antonio Palomino berichtet. Für eine Datierung um 1649/50, also während zweiten Italienreise, sprechen Dokumente, in denen von umfangreichen Umbauarbeiten in jener von Velázquez gemalten Loggia und Grotte die Rede ist. Auf den Gemälde Villa Medici - Zwei Männer bei der Fassade der Grottenloggia ist die Grotte von einem Bretterverschlag verstellt zu sehen. Davor stehen zwei Männer, die über die Arbeiten zu debattieren scheinen. Auf der zweiten Landschaftsdarstellung Villa Medici, Pavillon der Ariadne öffnet sich der Blick durch einen Portikus auf die Gärten der Villa Medici. In der mittleren Öffnung des Portikus ist eine liegende Statue der Ariadne zu sehen. Velázquez Landschaftsdarstellungen gehören zu den frühesten Pleinair-Arbeiten, also Gemälde, die direkt vor der Natur geschaffen wurden.

Terrasse und Garten der Villa Medici in Rom;
1630/1650 (?), Öl auf Leinwand, 44 x 39 cm,
Madrid, Museo del Prado, TUD Diathek
Portikus der Ariadne im Garten der Villa
Medici in Rom; 1630/1650 (?),
Öl auf Leinwand, 49 x 43 cm,
Madrid, Museo del Prado, TUD Diathek

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Diego Velázquez: Die Schmiede des Vulkan,
1630, Öl auf Leinwand, 223 x 290 cm,
Madrid, Museo del Prado, TUD Diathek

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Anmerkungen

1 vgl. Justi 1888/1982, S. 250: Moffitt 1983, S. 322ff.
2 (Antonio Palomino, El Parnaso Español, 1724, zitiert nach Andrés Úbeda de los Cobos, Der Graf von Monterrey, Neapel und der Buen Retiro, in: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Velázquez-Rubens-Lorrain - Malerei am Hof Philipps IV., Ausstellungskatalog, Bonn 1999, S. 86. )

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