Diego Velázquez >> Historische Hintergründe >> Lebenswerk

 

 

 

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Porträts

1631 begann jedoch zunächst einmal eine Phase intensiven Schaffens, in der Velázquez alle seine auf der Italienreise gewonnenen Kenntnisse einsetzen konnte. Es hat fast den Anschein, als habe er wie im Rausch gemalt, ganz beseelt von seinen italienischen Eindrücken. Anfangs war er vorwiegend mit der Ausführung von Porträtaufträgen beschäftigt. Die Porträtmalerei war für Velázquez diejenige Gattung, in der sein eigentliches Tätigkeitsfeld fand. Es entstand eine große Zahl an Porträts, nicht nur der Königlichen Familie, sondern auch vieler seiner Zeitgenossen, die es chic empfanden und es sich leisten konnten, vom Maler des Königs konterfeit zu werden. Die Bildnisse beeindrucken vor allem durch die Würde, die Velázquez in sie hineinlegt - gleichgültig, welcher sozialen Schicht der Porträtierte entstammt. Velázquez modellierte die Gesichter fein. Es sind nicht einfache Abbilder - vielmehr scheint man hinter jedem Gesicht, hinter jedem Blick das Schicksal der Porträtierten zu erahnen. Es ist an dieser Stelle unmöglich, auf alle Porträts einzugehen, bzw. sie vorzustellen. Eine Auswahl finden Sie in der Bildergalerie.

Da die Porträts der königlichen Familie und viele seiner berühmten Zeitgenossen im Œvre überwiegen, sollen hier deren gemeinsame Charakteristika genannt werden.
Charakteristische Elemente der Porträts sind:
- Häufiger Verzicht auf raumgebenden Hintergrund und Einrichtungsgegenstände. Die Porträtierten werden vielmehr vor eine einheitlichen Farbfläche gestellt, die keine räumliche Tiefe entwickelt. Der einheitliche Hintergrund bewirkt die Konzentration des Betrachters auf den Porträtierten.
- Velázquez spielt mit der Spannung zwischen nur skizzenhaft angedeuteten, scheinbar nicht fertig ausgeführten Bildpartien und sehr detailgenauer Darstellung, z.B. die Darstellung kostbarer Stoffe, Halskrausen usw. Die nicht ausgearbeiteten Passagen wurden in der Forschung mit dem Argument der großen Anzahl, die Velázquez zu bewältigen hatte, erklärt. Doch ist es gerade das Nebeneinander der skizzenhaften und der ausgearbeiteten Stellen, das die Porträts so lebendig erscheinen lässt.

Die Person, die Velázquez am häufigsten porträtierte, war zweifellos der spanische König Philipp IV. Es sind sowohl lebensgroße Staatsporträts Philipps IV. im Prunkgewand, die das Bild vom König in der Öffentlichkeit so getreu wie möglich wiedergeben sollten, als auch Bildnisse im schlichten schwarzen Alltagsgewand.

Beispielhaft für die Entwicklung seiner Porträtmalerei sollen einige Porträts Philipps IV vorgestellt werden:
a) Der junge König im schwarzen Alltagsornat vor einer raumgebenden Kommode. Das Gesicht ist weich modelliert, die charakteristische "Habsburger" Unterlippe betont.
b) Der junge König in offizieller Gewandung. Es ist mehr Raum im Hintergrund zu sehen.
c) Das große Staatsporträt, das den König im prunkvollen Gewand darstellt wie z. B das Porträt in Braun und Silber. Es lässt eine neue Farbigkeit erkennen, die Pinselführung ist lockerer. Farbakzente sind lockerer gesetzt: Die dunkle Farbe der Augen kontrastiert mit der hellen Haarfarbe. "Innovativ ist hier vor allem die Maltechnik. Fließende Pinselstriche geben die prachtvolle Stickerei des Kostüms wieder. Die flüchtigen Lichtreflexe der Silberfäden sind in Wirklichkeit nur kurze Pinselstriche. Nie zuvor, selbst beim alten Tizian nicht, war die Freiheit der Pinselführung so absolut gewesen. Hier begegnen wir zum ersten Mal dem "modernen" Velázquez, der der Monotonie der Gattung "Königsporträt" zum Trotz die Sinnlichkeit des Malens auf eine bis dahin noch unerreichte Ebene führt."1

 

Diego Velázquez, Philipp IV.,
um 1624, Öl auf Leinwand,
New York, Metropolitan Museum of Art,
TUD Diathek

 

Diego Velázquez, Philipp IV.;
um 1630, Öl auf Leinwand,
205 x 117 cm,
Sarasota, John and Mable Ringling, Museum of Art,
TUD Diathek

 

Diego Velázquez, Philipp IV.
in Braun und Silber,
1631/32, Öl auf Leinwand, 199 x 113 cm,
London, The Trustees of the National Gallery,
aus: Wolf 1999, S. 32.

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Zu den Staatsporträts gehört auch das Porträt Philipp IV. in Fraga , das einzige, das Velázquez in den 40er Jahren vom spanischen König malte. Philipp posiert selbstbewusst in demjenigen Gewand, in dem er die Franzosen bei Lérida geschlagen hatte. (In Fraga hatte er sein Hauptquartier aufgeschlagen.) Er blickt von rechts nach links, den Feldherrenstab fest in der rechten Hand, den dunklen Hut in der linken. Palomino schrieb über dieses Bildnis: "Diego Velázquez malte eine sehr elegantes lebensgroßes Porträt seiner Majestät, das nach Madrid gesandt werden sollte und ihn zeigt, wie er aussah, als er in Lérida einzog, den Marschallstab in der Hand, gekleidet in ein karmesinrotes Gewand, ein Porträt von so feinem Aussehen, solcher Grazie und Majestät, das man glauben konnte, einen zweiten lebenden Philipp zu sehen." 2

Diego Velázquez, Philipp IV. (Bildnis von Fraga),
1644, öl auf Leinwand, 130 x 99,5 cm,
New York, Frick Collection, TUD Diathek

 

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In den Altersporträts des spanischen Königs (entstanden 1655-60, Madrid, Museo del Prado) gelingt Velázquez ein Höchstmaß an psychologischem Ausdruck. Er konzentriert die Darstellung auf die Gesichtszüge des Monarchen, die das Wesentliche sind. Raum und Kleidung treten in den Hintergrund. Philipp wird von Sorgen gezeichnet dargestellt. Diese Sorgen waren damals hauptsächlich: die ungesicherte Erbfolge und der Verlust des internationalen politischen Einflusses. In jenen Jahren kümmerte sich Philipp IV. verstärkt um seine Gemäldesammlung.

 

Philipp IV.; Madrid, Prado, TUD Diathek

 

Philipp IV. ; um 1655 ;
Öl auf Leinwand, 64.1 x 53,7 cm,
London National Gallery, TUD Diathek

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Diego Velázquez
Doña María von Österreich, Königin von Ungarn;
1630 (?), Öl auf Leinwand,
59,5 x 45,5 cm,
Madrid, Museo del Prado,
TUD Diathek

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Anmerkungen

1 Stoichita, 1991, S. 131f.
2 zitiert nach Zelger 1994, S. 93.

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