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Als das Museo del Prado in Madrid im Jahre 1990 eine Ausstellung mit Werken von Diego Velázquez organisierte, passierte für spanische Verhältnisse Erstaunliches: In Dreierreihen standen in- und ausländische Besucher vor dem Museum Schlange und nahmen eine Wartezeit von bis zu 6 Stunden in Kauf, um die Ausstellung sehen zu können. An den letzten Tagen vor dem Ende entschloss sich die Museumsleitung, das Museum bis 24.00 Uhr geöffnet zu lassen. Sie reagierte damit auf die heftigen, zum Teil handgreiflichen Proteste seitens des Publikums gegen Schließung der Schau bereits um 20.00 Uhr. Auch der Katalog war innerhalb von zwei Tagen nach Ausstellungseröffnung ausverkauft; jede Neuauflage war, morgens um 9 Uhr bei Museumsöffnung druckfrisch ausgeliefert, ebenfalls innerhalb weniger Stunden vergriffen, so dass eine zweite Schlange zum Erwerb des Kataloges entstand.
Der Ansturm auf Ausstellung und Katalog ist kaum begreiflich, denn zwei Drittel der in der Ausstellung gezeigten Werke waren tagtäglich in der ständigen Sammlung des Museums zu besichtigen - doch war die Sogwirkung offensichtlich auf einige bedeutende Ausstellungsstücke aus ausländischen Museen zurückzuführen, die erstmals die Zusammenschau des Velázquez´schen Oevres ermöglichte. Im Katalog wurden in den Einzelbeiträgen zu den ausgestellten Gemälden die Ergebnisse der damals jüngsten Forschungen auf hispanischem Boden umfassend präsentiert.

Velázquez, der Hofmaler des spanischen Königs Philipps IV., gehört wie beispielsweise Peter Paul Rubens, Rembrandt van Rijn, Frans Hals, Jacob Jordaens, Georges de la Tour, Claude Lorrain, Nicolas Poussin zu den großen europäischen Künsterpersönlichkeiten des 17. Jahrhunderts. In seiner Person scheint sich das Ideal eines genialen Künstlers zu erfüllen, der seine komplizierten und inhaltlich komplexen Bilderfindungen ohne große Vorstudien direkt auf die Leinwand zu malen schien und der in die höchsten gesellschaftlichen Schichten aufsteigen konnte, nobilitiert schließlich durch die Aufnahme in den ehrwürdigen Orden der Santiago-Ritter. Künstlerischen Ausdruck und Höhepunkt fand diese Karriere in dem Gemälde "Las Meninas", das Velázquez um 1656 schuf und das wie eine Quintessenez seines Lebens und seines Oevres erscheint. Keines seiner Bilder hat so viele Deutungsversuche von seiten der Kunstgeschichte angeregt wie dieses.

Anders als seine spanischen Zeitgenossen z.B. Jusepe Ribera (1591 - 1652) , Bartolomé Esteban Murillo (1617 - 1682), Francisco de Zurbarán (1598 - 1664), Alonso Cano (1601 - 1667), wurde Velázquez erst relativ spät einem breiten Publikum bekannt. Das lag u.a. daran, dass seine Gemälde in den königlichen Sammlungen hingen, der großen Allgemeinheit demzufolge nicht zugänglich war. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert. Auch die Kunstgeschichtsforschung begann sich erst zu dieser Zeit für den Sevillaner Maler zu interessieren, wiewohl Biographisches über ihn bereits zu seinen Lebzeiten publiziert wurde. Den Maler Velázquez vorzustellen ist Ziel dieser Lektion. Da nicht alle Gemälde aus seinem umfangreichen Oevre eingehend behandelt werden konnten, möchten wir an dieser Stelle auf die Literaturliste verweisen, die weiterführende Literatur für die selbständige Weiterarbeit nennt.

 

Mars; um 1639 - 1640,
Öl auf Leinwand, 181 x 99 cm,
Madrid, Museo del Prado, TUD Diathek

   

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