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Definitionen

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Traditionelle Erzählungen, die sich insbesondere mit Göttern, Dämonen, Heroen, der Entstehung der Welt, des Menschen, seinen geschichtlichen Anfängen usw. beschäftigen. Ein Mythos ist ein überlieferter Stoff, der in vielen Sprachen und Kunstgattungen in immer neuen Variationen erzählt und dargestellt worden ist und werden kann.
"'Mythos' war für die frühen Griechen einfach 'das Wort', 'die Geschichte', synonym zu 'Logos' oder 'Epos', ein 'Mythólogos' ist ein Geschichtenerzähler. Erst das Misstrauen den traditionellen Geschichten gegenüber schränkte die Bedeutung ein: Herodot, der Zeitgenosse der sophistischen Aufklärung, verwendet das Wort zum erstenmal nur noch zur Bezeichnung von unglaubwürdigen Geschichten, und Thukydides grenzt seine in neuem Wahrheitsanspruch erzählte Geschichte ab vom bloß so Erzählten, den 'Mythódes'; erst recht die neue Kunst der platonischen Dialektik setzt sich in scharfer Begrifflichkeit ab, stellt den 'Mythoi', die oft Lügen sind, die 'Logoi' als die dialektisch beweisbaren Ausssagen gegenüber. Von daher kommt jene Bedeutung von Mythen als hartnäckig geglaubten, aber unrichtigen Ansichten ('der Mythos der Männlichkeit'), die das Wort im Deutschen auch hat." (Graf 1985, S. 7-8)
In erster Linie die Gesamtheit der mythologischen Überlieferung, in zweiter die wissenschaftliche Erforschung und Darstellung der Mythen.
Die Stoffkreise der Sagen, Legenden, Fabeln, die sich vom mythologischen definitorisch kaum eindeutig abgrenzen lassen.
Die platonischen Dialektiker stellen den Mythen als unbeweisbaren Aus-sagen logische Aussagen als beweisbare gegenüber und entgegen. Ein noch schärferer Gegensatz könnte zwischen Mythen und der materiellen Wirklichkeit behauptet werden, wenn sich eine solche aus derjenigen Wirklichkeit herauspräparieren ließe, zu welcher die Mythen seit Jahr-tausenden gehören. Eine besonders anregende Definition des Mythos stammt von dem französischen Literaturtheoretiker und Gesellschafts-kritiker Roland Barthes (1915-1980): "Der Mythos ist eine entpolitisierte Aussage ... Der Semiologe hat uns gelehrt, dass der Mythos beauftragt ist, historische Intention als Natur zu gründen, Zufall als Ewigkeit. Dieses Vorgehen ist genau das der bürgerlichen Ideologie. Wenn unsere Gesell-schaft objektiv der privilegierte Bereich für mythische Bedeutung ist, so deshalb, weil der Mythos formal das am besten geeignete Instrument der ideologischen Umkehrung ist, durch die sie definiert wird. Auf allen Ebenen der menschlichen Kommunikaton bewirkt der Mythos die Verkehrung der Antinatur in Pseudonatur." (Barthes 1957, S. 130) Barthes sieht im Mythos also eine Art symbolischer Gewalt, wie Sie Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron in ihrem Buch "Grundlagen einer Theorie der symbolischen Gewalt", 1970, deutsch Frankfurt 1973, definiert haben.