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Der Urprung der Mythen

"Die zentrale Frage, wie der Mythos entstanden sei, hat nur wenige grundsätzlich verschiedene Antworten gefun-den. Zum einen kann er Reaktion des Menschen auf seine natürliche oder soziale Umwelt oder auf geschichtliche Ereignisse oder auf beides sein: Mythos wird dann in der Erklärung auf das dahinterliegende Naturphänomen, die soziale Umwelt oder das historische Ereignis reduziert. Mythos kann aber auch Antwort des Menschen auf das Göttliche sein - eine Reduktion wird dann unmöglich; das-selbe gilt für die von Vico angedeutete Möglichkeit, dass der Mythos Reaktion des Menschen auf sich selbst ist." (Graf 1985, S. 37):

"Erklärung verlangte schließlich der Umstand, daß sich viele Mythen in verwandter Form bei verschiedenen Völ-kern finden. Logik erlaubt nur zwei Antworten - Ausbreitung aus einem gemeinsamen Zentrum oder spontane und parallele Entstehung aus verwandten Bedingungen. Im ersten Fall können Ausgangspunkt und Verbreitungswege problematisch sein: die Indogermanentheorie löste die auf die Bibel abgestützte Diffusionshypothese aus Israel ab - wobei dann noch immer zu klären war, wie der Mythos am Ausgangspunkt entstanden war. Der zweite Fall setzte eine Konstanz des menschlichen Geistes ebenso voraus wie Vergleichbarkeit der natürlichen und sozialen Umwelt." (Graf 1985, S. 38)


Omphalos, römische Kopie, 300 v. Chr. bis 395 n. Chr., Archäologisches Museum, Delphi
Der Omphalos in Delphi galt als Nabel der Welt, da sich dem Mythos zufolge hier die  beiden Adler getroffen hatten, die Zeus an die Enden der Welt gesandt hatte.