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Quellen zur Studieneinheit 1: "Griechische Mythologie"
 
Quelle 1: Der Laokoon-Mythos

Der Mythos vom trojanischen Priester Laokoon liegt uns in zwei verschiedenen Fassungen vor. Nach der ersten Version, die vermutlich auch in einem verlorenen Drama des Sophokles überliefert worden sein dürfte, schickt Apollon die Schlangen zur Strafe dafür, dass Laokoon trotz des Verbotes des Gottes geheiratet und - möglicherweise sogar am Altar - Kinder gezeugt hat. Die zweite Version überliefert Vergil in der Aeneis. Dort erfahren wir im 2. Buch, das uns den Untergang Trojas schildert, zunächst vom Bau des trojanischen Pferds und dem vermeintlichen Abzug der Griechen. Weiter heißt es in der Übersetzung von Johannes Götte, München 1990 (2, 25-56):
 
25 Wir aber glaubten, sie seien davon mit dem Wind nach Mykene.
Endlich also löst aus langer Trauer sich Troja.
Tor um Tor fliegt auf: froh gehn sie, das dorische Lager
Und die verödeten Plätze zu sehn, die verlassene Küste.
Hier waren Doloper, dort das Zelt des grausen Achilles,
30 Hier die Flotte, und dort entbrannte gewöhnlich die Feldschlacht.
Manche bestaunen das Unheilsgeschenk der Jungfrau Minerva,
Wundern sich über des Rosses Wucht; Thymoetes als erster
Mahnt, in die Stadt es zu ziehn, auf die Burg es zu stellen, vielleicht aus
List, vielleicht auch, weil schon Trojas Schicksal verhängt war.
35 Capys jedoch und die, deren Herz noch besser beraten,
Wollen der Danaer Falle, die argwohnweckende Gabe,
Stürzen ins Meer, auch Feuer dran legen und sie verbrennen,
Oder durchbohren des Bauches Versteck und gründlich durchsuchen.
Gegensatz spaltet so die ungewiß schwankende Menge.
40 Dort als erster vor allem, umwogt von großem Gefolge,
Stürmte Laocoon glühend herab vom Gipfel der Stadtburg.
"Elende!" ruft er von fern, "was, Bürger, soll dieser Wahnwitz?
Glaubt ihr denn, der Feind sei fort, oder wähnet ihr frei von
Tücke die Gaben aus Danaerhand? So kennt ihr Ulixes?
45 Entweder sind, umschlossen von Holz, Achiver verborgen,
Oder ersonnen ward dies Werk gegen unsere Mauern,
Einzusehen die Häuser, der Stadt von oben zu nahen;
Irgendwie lauert Betrug im Roß: mißtrauet, Ihr Teukrer!
Was es auch sei, ich fürchte die Danaer, selbst wenn sie schenken".
50 Und gleich warf er mit Riesenkraft die mächtige Lanze
In die Flanke hinein, ins Bauchgewölbe des Untiers.
Zitternd ragte die Lanze, erschüttert bebte der Leib und
Dumpf ertönten die Höhlen und ließen Stöhnen verlauten.
Hätten die Götter gewollt, wär blind unser Herz nicht gewesen.
 
55 Trieb er uns wirklich, zuschanden zu schlagen der Griechen Versteck, und
Troja stände noch heut, du ragtest noch, Priamus' Hochburg!
 

Nachdem das listige Eingreifen eines feindlichen griechischen Agenten namens Sinon und des heimischen Sehers Kalchas noch immer keine Entscheidung über das Schicksal des Pferds herbeigegeführt hat, geschieht dies durch ein Ereignis, das Vergil wie folgt beschreibt (2,199-234):
 
  Gleich aber ließ uns Arme ein anderes, größeres Zeichen  
200 Mehr noch erbeben und stürzte die arglosen Herzen in Wirrsal.
Laocoon, durchs Los für Neptun zum Priester erkoren,
Schlachtete grad einen riesigen Stier am Opferaltare.
Da! Da gleitet von Tenedos her durch ruhige Wogen
- Jetzt noch faßt mich Entsetzen - in riesigen Bogen ein Paar von
 
205 Schlangen im Meere dahin und strebt gemeinsam zum Strande.
Steilauf recken sie zwischen den Fluten die Brust, ihre Kämme
Glühn blutrot aus Wogen empor. Der übrige Teil streift
Hinten das Meer und wirft zu gewalter Windung den Rücken.
Schaurig schäumt das Wasser der See; schon gingen an Land sie,
 
210 Brennend starrten die Augen, von Blut unterlaufen und Feuer,
Und schon leckten sie zischend ihr Maul mit zuckenden Zungen:
Bleich vom Anblick fliehn wir hinweg; sie streben in sichrem
Zug auf Laocoon zu: sofort um die Leiber, die jungen,
Beider Söhne schlingen nun beide Schlangen die grause
 
215 Windung, weiden den Biß an den armen, elenden Gliedern.
Dann ergreifen den Vater sie auch, der mit Waffen zu Hilfe
Herstürmt, schnüren ihn ein in Riesenwindungen, und schon
Zweimal die Mitte umschlungen und zweimal die schuppigen Rücken
Um seinen Hals, überragen sie hoch mit dem Haupt ihn und Nacken.
 
220 Jener bemüht mit den Händen sich hart, zu zerreißen die Knoten,
Schwarz übergossen von Geifer und Gift an den heiligen Binden,
Furchtbar zugleich tönt klagend sein Schrei hinauf zu den Sternen.
So brüllt auf der Stier, der wund vom Altare geflüchtet
Und das Beil, das unsicher traf, geschüttelt vom Nacken.
 
225 Aber zum Tempel hoch droben entfliehn schnell gleitend die beiden
Schlangen und streben hinauf zur Burg der grausen Tritonis,
Bergen zu Füßen der Göttin im Rund sich unten des Schildes.
Da drang allen erst recht durch bebende Herzen ein neuer
Stoß des Entsetzens; sie sagen, Laocoon habe mit Recht jetzt
 
230 Sein Verbrechen gebüßt: er verletzte das heilige Holz doch
Mit seinem Spieß und stieß in den Rücken die ruchlose Lanze.
Alle schreien, man müsse das Bild zum Wohnsitz der Göttin
Ziehn, zur Waltenden beten.
Wir zerbrechen die Mauern und öffnen den Ring unserer Festung.
 
Vergil: Aeneis (Übersetzung von Johannes Götte). München, 1902. Buch 2. 25-56 und 199-234:
Quelle 2: Vorsokratisches Fragment
Dem Kritias von Athen, Onkel Platons, zugeschrieben.
"Es gab eine Zeit, da war der Menschen Leben ungeordnet und tierhaft und der Stärke untertan, da gab es keinen Preis für die Edlen noch auch ward Züchtigung den Schlechten zuteil. Und dann scheinen mir die Menschen Gesetze aufgestellt zu haben als Züchtiger, auf dass das Recht Herrscherin sei [zugleich von allen?] und die Frevelei zur Sklavin habe. Und bestraft wurde jeder, der sich nur verging. Dann als zwar die Gesetze sie hinderten, offen Gewalttaten zu begehen, sie aber im Verborgenen solche begingen, da, scheint mir, hat (zuerst) ein schlauer und gedankenkluger Mann die [Götter]furcht den Sterblichen erfunden, auf dass ein Schreckmittel da sei für die Schlechten, auch wenn sie im Verborgnen etwas täten oder sprächen oder dächten. Von dieser Überlegung also aus führte er das Überirdische ein: 'Es ist ein Daimon, in unvergänglichem Leben prangend, mit dem Geiste hörend und sehend, denkend im Übermaß, sich selbst gehörend (?), göttlich Wesen in sich tragend, der alles unter Sterblichen Gesprochene hören, alles Getane schauen kann. Wenn du aber mit Schweigen etwas Schlechtes planst, so wird das nicht verborgen sein den Göttern; denn dafür ist die Vernunft [zu stark] in ihnen.' Mit diesen Reden führte er die lockendste der Lehren ein, mit lügnerischem Wort die Wahrheit verhüllend. Es wohnten aber, sagte er, die Götter an einem Ort, dessen Benennung die Menschen am meisten erschrecken musste, woher, wie er erkannte, die Ängste den Sterblichen kommen und die Hilfen für ihr mühselig Leben, aus dem sich drehenden Gewölbe dort oben, wo er die Blitze wahrnahm und das furchtbare Donnergetöse und den sternäugigen Himmelsbau, der Zeit, des weisen Baumeisters, schönes Buntwerk, wo die strahlende Masse des Sonnengestirns wandelt und von wo der feuchte Regen zur Erde herabkommt. Und rings um die Menschen stellte er solche Schrecken, durch die er in seiner Rede der Gottheit eine schöne Wohnung gab und an einem geziemenden Ort, und er löschte die Gesetzlosigkeit durch die Satzungen (?) .. So, denke ich, hat zuerst einer die Sterblichen dazu bestimmt, zu glauben, es gebe das Geschlecht der Götter."
Siehe Hermann Diels: Die Fragmente der Vorsokratiker, Hamburg 1957, S. 143 f.
Quelle 3: Homers Ilias
Die Ilias besteht aus 15693 Versen (Hexameter) und ist in 24 Gesänge unterteilt. Thema ist nicht die Eroberung Troias durch die Griechen, sondern der Groll des Achilleus während der Belagerung der Stadt. Die Handlung ist in den als bekannt vorausgesetzten troianischen Mythenkomplex eingebunden und umfaßt 51 Tage der insgesamt zehnjährigen Belagerung, der Kern der Handlung (13444 Verse) nur sechs Tage.

Erster Gesang: Die Entstehung des Zorns. - Apollon schickt eine Krankheit über das Heer, weil Agamemnon seinen Priester Chryses beleidigt hat. - Achilleus beruft eine Heeresversammlung und gerät mit Agamemnon in Streit, der ihm sein Ehrengeschenk, die Jungfrau Briseis, nehmen will. Er sagt die weitere Teilnahme am Kampf ab. - Die Mutter Thetis geht für ihn zu Zeus, ihn um eine Niederlage der Achaier zu bitten. Zeus gewährt es und gerät darüber in Streit mit Here.

Zweiter Gesang: Zeus schickt Agamemnon einen Unheilstraum, der ihm den baldigen Fall Trojas verkündet. - Agamemnon stellt mit dem Heer eine Probe an, in der er das Gegenteil davon sagt, was er will, und das Heer ist nahe daran, nach Hause zu fahren. Odysseus hält mit Hilfe der Götter die Männer zurück und bringt den Thersites zur Ordnung. Erneute Beratung mit Reden des Odysseus und Nestor, die die Vorzeichen und Eide vom Anfang des Krieges heraufrufen. Wappnung und Sammlung des Heeres in der Ebene. - Der zweite Teil bringt eine Heerschau mit dem Schiffskatalog und dem Katalog der Troer.

Dritter Gesang: Aufmarsch der Heere. Paris bietet dem Menelaos den Zweikampf an. Während der Verhandlungen zeigt Helena von der Mauer aus dem Priamos die Haupthelden der Achaier. Nach beschworenen Verträgen kommt es zum Zweikampf, in dem der besiegte Paris von Aphrodite nach Troja entrückt wird. Die Göttin bringt Helena zu Paris, die ihn schmäht, ihm dann aber doch gefügig ist.

Vierter Gesang: Götterversammlung. Auf des Zeus Befehl geht Athene zu dem Troer Pandaros, um ihn zu einem Schuß auf Menelaos zu verleiten, womit die Verträge gebrochen sind. Große Erregung. Agamemnon sagt den Untergang Trojas voraus. Doch Menelaos ist nur leicht verwundet. - Agamemnon hält eine Heerschau ab, in der er nun die einzelnen Helden aufruft. - Erster allgemeiner Kampf.

Fünfter Gesang: Die erste, erfolgreiche Schlacht. Großtaten des Diomedes. Er wird von Pandaros verwundet, Athene stärkt ihn und verleiht ihm die Gabe, Götter zu erkennen. Er tötet Pandaros und streckt Aineias zu Boden, der von Aphrodite gerettet wird. Diomedes verletzt Aphrodite. Der Lykierfürst Sarpedon tötet Tlepolemos und wird dabei von diesem schwer getroffen. Diomedes kämpft unter Führung der Athene mit Ares und verwundet auch diesen.

Sechster Gesang: Hektor wird von dem Seher Helenos nach Troja geschickt, damit seine Mutter Hekabe mit den Frauen Trojas einen Bittgang zu Athene tue. - Der Lykier Glaukos und Diomedes treffen sich im Kampf und nennen einander ihr Geschlecht und tauschen als Gastfreunde die Waffen. - Hektor geht in Troja zu seiner Mutter Hekabe, sodann zu Paris und Helena und trifft endlich seine Frau Andromache am Skäischen Tor und spricht mit ihr. Hektor steht bereits im Schatten des Todes.

Siebenter Gesang: Apollon und Athene bringen durch den Seher Helenos Hektor dazu, den Achaiern einen Zweikampf anzubieten. Aias nimmt die Forderung an. Der Kampf geht in großer Form vor sich, wird aber durch die Herolde abends abgebrochen. - Verhandlungen in Troja. Man ist bereit, Helena zurückzugeben, doch Paris verwirft es. - Die Achaier sind besorgt und bauen eine Mauer um das Schiffslager. Weingelage des Abends unter bösen Vorzeichen.

Achter Gesang: Der zweite Schlachttag. Zeus verbietet den Göttern, sich am Kampf zu beteiligen, um nun die Niederlage der Achaier zu bewirken. - Nestor, in Gefahr, wird von Diomedes gerettet. Diomedes weicht zurück, vom Blitz des Zeus geschreckt. Teukros mit seinen Pfeilen schafft den Achaiern Luft, doch wird er von Hektor mit einem Stein getroffen. - Here und Athene versuchen, gegen des Zeus Verbot den Achaiern zu helfen, werden aber von Iris zurückgeholt. Zeus sagt den weiteren Gang der Ereignisse voraus. - Die Achaier schwer geschlagen. Hektor hält eine siegesgewisse Rede, und die Troer übernachten mitten im Feld.

Neunter Gesang: Besorgnis im Lager der Achaier. Agamemnon bietet auf Nestors Rat dem Achilleus die Versöhnung und reiche Genugtuung an. Aias, Odysseus und Phoinix werden als Gesandte zu Achilleus geschickt. Achilleus zeigt sich unnachgiebig, will aber schließlich, auf Aias' Mahnung, nicht abfahren, sondern warten, bis Hektor und die Troer an seinen Schiffen stehen. Rückkehr der Gesandten. Rede des Diomedes.

Zehnter Gesang: Agamemnon weckt die Ersten der Achaier. Neue Beratung. Odysseus und Diomedes werden als Späher ins Lager der Troer geschickt. Gleichzeitig schicken die Troer den Dolon als Späher ins Griechenlager. Odysseus und Diomedes nehmen ihn gefangen, horchen ihn aus und töten ihn. Sie dringen ins troische Lager ein, richten ein Blutbad an, töten den Rhesos und erbeuten seine Rosse. - Der zehnte Gesang ist nicht von Homer. Sein Dichter liebt die barocken, absonderlichen Spezialitäten (sic!).

Elfter Gesang: Es beginnt der dritte Kampftag der Ilias, der bis zum achtzehnten Gesang reicht. Agamemnon dringt mächtig vor und vollbringt große Taten. Zeus gibt dem Hektor die Verheißung, er werde am Abend an den Schiffen stehen. Agamemnon, Diomedes und Odysseus werden verwundet. Die Troer dringen vor, und Aias allein hält den Rückzug auf. Achilleus schickt den Freund Patroklos zu Nestor, der ihm aufträgt, Achilleus zu bereden: er soll entweder selber kämpfen oder Patroklos in seinen Waffen hinausschicken.

Zwölfter Gesang: Der Kampf um die Mauer. Hektor folgt dem Rat des Pulydamas, zu Fuß die Mauer zu erstürmen. Es erscheint ein Vogelzeichen, und Pulydamas warnt die Troer. Hektor in seiner Siegeszuversicht mißachtet die Warnung. Nach längerem Kampf gelingt es dem Sarpedon, die Brustwehr einzureißen. Hektor sprengt mit einem Steinwurf das Tor.

Dreizehnter Gesang: Der Kampf um die Schiffe. Als Zeus seine Augen vom Kampffeld in Troja abwendet, kommt Poseidon und verstärkt heimlich den Widerstand der Achaier. Die beiden Aias stehen gegen Hektor. Idomeneus, der Führer der Kreter, von Meriones begleitet, zeichnet sich im Kampf aus, vor allem gegen Aineias und Paris. Erneute Warnung des Pulydamas. Verstärkter Angriff auf die Schiffe.

Vierzehnter Gesang: Nestor, der den verwundeten Machaon versorgt hat, eilt auf das Geschrei hinaus und trifft Agamemnon, Odysseus und Diomedes. Man berät, ob man fliehen oder standhalten soll, und Poseidon stärkt die Achaier. - Here überlistet den Zeus mit Aphrodites Liebeszauber und schläfert ihn ein, und Poseidon kämpft nun offen auf seiten der Achaier. Hektor wird von Aias mit einem Stein getroffen. Die Troer fliehen.

Fünfzehnter Gesang: Zeus erwacht und befiehlt der Here, ihm Iris und Apollon vom Olympos zu rufen. Poseidon soll den Kampf verlassen, und Hektor, von Apollon gestärkt, soll gegen die Achaier vordringen. Es geschieht, und Apollon bahnt den Troern den Weg. - Patroklos verläßt den verwundeten Eurypylos in der Lagerhütte und eilt zu Achilleus. - Die Achaier ziehen sich an die Schiffe zurück. Aias kämpft um das Schiff des Protesilaos, in das Hektor Feuer werfen will.

Sechzehnter Gesang: Patroklos tritt zu Achilleus und fleht, ihn in seinen Waffen hinauszusenden. Als Aias nicht mehr standhält und das Feuer in das Schiff des Protesilaos fällt, treibt Achilleus selbst den Patroklos, mit den Myrmidonen auszuziehen. Patroklos vertreibt die Troer von dem brennenden Schiff bis zu den Mauern Trojas. Er tötet Sarpedon, den Zeus von Schlaf und Tod in seine Heimat geleiten läßt. Doch als Patroklos weiter vorstößt, schlägt ihn Apollon in den Rücken und Euphorbos und Hektor töten ihn.

Siebzehnter Gesang: Kampf um den Leichnam des Patroklos. Menelaos erlegt Euphorbos, doch Hektor raubt dem Patroklos die Waffen des Achilleus und legt sie selber an. Die trauernden Rosse des Achilleus lenkt Automedon in die Schlacht, wo Hektor und Aineias sie vergeblich verfolgen. Wechselnder Kampf um den Leichnam. Menelaos und Meriones tragen ihn schließlich zurück und Aias schützt sie. Antilochos wird unterdessen zu Achilleus geschickt, ihm die Nachricht zu bringen.

Achtzehnter Gesang: Antilochos meldet dem Achilleus den Tod des Patroklos. Sein Schmerz. Er entscheidet sich im Gespräch mit der Mutter, Hektor zu töten, und nimmt damit seinen eigenen Tod auf sich. - Der Waffenlose erschreckt durch seinen Ruf die Troer und rettet den Leichnam des Patroklos. Die Sonne geht unter. Die Troer halten im Feld eine Versammlung, und Pulydamas rät, in die Stadt zu gehen, während Hektor bleiben und am nächsten tag mit Achilleus kämpfen will. - Totenklage um Patroklos. - Thetis sucht Hephaistos auf und bittet ihn, ihrem Sohn neue Waffen zu schmieden. Die Schildbeschreibung.

Neunzehnter Gesang: Mit Tagesbeginn bringt Thetis dem Achilleus die neuen Waffen von Hephaistos. - Achilleus legt in einer Heeresversammlung den Zwist mit Agamemnon bei und drängt sofort zum Kampf. Streit um das Frühmahl. Athene stärkt den Achilleus mit Nektar und Ambrosia. Er legt die neuen Waffen an. Beim Auszug sagt sein unsterbliches Pferd Xanthos ihm den Tod voraus.

Zwanzigster Gesang: Zeus versammelt die Götter und gibt ihnen den Kampf wieder frei. Sie treten, noch abwartend, einander gegenüber. - Apollon reizt den Aineias gegen Achilleus, doch Poseidon entrückt ihn, da es seinen Nachkommen bestimmt ist, in Troja zu herrschen. - Hektor, zunächst von Apollon zurückgehalten, sucht den Kampf mit Achilleus, wird aber von Apollon gerettet. Achilleus mordet unter den Fliehenden.

Einundzwanzigster Gesang: Achilleus jagt einen Teil der Troer in die Strömungen des Skamander. Lykaon, den er früher verschont hatte, tritt ihm entgegen und wird getötet und in den Fluß geworfen. Ebenso Asteropaios. Der Fluß erhebt sich gegen Achilleus und bringt ihn in Todesgefahr. Das Feuer des Hephaistos, von Here gesandt, bedrängt den Fluß. Es beginnt der Götterkampf, der mit einem Sieg der griechenfreundlichen Götter endet. In der Gestalt des dem Achilleus entgegentretenden Agenor lenkt Apollon den Achilleus von der Stadt ab.

Zweiundzwanzigster Gesang: Hektors Tod.

Dreiundzwanzigster Gesang: Totenklage um Patroklos. In der Nacht erscheint er dem Achilleus und fordert klagend seine Bestattung. Am Morgen schlagen die Achaier Holz und errichten den Scheiterhaufen. Patroklos wird verbrannt, und am anderen Morgen werden seine Gebeine gesammelt. - Leichenspiele zu Ehren des Patroklos.

Vierundzwanzigster Gesang: Die Lösung Hektors. - Achilleus kann noch nicht von seinem Zorn lassen und schleift den Leichnam Hektors allmorgendlich um das Grabmal des Patroklos. Die Götter erbarmen sich, und am zwölften Tag erhebt Apollon im Kreis der Götter Klage über die Grausamkeit des Achilleus. Thetis wird zu Achilleus, Iris zu Priamos geschickt: Achilleus soll Hektors Leichnam seinem Vater Priamos losgeben. Priamos kommt, von Hermes geleitet, ins Achaierlager und wird von Achilleus freundlich empfangen. Sie essen miteinander, und Hektors Leichnam wird dem Priamos übergeben. Einholung Hektors in Troja. Drei Frauen: Andromache, Hekabe und Helena, erheben die Totenklage um Hektor. Seine Bestattung.
Homers Ilias (nach der Übertragung von Johann Heinrich Voß)
Quelle 4: Homers Odyssee
Die Odyssee besteht aus 12109 Versen und ist ebenfalls in 24 Gesängen unterteilt. Geschildert werden die letzten Wochen der Irrfahrt des Odysseus und die Ereignisse im Zusammenhang mit seiner Heimkehr.

Erster Gesang: Ratschluß der Götter, daß Odysseus, welchen Poseidon verfolgt, von Kalypsos Insel Ogygia heimkehre. Athene, in Mentes' Gestalt, den Telemachos besuchend, rät ihm, in Pylos und Sparta nach dem Vater sich zu erkundigen und die schwelgenden Freier aus dem Hause zu schaffen. Er redet das erstemal mit Entschlossenheit zur Mutter und zu den Freiern. Nacht.

Zweiter Gesang: Am Morgen beruft Telemachos das Volk und verlangt, daß die Freier sein Haus verlassen. Antinoos verweigert's. Ein Vogelzeichen von Eurymachos verhöhnt. Telemachos bittet um ein Schiff, nach dem Vater zu forschen; Mentor rügt den Kaltsinn des Volks; aber ein Freier trennt spottend die Versammlung. Athene in Mentors Gestalt verspricht dem Einsamen Schiff und Begleitung. Die Schaffnerin Eurykleia gibt Reisekost. Athene erhält von Noemon ein Schiff und bemannt es. Am Abend wird die Reisekost eingebracht, und Telemachos, ohne Wissen der Mutter, fährt mit dem scheinbaren Mentor nach Pylos.

Dritter Gesang: Telemachos, von Nestor, der am Gestade opfert, gastfrei empfangen, fragt nach des Vaters Rückkehr; Nestor erzählt, wie er selbst und wer sonst von Troja gekehrt sei, ermahnt den Telemachos zur Tapferkeit gegen die Freier und rät ihm, bei Menelaos sich zu erkundigen. Der Athene, die als Adler verschwand, gelobt Nestor eine Kuh. Telemachos von Nestor geherbergt. Am Morgen nach vollbrachtem Opfer fährt er mit Nestors Sohne Peisistratos nach Sparta, wo sie den anderen Abend ankommen.

Vierter Gesang: Menelaos, der seine Kinder ausstattet, bewirtet die Fremdlinge und äußert mit Helena teilnehmende Liebe für Odysseus. Telemachos wird erkannt. Aufheiterndes Mittel der Helena und Erzählungen von Odysseus. Am Morgen fragt Telemachos nach dem Vater. Menelaos erzählt, was ihm der ägyptische Proteus von der Rückkehr der Achaier und dem Aufenthalt des Odysseus bei der Kalypso geweissagt. Die Freier beschließen, den heimkehrenden Telemachos zwischen Ithaka und Samos zu ermorden. Medon entdeckt's der Penelopeia. Sie fleht zu Athena und wird durch ein Traumbild getröstet.

Fünfter Gesang: Zeus befiehlt durch Hermes der Kalypso, den Odysseus zu entlassen. Ungern gehorchend, versorgt sie den Odysseus mit Gerät, ein Floß zu bauen, und mit Reisekost. Am achtzehnten Tage der Fahrt sendet Poseidon ihm Sturm, der den Floß zertrümmert. Leukothea sichert ihn durch ihren Schleier. Am dritten Tage erreicht er der Phäaken Insel Scheria, rettet sich aus der Felsenbrandung in die Mündung des Stroms und ersteigt einen waldigen Hügel, wo er in abgefallenen Blättern schläft.

Sechster Gesang: Nausikaa, des Königs Alkinoos Tochter, von Athene im Traum ermahnt, fährt, ihre Gewande zu waschen, an den Strom und spielt darauf mit den Mägden. Odysseus, den das Geräusch weckte, naht flehend, erhält Pflege und Kleidung und folgt der Beschützerin bis zum Pappelhain der Athene vor der Stadt.

Siebenter Gesang: Nach Nausikaa geht Odysseus in die Stadt, von Athene in Nebel gehüllt und zum Palaste des Königs geführt, wo die Fürsten versammelt sind. Er fleht der Königin Arete um Heimsendung und wird von Alkinoos als Gast aufgenommen. Nach dem Mahle, da Arete um die Kleider ihn fragt, erzählt er seine Geschichte seit der Abfahrt von Kalypso.

Achter Gesang: Alkinoos empfiehlt dem versammelten Volke die Heimsendung des Fremdlings und ladet die Fürsten samt den Reisegefährten zum Gastmahl. Kampfspiele. Odysseus wirft die Scheibe. Tanz zu Demodokos' Gesang von Ares und Aphrodite. Andere Tänze. Odysseus wird beschenkt. Beim Abendschmaus singt Demodokos von dem hölzernen Roß; den weinenden Fremdling ersucht der König um seine Geschichte.

Neunter Gesang: Odysseus erzählt seine Irrfahrt von Troja. Siegende Kikonen. Bei Maleia Nordsturm, der ihn ins Unbekannte zu den Lotophagen verschlägt. Dorther zu den einäugigen Kyklopen verirrt, besucht er Poseidons Sohn Polyphemos, der sechs seiner Genossen frißt, dann, im Schlafe geblendet, den Fliehenden Felsstücke nachschleudert.

Zehnter Gesang: Äolos, der Winde erregt und stillt, entsendet den Odysseus mit günstigem West und gibt ihm die Gewalt über die andern in einem Zauberschlauch. Nahe vor Ithaka öffnen ihn die Genossen; der Sturm wirft sie nach dem schwimmenden Eilande zurück, woher, von Äolos verjagt, sie in die fabelhafte Westgegend geraten. Die Lästrygonen vertilgen elf Schiffe; in den übrigen erreicht er Ääa. Kirke verwandelt die Hälfte der Seinigen in Schweine. Er selbst, durch ein Heilkraut des Hermes geschützt, gewinnt die Liebe der Zauberin und rettet die Freunde. Nach einem Jahre fordert er Heimkehr; Kirke befiehlt ihm zuvor, zum Eingange des Totenreichs am Okeanos zu schiffen und den Teiresias zu befragen. Elpenors Tod.

Elfter Gesang: Ein nördlicher Götterwind führt den Odysseus zum Gestade der nächtlichen Kimmerier, wo der Weltstrom Okeanos ins Meer einströmt. An der Kluft, die in Aides unterirdisches Reich hinabgeht, opfert er Totenopfer, worauf die Geister aus der Tiefe dem Blute nahn. Elpenor fleht um Bestattung. Die Mutter wird vom Blute gehemmt, bis Teiresias getrunken und geweissagt. Dann trinkt die Mutter und erkennt ihn. Dann Seelen uralter Heldinnen. Dann Agamemnon mit den Seinigen. Achilleus mit Patroklos und Antilochos, auch Ajas, Telamons Sohn. In der Ferne der richtende Minos, Orion jagend, Tityos, Tantalos und Sisyphos gequält. Des Herakles Bild annahend. Rückfahrt aus dem Okeanos.

Zwölfter Gesang: Ankunft in Meer und Tageslicht bei Ääa. Elpenors Bestattung. Kirke meldet die Gefahren des Wegs: erst die Sirenen, dann rechts die malmenden Irrfelsen, links die Enge zwischen Szylla und Charybdis; jenseits dieser die Sonnenherden in Thrinakia. Abfahrt mit Götterwind. Nach Vermeidung der Sirenen läßt Odysseus die Irrfelsen rechts und steuert an Szyllas Fels in die Meerenge, indem Charybdis einschlurft.; Szylla raubt sechs Männer. Erzwungene Landung in Thrinakia, wo, durch Sturm ausgehungert, die Genossen heilige Rinder schlachten. Schiffbruch, Odysseus auf den Trümmern zur schlurfenden Charybdis zurückgetrieben, dann nach Ogygia zur Kalypso.

Dreizehnter Gesang: Odysseus, von neuem beschenkt, geht am Abend zu Schiffe, wird schlafend nach Ithaka gebracht und in Phorkys' Bucht ausgesetzt. Das heimkehrende Schiff versteinert Poseidon. Odysseus in Götternebel verkennt sein Vaterland. Athene entnebelt ihm Ithaka, verbirgt sein Gut in der Höhle der Nymphen, entwirft der Freier Ermordung und gibt ihm die Gestalt eines bettelnden Greises.

Vierzehnter Gesang: Odysseus vom Sauhirten Eumäos in die Hütte geführt und mit zwei Ferkeln bewirtet. Seine Versicherung von Odysseus' Heimkehr findet nicht Glauben. Erdichtete Erzählung von sich. Die Unterhirten treiben die Schweine vom Felde, Eumäos opfert ein Mastschwein zum Abendschmaus. Stürmische Nacht. Odysseus verschafft sich durch Erdichtung einen Mantel zur Decke, indes Eumäos draußen die Eber bewacht.

Fünfzehnter Gesang: Telemachos, dem Athene die Heimkehr befiehlt und sichert, eilt von Menelaos grade zum Schiffe; nimmt den Wahrsager Theoklymenos auf und vermeidet die nachstellenden Freier durch einen Umweg zu den spitzigen Inseln. Des Sauhirten Eumäos Gespräch mit Odysseus beim Abendessen und Erzählung, wie ihn, eines sikanischen Königes Sohn aus der Insel Syria bei Ortygia, Phöniker entführten und dem Laertes verkauften. Telemachos, in der Frühe jenseits anlandend, läßt sein Schiff nach der Stadt herumfahren und geht zu Eumäos.

Sechzehnter Gesang: Ankunft des Telemachos in des Sauhirten Gehege. Während Eumäos der Königin die Botschaft bringt, entdeckt sich Odysseus dem Sohne und verabredet der Freier Ermordung. An der Stadt landen Telemachos' Genossen und drauf seine Nachsteller, die ihn in Ithaka selbst zu ermorden beschließen. Des Sauhirten Rückkehr.

Siebzehnter Gesang: Am Morgen geht Telemachos in die Stadt. Odysseus als Bettler, mit Eumäos nachfolgend, wird vom Ziegenhirten Melantheus gemißhandelt. Sein Hund Argos erkennt ihn. Den Bettelnden wirft Antinoos. Der Königin, die ihn zu sprechen wünscht, bestimmt er den Abend. Eumäos geht ab.

Achtzehnter Gesang: Odysseus kämpft mit dem Bettler Iros. Amphinomos wird umsonst gewarnt. Penelopeia besänftigt die Freier durch Hoffnung und empfängt Geschenke. Odysseus von den Mägden beleidigt, von Eurymachos verhöhnt und geworfen. Die Freier gehn zur Ruhe.

Neunzehnter Gesang: Odysseus trägt mit Telemachos die Waffen in die obere Kammer und bleibt im Saale allein. Sein Gespräch mit Penelopeia. Er wird beim Fußwaschen von der Pflegerin Eurykleia an der Narbe erkannt. Die Königin, nachdem sie durch einen Bogenkampf die Freiwerbung zu endigen beschlossen, entfernt sich.

Zwanzigster Gesang: Odysseus, im Vorsaal ruhend, bemerkt die Unarten der Mägde. Bald erweckt ihn das Jammern der Gemahlin. Glückliche Zeichen. Eurykleia bereitet den Saal zum früheren Schmause des Neumondfestes. Nach dem Sauhirten und Ziegenhirten kommt der Rinderhirt Philötios und bewährt seine Treue. Die Freier hindert ein Zeichen an Telemachos' Mord. Beim Schmause wird nach Odysseus ein Kuhfuß geworfen. Verwirrung der Freier, die in wilder Lust den Tod ahnen. Der weissagende Theoklymenos wird verhöhnt und geht weg. Penelopeia bemerkt die Ausgelassenheit.

Einundzwanzigster Gesang: Penelopeia veranstaltet den entscheidenden Bogenkampf. Empfindung der treuen Hirten. Telemachos stellt die Kampfeisen und wird, den Bogen zu spannen, vom Vater gehindert. Die Freier versuchen nacheinander. Ahnung des Opferpropheten. Der Bogen wird erweicht. Odysseus entdeckt sich draußen dem Sauhirten und Rinderhirten und heißt die Türen verschließen. Die Freier verschieben den Bogenkampf. Odysseus bittet um den Bogen, und die Freier lassen es endlich geschehen. Er spannt und trifft durch die Eisen.

Zweiundzwanzigster Gesang: Odysseus erschießt den Antinoos und entdeckt sich den Freiern. Eurymachos bittet um Schonung. Kampf. Telemachos bringt Waffen von oben und läßt die Türe offen. Der Ziegenhirt schleicht hinauf und wird von den treuen Hirten gebunden. Athene erscheint in Mentors Gestalt, dann als Schwalbe. Entscheidender Sieg. Nur der Sänger und Medon werden verschont. Der gerufenen Eurykleia Frohlocken gehemmt. Reinigung des Saals und Strafe der Treulosen. Odysseus räuchert das Haus und wird von den treuen Mägden bewillkommt.

Dreiundzwanzigster Gesang: Penelopeia, von der Pflegerin gerufen, geht mißtrauisch in den Saal. Odysseus gebeut den Seinigen Reigentanz, um die Ithaker zu täuschen. Er selbst, vom Bade verschönert, rechtfertigt sich der Gemahlin durch ein Geheimnis. Die Neuverbundenen erzählen vor dem Schlafe sich ihre Leiden. Am Morgen befiehlt Odysseus der Gemahlin, sich einzuschließen, und geht mit dem Sohne und den Hirten zu Laertes hinaus.

Vierundzwanzigster Gesang: Die Seelen der Freier finden in der Unterwelt den Achilleus, mit Agamemnon sich unterredend; jener, der ruhmvoll vor Troja starb, sei glücklich vor diesem, der heimkehrend ermordet ward. Agamemnon, dem Amphimedon das Geschehene nach seiner Vorstellung erzählt, preiset die Glückseligkeit des siegreich heimkehrenden Odysseus. Dieser indes entdeckt sich dem Vater Laertes mit schonender Vorsicht und wird beim Mahle von Dolios und dessen Söhnen erkannt. Eupeithes, des Antinoos Vater, erregt einen Aufruhr, der nach kurzem Kampfe durch Athene gestillt wird.
Homers Odyssee (übersetzt von Johann Heinrich Voß, Ausgabe Stuttgart 1962)