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Der Mythos handelt von Menschen und ihren Handlungen in historischem Kontext. Mythen sind also nicht nur Erzählungen, Geschichten, sondern Geschichte. Wie in allen seinen Funktionen ist der Mythos auch als Geschichte nicht konstant, sondern dem historischen Wandel unterworfen. Was älteren Generationen noch bare Geschichte ist, kann jüngeren mehr und mehr zur puren Mythologie geworden sein. Der Held des Mythos, Laokoon, ist wenn schon kein Gott oder heroisches Kind eines Gottes, so doch wenigstens ein Priester und damit ein Mann Gottes. Sein Leben und Sterben spielt sich im Mythos im Dienst eines Gottes an einem Altar ab, den das Bildwerk hinter der Gruppe sogar zeigt. Mythen beschreiben also Menschen im System, in dem die Götter herrschen und die Menschen beherrscht werden. In diesem Sinn funktionieren Mythen als Erklärungen. Der Held des Mythos, Laokoon, gerät mit einem Gott oder mehreren Gottheiten in Konflikt, sei es als Übertreter eines Heiratsverbots, sei es als patriotischer Verräter eines militärischen Geheimnisses der Götter und "Danaer". Der Mythos lehrt uns unüberhör- und unübersehbar, wie schrecklich die Strafe der Götter für denjenigen ausfällt, der einen solche Konflikt riskiert. Mythen sind also Erzählungen mit pädagogischer Funktion. Laokoon, der Priester, wird durch zwei übernatürlich große Schlangen ums Leben gebracht, die - anders als Schlangen in der Natur - zugleich würgen und beißen. Mythen haben also auch eine fundamentale Bedeutung für die schöpferische Entfaltung und Gestaltung der menschlichen Phantasie über alles Sichtbare hinaus. Sie verleihen dem Menschen Flügel. Vielleicht liegt im Mythos der Ursprung der Kunst. |