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1. Okeanos und Tethys Es ist indessen nicht richtig zu sagen: "er allein". Mit Okeanos war die Göttin Thetys verbunden, die mit Recht als "Mutter" bezeichnet wird (Ilias 14, 201). Mit wem hätte Okeanos der "Ursprung von allem" sein können, wenn in seiner Person nur ein männlicher Urstrom dagewesen wäre und keine empfangende Ur-Wassergöttin mit ihm? Wir verstehen auch, warum bei Homer berichtet wird, das Ur-Paar halte sich seit langer Zeit schon von der Zeugung zurück (Ilias 14, 206). Sie tun dies aus Zorn gegeneinander: eine Begründung, die in solchen uralten Erzählungen wohl natürlich ist. Hätte aber die Urzeugung nicht aufgehört, so würde auch unsere Welt keinen Bestand haben, keine runde Grenze und kein Kreislauf würde in sich zurückkehren. Alles wäre ins Grenzenlose weiter gezeugt worden. Dem Okeanos bleibt also nur die Strömung im Kreise, das Nähren der Quellen, der Flüsse und des Meeres und die Unterordnung unter die Macht des Zeus. Von Thetys hören wir wenig
in unserer Mythologie, es sei denn, dass sie die Mutter der Okeanos-Töchter
und der Okeanossöhne war (Hesiodi
Theogonia 337). Die Söhne sind die Flüsse,
an der Zahl dreitausend (Hesiodi
Theogonia 367). Die Zahl der Töchter, der Okeaninai, war ebenso groß
(Hesiodi
Theogonia 364). Nur die ältesten sollen später noch erwähnt werden.
Unter den Enkelinnen war eine, deren Name Thetis an Tethys anklingt. Unsere
Sprache unterscheidet streng zwischen diesen zwei Namen. Es ist aber möglich,
dass sie für Menschen, die vor uns in Griechenland wohnten, in Laut und
Bedeutung einander noch höherstanden und ein und dieselbe große Herrin
des Meeres waren. Von Thetis wird bald wieder die Rede sein. Diese Erzählung
und diese Gottheiten herrschten wahrscheinlich früher an unserem Meer,
als griechische Stämme dort lebten. |