Quellen

Der Mythos wurde ursprünglich nur mündlich überliefert, seine Anfänge liegen im Dunkeln. Da uns die mündliche Überlieferung, die eigentliche Mythologie also, verborgen bleibt, sind wir auf die schriftliche und bildliche Überlieferung angewiesen, wenn wir uns mit griechischer Mythologie beschäftigen wollen. Wir erschließen den Mythos aus antiken Schriftquellen sowie Werken der bildenden Kunst, die mythologische Stoffe thematisieren oder in anderer Weise die mythologische Überlieferung tradieren oder reflektieren. Die griechische Literatur und die griechische Kunst sind in einem erheblichen Maße durch die Verarbeitung mythologischer Themen geprägt und wären daher ohne den Mythos kaum vorstellbar. Die Quellen setzen etwa in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. ein und sprudeln die ganze Antike hindurch. Der Beginn der mythologischen Überlieferung fällt somit in eine Zeit, die sich auch in anderer Hinsicht als eine Zeit des Aufbruchs bezeichnen läßt. So markiert die Gründung der Stadt Naxos auf Sizilien im Jahre 734 v. Chr. den Beginn der griechischen Kolonisation. Die Griechen hatten spätestens um 800 v. Chr. das Alphabet von den Phöniziern übernommen und die phönikische Konsonantenschrift zu einer echten Buchstabenschrift erweitert. Am Beginn der griechischen Literatur stehen mit den homerischen Epen Texte mythologischen Inhalts. Gleichzeitig erscheinen in der bis dahin durch geometrische Motive und ornamentale Muster geprägten Vasenmalerei erstmals bildliche Motive. Wenngleich bei den meisten frühen Darstellungen nicht sicher ist, ob tatsächlich ein mythologisches Thema vorliegt, scheint der Mythos auch in den Anfängen der bildenden Kunst eine wichtige Rolle gespielt zu haben, wie nach der Fülle der mythologischen Darstellungen seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. anzunehmen ist. Die bildende Kunst entwickelt ihre eigenen Gesetze und Konventionen, unabhängig von der schriftlichen Überlieferung. Man darf davon ausgehen, daß die wichtigsten mythologischen Stoffe im antiken Griechenland so bekannt waren, daß die Künstler keine literarische Vorlage benötigten. Es handelt sich bei den mythologischen Darstellungen in der Regel nicht um Illustrationen literarischer Texte, sondern um selbständige bildkünstlerische Gestaltungen der Mythen. Dennoch kommen immer wieder vereinzelte Darstellungen vor, die auf literarische Werke Bezug nehmen.