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Heroenmythen![]()
| Karl Kerényi beginnt sein wunderbares Buch über "Die Götter- und Menschheitsgeschichte" der griechischen Mythologie mit folgenden Sätzen: "Wird die griechische Mythologie auf die Götter und allenfalls noch auf die Ursprungsmythologie des Menschengeschlechtes beschränkt, so müssen die Heroen am Rande bleiben. Doch die Götter fordern die Heroen: diese gehören noch in die Mythologie. Sie ragen indessen von dorther in die Zeiten nicht mehr der "Geschichten", sondern der "Geschichte" hinein. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Erzählungen von Heroen und der eigentlichen Mythologie, zwischen der Göttermythologie und der mit ihr vielfach verwobenen oder mindestens an sie grenzenden Heroenmythologie, besteht darin, dass diese sich mit der Geschichte, den Ereignissen nicht einer außerhalb der Zeit liegenden "Urzeit", sondern der geschichtlichen Zeit, gleichfalls mehr oder weniger verwoben und so eng an sie angrenzend zeigt, als wäre sie bereits Historie und keine Mythologie. Den Heroen ist die geschichtliche Existenz, Historizität, nicht grundsätzlich abzuerkennen. Sie treten so auf, als ob sie historisch gewesen wären und nur ausnahmensweise das Sein von Göttern - im Fall des Herakles auf dem Olymp, sonst in der Unterwelt - erlangt hätten. Doch selbst wenn sie einmal geschichtliche Personen waren, stehen sie in ihren "Geschichten" auf eine Weise da, die sie aus der "Geschichte" heraushebt. Man wird ihnen nicht mehr ganz gerecht, wenn man ihre "Historizität" erweist. Sie büßen dadurch ihren mythologischen Aspekt ein, der sie mit den Göttern verbindet und durch den sie wie Urbilder wirken. Ihre Existenz ist eine besondere Quasiexistenz, die weniger und mehr ist als die gewöhnliche menschliche Existenz: mehr, weil sie auch ihr Nachleben im Kult umfasst." (Kerényi 1960, S. 11) Den "mustergültigen Lebenslauf" eines Heros, nämlich des Herakles, finden Sie in der Studieneinheit "Mythologie und Herrschaft". |