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| Historiographie Im Gegensatz zur antiken Mythographie unterscheidet die Historio-graphie (Geschichtsschreibung) deutlich zwischen einer mythischen Vorzeit, deren sagenhafte Ereignisse nur in alten Erzählungen überliefert werden, und einer historischen Wirklichkeit, für die es sichere Belege gibt. Das älteste vollständig erhaltene Geschichtswerk stammt aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., es handelt von den Perserkriegen (500 - 478 v. Chr.) und ihrer Entstehung. Der Verfasser, Herodot (um 484 - bald nach 430 v. Chr.), berücksichtigt auch länger zurückliegende Ereignisse und beginnt seine Ausführungen mit der Aufzählung einiger mythologischer Episoden, die er allerdings nicht als nachweisbare Ereignisse gelten läßt. Gleichwohl überliefert Herodot einzelne Mythen ausführlicher, indem er sie historischen Gestalten gleichsam in den Mund legt. So erzählt der athenische Gesetzgeber Solon dem phrygischen König Kroisos den Geschichte von Kleobis und Biton (1,31). Die ebenfalls von Herodot überlieferten sagenhaft anmutenden Geschichten um historische Gestalten, beispielsweise die Parabel vom Ring des Polykrates (3,40-43) oder die Geschichte von Kandaules und Gyges (1,7-14), werden dagegen nicht zu den Mythen gerechnet. Dies gilt auch für die wundersame Rettung des Kroisos vom Scheiterhaufen (1,86-91), einem Ereignis, das zuvor bereits Gegenstand der Dichtung (Bakchylides) und der Vasenmalerei gewesen war. Auf diese Geschichten scheint sich die vielzitierte Aussage des römischen Redners und Schriftstellers Cicero (106 - 43 v. Chr.) zu beziehen, nach der bei Herodot unzählige "Fabeln" zu finden seien: "quamquam et apud Herodotum patrem historiae ... sunt innumerabiles fabula." (Cicero de legibus 1,1,5). Als mythos bezeichnet Herodot die Überlieferung, daß der Nil dem Flusse Okeanos entspringe, denn diesen hat noch niemand gesehen (2,23). Auch den Mythos von Herakles in Ägypten hält Herodot für unglaubwürdig, weil es bei den Ägyptern keine Menschenopfer gebe (2,45). Nach der Überlieferung hatten die Ägypter versucht, Herakles zu opfern, dieser aber konnte sich retten, indem er den ägyptischen König Busiris und viele andere Ägypter erschlug. |