Religion und Kult

Die antike griechische Religion war polytheistisch. Die Verehrung der Götter erfolgte durch Kulthandlungen, die oftmals an bestimmte Orte und Kultstätten gebunden war. Im Gegensatz zu den großen monotheistischen Religionen kannten die Griechen keine heiligen Schriften wie etwa die Bibel im Christentum, den Koran im Islam, in denen die Glaubensinhalte normativ festgelegt waren. Priester wurden häufig durch Wahl oder durch das Los ermittelt, ihre Hauptaufgabe bestand in der Durchführung von Kulthandlungen wie Opfern, nicht aber in der Ausübung eines Lehramtes. Die wichtigsten Kulte waren von einer Polis, einem Stadtstaat, oder einer vergleichbaren politischen Einheit abhängig. Die Kultstätten befanden sich gewöhnlich innerhalb der Siedlung oder waren mit ihr durch einen Prozessionsweg, eine heilige Straße, verbunden. In lokalen Kultkalendern war festgelegt, an welchen Tagen des Jahres bestimmte kultische Feiern und Opferhandlungen stattfinden mußten. Daneben gab es Stammesheiligtümer sowie kultisch-politische Zusammenschlüsse mehrerer Stadtstaaten. Einige bedeutende Heiligtümer wie Olympia, Delphi und Delos wurden als panhellenisch, als gesamtgriechisch angesehen, ohne daß damit die Bindung an die jeweilige Polis verlorengehen mußte.

Wer sich insbesondere für den Zusammenhang zwischen Mythologie und Kult oder Religion interessiert, sei auf den Aufsatz "Archäologie und Religion am Beispiel der griechischen Welt in archaischer und klassischer Zeit" von Juliette de la Genière hingewiesen. In: Adolf H. Borbein u.a.: Klassische Archäologie - Eine Einführung, Berlin 2000.