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Schöpfungsmythen
Die Entstehung der Welt (Kosmogonie) spielt im Vergleich
zum vorderen Orient in der griechischen Mythologie eine geringere Rolle.
Üblicherweise wird sie im Zusammenhang mit Göttermythen erzählt.
Dabei lassen sich verschiedene Versionen unterscheiden:
- Entstehung der Welt durch eine Trennung von Himmel
und Erde. Atlas, Sohn des Titanen Iapetos, trägt das Himmelsgewölbe
auf seinen Schultern. Hier scheint ein alter Trennungsmythos vorzuliegen.
Atlas erinnert an den Riesen Upelluri, der nach der hethitischen Überlieferung
Himmel und Erde träg.
- Entstehung der Welt aus dem Urprinzip Nacht.
Die Götter sind Urkräfte, die die Nacht hervorbringt. Varianten: Nach
Musaios entstand die Welt aus einer Verbindung von Tartaros (Unterwelt)
und Nyx (Nacht). Ähnliche Vorstellungen sind aus dem alten Ägypten bekannt
(Num und Naunet). Nach Epimenides geht Tartaros aus einer Verbindung
von Aer und Nyx hervor. Nach der orphischen Kosmologie gibt es anfangs
nur Chaos (etwa vergleichbar dem alttestamentlichen tohu wa bohu = wüst
und leer), Nyx (Nacht) und Erebos (Finsternis). Dann bringt die Verbindung
von Wind und Nacht ein silbernes Ei hervor. Diesem Ei entspringt Eros
als schöpferisches Prinzip, das die Entstehung der Götter erst ermöglicht.
- Sukzessionsmythos. Die Götterwelt ist das
Ergebnis einander ablösender Generationen. Die Abfolge Okeanos
- Uranos - Kronos - Zeus begegnet bereits in der Ilias
(14,153 ff.).
Hesiod kombiniert in seiner Theogonie verschiedene
Überlieferungen. Nach seiner Vorstellung entstand zuerst das Chaos,
dann Gaia (Erde), Tartaros (Unterwelt), Erebos (Finsternis) und schließlich
Nyx (Nacht). Aus der Verbindung von Erebos und Nyx gingen Aither (der
obere Himmel) und Hemera (Tag) hervor, während Gaia (Erde) Uranos
(den Himmel), Pontos (das Meer) und die Berge hervorbrachte.
Mit Uranos beginnt jetzt die eigentliche Sukzession. Als Kinder des Uranos
und der Gaia gelten die Titanen (Okeanos, Tethys, Koios, Phoibe, Krios,
Hyperion, Theia, Iapetos, Themis, Mnemosyne, Kronos und Rhea) sowie die
drei Hekatoncheires (hundertarmige Riesen) und die drei Kyklopen. Zeus und
die anderen olympischen Götter waren wiederum Kinder bzw. Nachkommen
des Kronos und der Rhea. |