Schöpfungsmythen

Die Entstehung der Welt (Kosmogonie) spielt im Vergleich zum vorderen Orient in der griechischen Mythologie eine geringere Rolle. Üblicherweise wird sie im Zusammenhang mit Göttermythen erzählt.
Dabei lassen sich verschiedene Versionen unterscheiden:

  1. Entstehung der Welt durch eine Trennung von Himmel und Erde. Atlas, Sohn des Titanen Iapetos, trägt das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern. Hier scheint ein alter Trennungsmythos vorzuliegen. Atlas erinnert an den Riesen Upelluri, der nach der hethitischen Überlieferung Himmel und Erde träg.
  2. Entstehung der Welt aus dem Urprinzip Nacht. Die Götter sind Urkräfte, die die Nacht hervorbringt. Varianten: Nach Musaios entstand die Welt aus einer Verbindung von Tartaros (Unterwelt) und Nyx (Nacht). Ähnliche Vorstellungen sind aus dem alten Ägypten bekannt (Num und Naunet). Nach Epimenides geht Tartaros aus einer Verbindung von Aer und Nyx hervor. Nach der orphischen Kosmologie gibt es anfangs nur Chaos (etwa vergleichbar dem alttestamentlichen tohu wa bohu = wüst und leer), Nyx (Nacht) und Erebos (Finsternis). Dann bringt die Verbindung von Wind und Nacht ein silbernes Ei hervor. Diesem Ei entspringt Eros als schöpferisches Prinzip, das die Entstehung der Götter erst ermöglicht.
  3. Sukzessionsmythos. Die Götterwelt ist das Ergebnis einander ablösender Generationen. Die Abfolge Okeanos - Uranos - Kronos - Zeus begegnet bereits in der Ilias (14,153 ff.).
Hesiod kombiniert in seiner Theogonie verschiedene Überlieferungen. Nach seiner Vorstellung entstand zuerst das Chaos, dann Gaia (Erde), Tartaros (Unterwelt), Erebos (Finsternis) und schließlich Nyx (Nacht). Aus der Verbindung von Erebos und Nyx gingen Aither (der obere Himmel) und Hemera (Tag) hervor, während Gaia (Erde) Uranos (den Himmel), Pontos (das Meer) und die Berge hervorbrachte.
Mit Uranos beginnt jetzt die eigentliche Sukzession. Als Kinder des Uranos und der Gaia gelten die Titanen (Okeanos, Tethys, Koios, Phoibe, Krios, Hyperion, Theia, Iapetos, Themis, Mnemosyne, Kronos und Rhea) sowie die drei Hekatoncheires (hundertarmige Riesen) und die drei Kyklopen. Zeus und die anderen olympischen Götter waren wiederum Kinder bzw. Nachkommen des Kronos und der Rhea.