"Die Priester dieses Gottes sind
meistens Frauen, die bald vom Wahnsinn her Maenaden, bald
wegen ihres Stürmens und Furors Thyaden, oder weil Thya
die ersten Mysterien des Bacchus einrichtete, bald wegen der
Unmäßigkeit und der Wildheit ihrer Sitten Bacchen
genannt werden. Sie werden auch Mimallonen genannt, weil sie
Dionysos nachahmen. Denn die meisten führen im Gebirge
zahme Löwen mit sich, andere auch wilde. Sodann ernähren
sie sich von rohem Fleisch, durchstoßen die Erde oder
die Felsen mit ihren Stöcken; wenn es sie dürstet,
lassen sie Wein, Milch oder Honig hervorsprudeln; und sie
tragen Schlangen anstelle von Bändern in den Haaren.
Strabo sagt in Buch 10, daß die Satyrn, Silene, die
Lenäer, die Nymphen, die Naiaden und Tityrer die Priester
des Dionysos gewesen seien." (S. 262f)
Im Original:
" Huius Dei sacerdotes foeminae plerunque fuerunt, quae
nunc ab insania Menades. nunc ab impetu & furore Thyades,
vel à Thya quae prima sacra Bacchi instituit, nunc
ab intemperantia, morumque pravitate, Bacche vocabantur. Dictae
sunt & Mimallones, quia Dionysum imitarentur: nam in montibus
plerunque versantes leones manibus secum adducebant, aliasque
feras: deinde iis crudis vescebantur: terramque ferulis percutientes,
aut saxa, cum sitirent, vinum, vel lac, vel mel scatere faciebant,
anguesque habebant pro zonis comis implicitos. Huius Dei Satyros,
& Silenos, & Lenas, & Nymphas, & Naiades,
& Tityros facerdotes fuisse inquiunt Strabo lib. 10."
„Man stellt diesen Gott bekleidet
mit Reh- und Ziegenfell dar, wovon das eine Tier die verweiblichte
Natur betrunkener Lebewesen bedeutet, das andere vor zuviel
Wein schützt. Deshalb auch wurde der Gott meist von weiblichen
Priestern verehrt, weil die Natur der Trunksüchtigen
den Frauen näher steht als Männern. Jene benutzten
Thyrsoi und Kränze aus Efeu, Eibe, Tanne und Eiche bei
den Opferzeremonien, weil diese Bäume die Weinstöcke
nachahmen und ihnen von Natur aus nicht ungünstig sind.“
(S. 273)
Im Original:
" Fingebatur hic Deus hinnulorum & caprarum pellibus
indutus, quorum animalium alterum effoeminatam ebriorum naturam
significat, alterum infensum est vitibus. Idcirco etiam a
mulieribus sacerdotibus plerunque colebatur, quod ebriosorum
natura magis foeminis quam viris est similis. Illae thyrsis
& coronis ex hedera in sacrificiis utebantur & smilacis,
& abietis, & quercus, quia illa arbores vites imitentur,
ac non infestae natura sint vitibus."
"Die Kulte des Gottes wurden von
Frauen ausgeführt, wie wir gesagt haben, denn er hatte
sie bei seiner Fahrt nach Indien als Gefährtinnen dabei.
Sie werden wegen ihres wahnsinnigen Geschreis Bacchen genannt.
Sie liefen nämlich mit brennenden Kienspanen und Fackeln
durch die Nacht, die sie bei den Opfern benutzten. Und mit
offenem Haar rannten sie und schrien: Euhoe, was als Ausruf
guter und glücklich Weihender gilt.“ (S. 268)
Im Original:
"Agebantur huius Dei sacra à mulieribus, ut diximus,
quod illas habuisset socias in Indica expeditione: quae dictae
sunt Bacchae ab insanis clamoribus: currebant enim cum taedis
& funalibus accensis per noctem, quibus utebantur in illis
sacrificiis, atque crinibus passis ita clamabant currentes:
euhoe, quae voces sunt bene ac foeliciter precantium."
"Der Thyrsos war das Attribut des
Gottes, der Mänaden und aller anderen Anhänger des
Bacchus: "Er führte als Zepter den Thyrsos, dessen
Schaft mit Weinblättern und mit Efeu lieblich geschmückt
war, außerdem die Haut eines Hirschs, die man "nebrida"
nannte, wie Euripides in den Bacchen schreibt: "Theben
war die erste griechische Stadt in die ich kam,/ und ich habe
dort herumgetost, als ich die "nebride" Haut angenommen
hatte./Und seither führe ich den Efeu und den Thyrsos."
(S. 261)
Im Original:
" Consuevit & pro sceptro thyrsum gestare, quae hasta
erat frondibus vitium aut haederae aliquando suaviter ornata,
& cervi pellem, quam nebrida vocabant, ut scripsit Euripides
in Bacchis: Thebasque primas urbem adivi Graecia, Ibi fremuique,
pelle sumpta nebride. Hederaque thyrsum tradidi illo tempore."
Zum Bacchuskult bei den Römern berichtet Comes, indem er
sich auf die Georgica Vergils (Buch 2) bezieht: „Es
wurden aber denen Belohnungen versprochen, die besser als andere
über die Weinschläuche sprangen. Darauf wurde die
Statue des Bacchus unter Liedern, die unharmonisch nach Art
der Trunkenen verfaßt waren zu seinem Lob und in der Muttersprache
der einzelnen Stämme, herumgetragen um die Weinstöcke/Weinberge,
was, wie man glaubte, sehr zur Fruchtbarkeit beitrage. Und die,
die das taten, formten aus der Rinde von Bäumen Masken,
und wurden mit der Weinhefe eingesalbt, damit sie nicht erkannt
werden konnten, weil sie ja viel Lächerliches, Unziemliches,
viel Schimpfliches und Schändliches sagten, was ohne Maske
auszusprechen sie sich geschämt hätten. Wenn sie so
die Weingärten rituell gereinigt hatten, kehrten sie zum
Altar des Bacchus, von dem sie weggegangen waren, zurück,
brachten auf Schalen ihre heiligen Opfertiere dar und verbrannten
sie. Darauf hängten sie in den Spitzen der Bäume bald
irdene, bald hölzerne Bilder auf, die dem Bacchus heilig
waren und ihm glichen, die sie wegen der Kleinheit ihrer Münder
kleine Masken nannten, damit sie möglichst weit in die
Ferne schauten, denn man glaubte, dies werde den Weingärten
nützen. Danach schritt man zum Gastmahl und von da ging
man wieder nach Hause.“ (S. 270)
Im Original:
"Proponebantur autem pre amia illis qui sapientiùs
super utres saltarent: deinde Bacchi statua cum carminibus inconcinnè
ebriorum more compositis in eius laudes patrio idiomate singularum
nationum circumferebatur circa vineas quae res plurimum ad fertilitatem
conferre putabatur atque ii qui ista faciebant, personas fumebant
è corticibus arborum, & vini faece aliquando perungebantur,
ne cognosci possent quia multa ridicula, multa parum decora,
multa turpia & pudore plena dicebant, quae sine personis
dicere omnino puduissent. deinde vineis lustratis ad altare
Bacchi, unde discesserant, redeuntes, sacras victimas in lancibus
offerebant, & comburebant. deinde altissimis arboribus imagines
quasdam modò fictiles, modò ligneas, Baccho sacras
& illi similes appendebant, quas à parvitate oris
dicebant oscilla, ut longissime possent prospicere, quia vineis
conferre putabantur. His ita actis in convinium, & è
convinio domum discedebant."
"Als aber viele unreine
orgiastische Schandtaten in irreführender Nachahmung der
heiligen Bacchanalien begangen wurden, versuchte Pentheus, der
König von Theben, der Sohn von Agaue und Echion, zu gleicher
Zeit mit Gewalt soviel Schande abzuwenden. Aber für Könige
ist es gefährlich, festverwurzelte Ausschweifung und ererbte
Maßlosigkeit an einem einzigen Tag auszulöschen.
Nichts Plötzliches nämlich erträgt die Natur
in ihrer Gleichmut, und allmählich muß zerstört
werden, was am wenigsten zuträglich ist. Es wird in den
Mythen überliefert, daß die Bacchen von Bacchus in
Panther verwandelt wurden und Pentheus (hier Bild möglich,
nur zur Illustration) in einen Stier, der von ihnen mit den
Krallen zerfleischt wurde.“ (S. 271)
Im Original:
"Cum verò multa impura facinora Orgiorum, sacrorumque
Bacchanaliorum simulatione committerentur, Pentheus Agaues &
Echionis filius Rex Thebanorum eo tempore conatus est pro viribus
tantum turpidinis evertere: sed cum periculosum sit regibus
inveteratam lasciviam & avitam aliquam intemperantiam uno
die velle obliterate; cum nihil repentinum aequo animo natura
patiatur, paulatimque delenda sint, quae minimè conveniunt
proditum est in fabulis Bacchas in Pardales fuisse à
Baccho mutatas & Pentheum in taurum, qui fuit ab illis unguibus
discerptus."
"Zwar gab
es viele Silene ..., aber einen von ihnen erinnert man als
älter als die übrigen. Wessen Sohn er war, steht
nicht fest: außer daß er in der Stadt Malea in
Lakonien geboren ist, wie Pausanias und Pindar sagen. Und
Catull erwähnt in den Argonautica , daß der Silen
in Nysa, einer Stadt in Indien geboren wurde. ... Es wird
außerdem überliefert, daß der Silen Bacchus
erzogen habe, wie Orpheus im Hymnus auf den Silen bezeugt.
... Lukian schreibt im Götterrat, daß er ein Greis
war und kahlköpfig und oben platt und daß er meistens
einen Esel benutzte, daß er von kleiner Statur war,
mit feistem und dickbäuchigem Körper, mit großen
aufgerichteten Ohren, und zittrig, sich auf einen Stock stützend.
Daß es mehrere Silene gegeben habe und Bacchus von ihnen
erzogen worden sei, schreibt Nicander in den Alexipharmaca.
... Daß er fast immer betrunken war, bestätigt
Vergil in der sechsten Ekloge. ... Daß ihn immer Satyrn
begleiteten, steht bei Ovid im zweiten Buch der Ars amatoria
... Immer folgte er mit den Satyrn dem Bacchus, wie im vierten
Buch der Metamorphosen steht. Es geht das Gerücht, daß
dieser Silen einst von Midas gefangen wurde durch Wein, der
in irgendeine Quelle gegossen worden war, denn er genoß
den Wein ganz besonders, wie Pausanias in den Attici sagt,
und so schreibt es auch Ovid im elften Buch der Metamorphosen
... [Es folgt die Angabe, daß der Esel des Silen, weil
er sich im Gigantenkampf bewährte, zum Lohn von Jupiter
als Sternennebel im Sternbild des Krebses an den Himmel versetzt
worden sei.]
Diesen nennen sie den Begleiter des Bacchus, einen Greis,
dickbäuchig und schwankend, weil der Wein und die Trunkenheit
bald feist und dickbäuchig, bald den Kopf schwer und
schwankend machen und schneller zum Alter führen. Diese
ganzen Unbequemlichkeiten nämlich und Schändlichkeiten
des Körpers hat man zu Begleitern des Bacchus gemacht:
Manche meinen, daß der Silen im Alter Schüler des
Bacchus war, weil das Alter der Weine alle vorhergesagten
Schändlichkeiten vermehrt. Deswegen sagt man, daß
er sich von einem Esel tragen ließ, weil diejenigen
meistens träge sind und zu Geschäften unbrauchbar,
die mehr zu trinken pflegen, als angemessen ist. Denn alle
Gelüste tragen wenig zum menschlichen Leben bei: Ja,
weil sie nicht allein den Geist, sondern auch den Körper
für alle Dinge nutzlos machen, wenn mehr Mühe auf
jene gewendet wird, als die Natur selbst es gefordert hat,
ist - so überlieferten es die Alten - zur ewigen Erinnerung
an diese Sache und zur Ermahnung sein Esel unter die Sterne
versetzt worden." (S. 250f)
Im Original:
"Atqui multi fuerunt etiam Sileni, quando Pausanias in
rebus Atticis natu maximos Satyrorum Silenos nuncupatos fuisse
memorat. sed unus praecipue inter illos ceteris antiquior
memoratur. qui cuius filius fuerit, non constat: nisi quod
in civitate Malea Laconum natus est ut ait Paus. & Pindarus.
at Catullus in Nysa Indiae civitate natum esse Silenum memorat
ita in Argonauticis: ... Ferunt praeterea Silenum Bacchum
educasse, ut testatur Orpheus in hymno in Silenum hoc pacto:
... Hunc scripsit Lucianus in concilio Deorum senem fuisse,
& calvum: & simum & asino plerunque utentem, brevis
staturae, corpore obeso ac ventricoso, auribus magnis &
arrectis tremulum, baculo innitentem. at plures fuisse Silenos,
& Dionysum ab ijs educatum, scripsit Nicander in Alexipharmacis:
... Hunc semper fere ebrium fuisse innuit Virgil. ita Eclog.
sexta: ... Hunc Satyri semper comitabantur, ut innuit in his
Ovid. in 2. de arte aman. ... Hic una cum ipsis Satyris semper
fere Bacchum sequebatur, ut est in libro quarto Metamorph.:
... Fama est hunc Silenum a Mida vino fontem quendam infuso
captum fuisse, quod vino maxime delectaretur, ut ait Pausanias
in Atticis, atque id ita scripsit Ovidio libro undecimo Metamorph.:
... HUNC Bacchi comitem, senem, ventricosum, titubantemque
dixerunt, quia vinum & ebrietas cum obesos faciat &
ventricosos, tum caput plerunque gravat, & titubantes
facit & ad senectutem citius perducit: haec enim omnia
incommoda, & corporis turpitudines idcirco Bacchi comites
finxerunt: quidam putarunt Silenum senem fuisse Bacchi alumnum,
quia vinorum vetustas, omnes etiam pradictas turpitudines
augeat. Idcirco dicebatur ab asino vehi solitus, quia tardi
sunt plerunque & inutiles negocijs, qui plus potare solent,
quam conveniat: nam voluptates omnes parum conferunt humanae
vitae: quippe cum non animum solum, sed corpus etiam rebus
omnibus inutile reddant, si plus operae illis detur, quam
natura ipsa postulaverit, ad huius rei sempiternam memoriam
& cohortationem antiqui eius asinum inter sidera collocatum
fuisse tradiderunt. ac de Silenis, satis, nunc de Faunis dicamus."
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