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Quellenverzeichnis
zur Studieneinheit 8: "Mythologie und Herrschaft"
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Quelle 1 |
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Man sieht in Rom auf dem Kapitol eine Statue
aus vergoldeter Bronze, die Herkules, mit der Haut des Löwen
bekleidet, wiedergibt. Er hält eine Keule in der rechten
Hand und in der linken drei Äpfel, die er im Garten der Hesperiden
gepflückt hat. Dadurch sind drei Arten von heroischen Tugenden
angezeigt, die diesem Bezwinger von Ungeheuern zugeschrieben
wurden: die erste ist die Beherrschung des Zorns, die zweite
die Mäßigung, die dritte der großzügige
Verzicht auf Wollust und weltliche Vergnügungen.
Man hat also Grund zu sagen, daß ein Mensch mit vollkommener
heroischer Tugend versehen ist, wenn er seine eigenen ungeregelten
Leidenschaften beherrscht, und zwar durch eine so hohe und vollkommene
Vernunft, daß sie ihn über den Stand der Sterblichen
hinaushebt und ihn den Engeln fast gleich macht.
Die Keule, mit der er versehen ist, ist rauh und voller Knoten.
Damit werden die großen Schwierigkeiten angezeigt, die
sich all denen in den Weg stellen, die tugendhaft leben wollen.
Die Dichter stellen sich dazu vor, daß sich der noch junge
Hercules an einem wüsten Ort befand, wo es zwei Wege gab,
der eine mit Rosen bestreut, der andere voll von Dornen. Und
er überlegte lange bei sich, welchen Weg er nehmen solle,
und er wählte sodann den letzteren, wie dornenreich er
auch war: Dabei urteilte er richtig, daß es sich um den
Pfad der Tugend handelte. |
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aus: Cesare Ripa, Iconologia, 1593 |
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Quelle 2 |
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Je mehr man die neben diesem künstlichen
Wasserfall hinaufführende Stiegen ersteigt, je mehr wächst
auch das Erstaunen, so diese schöne bewunderungswürdige
Masse in einem jedweden erweckt, denn sowohl nach der Höhe,
als auch nach der Größe, verdient dieses Werk allgemeinen
Beifall. Denn wenn man an dem Fuße des oberen achteckigen
Gebäudes endlich ankommt, so hat man noch über drey
hundert Stufen zu steigen, um dem Hercules in den Kopf zu kommen.
Dieses Gebäude, welches ringsumher mit dreifach übereinanderstehenden
Gewölbern umgeben, ist in der Mitte ganz leer und hat den
freien Himmel zum Dach. Auf der vordersten Seite dieses Achtecks
ist eine hohe Pyramide errichtet, auf deren Spitze der 31 Schuh
hohe Hercules steht. - Die größte Statue so mir in
Deutschland, ja selbst in Europa bewußt ist. Auch dieses
grosse Gebäude, welches gleichfalls aus solchen ganz rauhen
und sehr grossen Tufsteinen ist, stellt sich dem Auge als ein
natürlich ausgehauener Felsen dar. |
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von: Friedrich Justinian von Günderode
1781 |
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Quelle 3 |
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Über dem Giebel erhob sich ein Sockel
... auf dem es eine Kartusche in antiker Manier gab, die von
zwei sitzenden Männern gehalten wurde ... Und auf dieser
Kartusche, auf schwarzem Grund, stand in goldenen Buchstaben
geschrieben: TRAHIMVR, SEQVIMVRQVE VOLENTES [Wir werden gezogen
und wir folgen, weil wir es wollen]. Dieses Hemistychon, paßte
sehr gut zu den vier Personen, die sich im Profil, mehr als
lebensgroß auf dem Sockel erhoben. Sie waren nach ihrem
Stand gekleidet, d. h. in der Art, wie man sie gewöhnlich
bei unseren Bischöfen und Prälaten sieht; so repräsentierten
sie die Kirche. Ein anderer war in antiker Art gerüstet,
mit einem Krummsäbel an der Seite; er bedeutete den Adel.
Der dritte war mit dem langen Gewand versehen; er bedeutete
den Rat; und der vierte war als Winzer gekleidet, mit der Hippe
in der Hand, der den Arbeiterstand anzeigte. Diese gaben vor,
frei und mit großen Schritten voranzugehen, die Hände
zu einem gallischen Hercules ausgestreckt, der vorn mitten zwischen
ihnen stand. Sein Gesicht bezog sich auf einzigartige Weise
auf das des verstorbenen Königs Franz, des milden und gerechten
Fürsten, Wiederhersteller der schönen Künste
und der Wissenschaften, selbst viel eloquenter als alle, die
Frankreich vor ihm regiert hatten. Dieser Hercules war mit der
Haut eines Löwen bekleidet, dessen Pfoten am unteren Ende
der Büste geknotet waren, um die Teile, die die Natur regiert,
zu bedecken; der Rest des Körpers war nackt. In seiner
rechten Hand hielt er an Stelle der Keule eine Lanze, die von
einer Schlange umwunden und von einem Lorbeerzweig bedeckt war;
dies bedeutete, daß die Klugheit im Krieg Gelegenheit
zum Sieg bereitet. In der Linken hielt er seinen Bogen und einen
großen Köcher mit Pfeilen. Von seinem Mund gingen
vier Kettchen aus, zwei aus Gold, zwei aus Silber, die sich
an die Ohren der obengenannten Personen hefteten. Aber sie hingen
so sehr durch, daß niemand sie für einen Zwang halten
konnte. So waren sie gerne von der Beredsamkeit des neuen Hercules
angezogen, der in Frankreich die hebräische, griechische,
lateinische und andere Sprachen zum Erblühen brachte ...
Am Keilstein des Bogens hing eine Tafel mit schwarzem Grund
und der folgenden Inschrift in goldenen Buchstaben: Aufgrund
meiner süßen Redegabe und königlichen Güte
Fand jeder Vergnügen darin, mich zu ehren und mir zu folgen:
Jeder, der meinen Nachfolger mir folgen sieht, Ehrt ihn und
folgt ihm, von freiem Willen bezwungen. |
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aus: I. D. McFarlane (Hg.): The Entry
of Henri II. into Paris 16 June 1549, New York 1982. |
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Quelle 4 |
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Da nun unter den güldenen Aepfeln,
welche der Welt-Träger Atlas, als Ober-Aufseher der Hesperidischen
Gärten, durch einen Drachen, dem Vorgeben der Dichter gemäß,
bewachen lassen, von vielen eigentlich nichts als wahrhafftige
Pomerantzen-Aepfel verstanden werden; Hercules aber an des Atlas
Stelle, nachmahls die Welt selbst unterstützt, auch mit
diesem Zierrath, welchen er aus den Hesperidischen Gärten
entwendet, nunmehro die hiesige Königliche Orangerie ausgeschmücket:
So hat man seine Bild-Säule theils als eines Ober-Aufsehers
derselben, theils als eines Welt-Unterstützers, wie er
die Himmels-Kugel auf seinen Schultern träget, in Abzielung
auf die damahlige Reichs-Stadthalterschafft unseres Heldenmüthigen
Königs, in der Höhe über der großen Treppe
ausgestellet. |
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Livret des Salon 1739, zitiert
nach Geneviève Bresc-Bautier: Sculpture française. XVIIIe
siècle, Paris 1980, Nr. 10. |
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