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Herkules am Scheideweg

Hannibale Caracci: Herkules am Scheideweg

Herkules wächst heran und weidet die Herden seines Zieh-vaters. Aus einem Olivenbaum, den er aus der Erde reißt, schnitzt er die Keule, die ihm von nun an dienen wird. Als er sich in die Einsamkeit zurückgezogen hat, um sich über seinen Lebensweg klar zu werden, erscheinen ihm zwei junge Frauen, Verkörperungen des Lasters und der Tugend, die ihm die entsprechenden Wege und deren Ziele aufzeigen. Das Thema des Helden, der sich aus eigener Entscheidung auf den moralisch tadellosen, aber mühsamen Weg begibt, ist in der frühen Neuzeit gerne dargestellt worden. Unser Beispiel stammt aus dem Palazzo Farnese in Rom. Annibale Carracci malte Herkules am Scheideweg 1596 als Zentrum eines Bildprogramms im Camerino. Der junge Herkules sitzt, auf seine Keule gestützt, mitten im Bild. Zwar neigt sich sein Haupt dem Laster zu, der blonden Frau, die sich vor dem jungen Mann entblößt und ihm ein bequemes Leben mit Theaterspiel, Musik und Kartenspiel verspricht - die Tugend aber steht zur Rechten des Helden, sie ist züchtig bekleidet und weist auf den steilen Pfad, der Herkules ewigen Ruhm einbringen wird: An seinem Ende erscheint der Pegasus, das geflügelte Pferd der Dichter, vorn ist ein lorbeerbekränzter Dichter bereit, die Taten des Helden aufzuschreiben (1).
 
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