Hessen im Mittelalter - Quellentexte 906

Bericht Reginos von Prüm über die Babenberger Fehde in Hessen

Dum haec in regno Lotharii aguntur, Cuonradus senior in Hessia in loco, qui dicitur Frideslar, cum mnlta turba peditum et equitum residebat, crebras incursiones Adalberti suspectas habens; frater vero eius Gebehardus in Wedereiva cum omnibus, quos sibi adsociare poterat, eiusdem Adalberti prestolabatur repentinam inruptionem. Nec eos fefellit per omnia rerum eventus; siquidem Adalbertus vires adversariorum extenuatas esse sentiens, eo quod in tribus partibus essent divisi, oportunum et diu exoptatum tempus advenisse gaudens congregatis sociis mox arma corripit; et primo quidem simulat se contra Gebehardum copias transferre velle, ut et illum bello perterreret et fratrem securiorem redderet; deinde, quanta potuit celeritate, aciem adversus Cuonradum dirigit. Quod aum Cuonradus sero cognovisset, divisis sociis in tribus turmis ei incunctanter occcrrit; et commissa pugna duae turmae, una peditum et altera Saxonum, statim terga verterunt. Quos cum Cuonradus clamore ingenti frustra hortaretur, ut nullatenus hostibus cederent, sed pro coniugum ac liberorum salute et defensione patria totis viribus decertarent, ipse cum terti turma animatis sociis super adversarios irruit, sed mox in ipso primo impetu multis vulneribus confossus extinctus est. Adalbertus victoria potitus cum sociis fugientes insecutus est et innumeram multitudinem, maxime peditum, gladio prostravit. Tribus itaque continuis diebus totam illam regionem perlustrans cedibus ac rapinis cuncta demolitus est. His patratis, honeratis sociis spoliis ac ingenti preda, ad Babenberh castrum reversus est. Peracta est autem haec cedes III. Kal. Mart.; <Edition S. 151/152>venientes filii cum matre levaverunt corpus Cuonradi et sepelierunt in castello, quod Wilineburah vocatur. Eodem anno circa Iulio mense Ludowicus rex conventum generalem celebravit apud Triburias villa regia, ubi adesse mandavit saepe dictum Adalbertum, ut in presentia optimatum regni pro se rationem redderet et pacis conditionem, quam hactenus exosam habuerat, tandem aliquando deposita crudelitatis tirannide susciperet et a rapinis, caedibus et incendiis saltim vel sero quiesceret.

 

Übersetzung
Während dies in Lothars Reich geschah, hatte der ältere Konrad mit einer großen Schar zu Fuß und zu Roß sein Lager in Fritzlar in Hessen, indem er häufige Einfälle Adalberts argwöhnte; sein Bruder Gebehard aber erwartete mit allen, die er hatte an sich ziehen können, in der Wetterau den plötzlichen Einbruch eben jenes Adalberts. In der Tat gab ihnen der Ausgang der Dinge durchaus Recht; denn als Adalbert merkte, daß die Macht seiner Gegner geschwächt sei, weil sie sich auf drei Stellen verteilt hatten, versammelt er seine Gefährten, froh, daß die günstige und lange ersehnte Zeit gekommen sei, und greift alsbald zu den Waffen und zwar gibt er sich zuerst den Anschein, als wolle er seine Truppen gegen Gebehard führen, damit er sowohl diesen den Krieg fürchten lasse, als auch seinen Bruder sicher mache; darauf lenkt er mit so großer Geschwindigkeit, als er vermochte, sein Heer gegen Konrad. Als dies Konrad zu spät erkannte, teilt er seine Gefährten in drei Haufen und rückt ihm ohne Zögern entgegen; und als das Treffen begann, wandten sich zwei Haufen, der eine vom Fußvolk und der andere von den Sachsen, sogleich zur Flucht. Da Konrad diese vergeblich mit lautem Rufe ermahnte, sie möchten keineswegs den Feinden weichen, sondern für das Heil ihrer Weiber und Kinder und zur Verteidigung des Vaterlandes aus allen Kräften streiten, stürzte er sich selbst mit der dritten Schar, seine Kameraden anfeuernd, auf die Widersacher, aber schon beim ersten Angriff wurde er mit vielen Wunden bedeckt und starb. Adalbert trug den Sieg davon, verfolgte mit seinen Gefährten die Fliehenden und streckte eine zahllose Menge, hauptsächlich solche zu Fuß, mit dem Schwerte nieder. Indem er darauf drei Tage hintereinander jene ganze Landschaft durchstreifte, richtete er durch Mord und Plünderung alles zu Grunde. Als dies vollbracht war, kehrte er mit seinen Genossen, die mit Kriegsbeute und unermeßlichem Raube beladen waren, in die Feste Bamberg zurück. Dieses Blutbad ereignete sich aber am 27. Februar. Die Leiche Konrads hoben die Söhne nebst ihrer Mutter auf und bestatteten sie in Weilburg. Im selben Jahre etwa im Juli hielt König Ludwig eine allgemeine Versammlung auf dem königlichen Hofe Tribur, zu der er auch dem oft genannten Adalbert zu erscheinen befahl, damit er in Gegenwart der Großen des Reiches Rechenschaft für sich ablege, den Friedenszustand, der ihm bis dahin verhaßt gewesen war, endlich einmal unter Aufgebung seiner grausamen Tyrannei annehme und vom Rauben, Töten und Brennen wenigstens nach so langer Zeit ablasse.

Quelle: MGH Scriptores rerum Germanicarum in usum scholarum separatim editi. [50.] Reginonis abbatis Prumiensis
chronicon cum continuatione Treverensi. hrsg. von Friedrich Kurze, 1890, ND 1978, S. 151 f.
Übersetzung: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte. Dritter Teil, neu bearb.von Reinhold Rau (Ausgewählte
Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr vom Stein-Gedächnisausgabe Bd. 7), 1960, S. 317.
 
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