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Um effektiv kommunizieren zu können, braucht
man einen guten Wortschatz. Aber das bedeutet nicht einfach, daß
man viele Wörter kennen muß. Die Bausteine, die man
braucht, um Sätze zu bauen, sind mit dem Terminus "lexikalische
Einheiten" zu bezeichnen. Ein Wort kann man beschreiben als
eine Gruppe von Buchstaben, die nicht durch Leerzeichen voneinander
getrennt sind. So enthält dieser Satz sechs Wörter.
Aber ein Satz aus sechs Wörtern muß nicht genauso viele
lexikalische Einheiten enthalten, ein Wort ist nämlich nicht
dasselbe wie eine lexikalische Einheit. Ein Satz wie Er hat
uns kräftig an der Nase herumgeführt enthält
acht Wörter, aber nur fünf lexikalische Einheiten, nämlich
Er, hat, uns, kräftig, an der Nase herumführen.
Eine lexikalische Einheit ist ein Lexikon-Eintrag (ein Wort oder eine Wortgruppe) mit einer einfachen Bedeutung. So sind z.B. Sprichwörter wie Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm oder Kindermund tut Wahrheit kund oder Redewendungen wie (bei jemandem) in der Kreide stehen, die Hosen anhaben und (von etwas) die Nase voll haben lexikalische Einheiten. Andere Beispiele für lexikalische Einheiten sind Wortgruppen wie in bezug auf und in Anbetracht von. Eine lexikalische Einheit kann wiederum Teil einer größeren lexikalischen Einheit sein. So kommt die lexikalische Einheit Wind z.B. in folgenden lexikalischen Einheiten vor: Wer Wind sät, wird Sturm ernten und Etwas in den Wind schlagen.
Wortgruppen, die im Niederländischen zusammen
eine lexikalische Einheit bilden, sind z.B.: rode kool;
donkere kamer; zwarte doos; de appel valt niet ver
van de boom; kleine potjes hebben grote oren; (bij
iemand) in het krijt staan; de wind van voren krijgen;
de spuitgaten uitlopen; aber auch: het is een cadeautje
in der Bedeutung 'können Sie es bitte als Geschenk
einpacken!'.
Wenn ein Wort mehrere Bedeutungen hat, sagen wir, daß es ebenso viele lexikalische Einheiten darstellt. Z.B. gibt es zwei lexikalische Einheiten die Weide, einmal in der Bedeutung des Baums und einmal in der Bedeutung der Grasfläche zum Auffressen für Kühe. Das Wort Weide ist homonym: es gibt eine Form für zwei Bedeutungen, die nichts miteinander zu tun haben. Ein weiteres Beispiel wäre der Ton. Das Wort kann einerseits den Klang bezeichnen, andererseits aber auch eine bestimmte Lehmsorte. Diese Bedeutungen sind nicht voneinander abgeleitet, sondern sie hängen überhaupt nicht zusammen. Deswegen handelt es sich hier um zwei verschiedene lexikalische Einheiten. Es kommt erheblich öfter vor, daß ein Wort verschiedene Bedeutungen hat, die untereinander zusammenhängen. Ein Beispiel dafür wäre das Wort Flügel, das nicht dieselbe Bedeutung hat in Der Vogel hat sich den Flügel gebrochen wie in Er hat sein Klavier weggeschmissen und sich einen Flügel gekauft. Aber beide Bedeutungen haben eine deutliche Beziehung untereinander. Hier sprechen wir von einer lexikalischen Einheit. Viel häufiger sind im Deutschen homonyme Substantive mit unterschiedlichem Geschlecht wie der Tor (= de dwaas) und das Tor (= het doelpunt; de poort); der Moment (= het moment, ogenblik) und das Moment (het kenmerk, het gezichtspunt, de faktor); der Kiefer (= de kaak) und die Kiefer (= de grove den) usw. Auch da geht es natürlich um unterschiedliche lexikalische Einheiten, die man nicht verwechseln sollte!
Beispiele für Homonyme im Niederländischen
sind: koper in der Bedeutung 'chemisches Element'
und koper in der Bedeutung 'derjenige der etwas kauft oder
zu kaufen wünscht', oder elf 'eine bestimmte Zahl'
b.z.w. 'eine Märchenfigur'.
Verschiedene Formen von einem Wort werden zur selben lexikalischen Einheit gerechnet, wenn die Formunterschiede rein grammatikalisch sind. So gehören alle Formen des Verbs laufen (laufe, läufst, läuft, laufen, lief, gelaufen usw.) zu ein und derselben lexikalischen Einheit.
In seltenen Ausnahmefällen kann auch eine
Flexionsform zu verschiedenen lexikalischen Einheiten gehören.
Dies wäre der Fall bei der Verbform sendet, die zwei
unterschiedlichen lexikalischen Einheiten angehören kann.
Sie gehört entweder zum regelmäßigen Verb senden
(sendete, gesendet) mit der Bedeutung "ausstrahlen"
(im Fernsehen und Rundfunk), oder aber zum unregelmäßigen
senden (sandte, gesandt), das soviel wie "schicken"
bedeutet.
Wenn man eine fremde Sprache lernt, muß
man nicht Wörter, sondern lexikalische Einheiten lernen.
Die bestehen oft aus mehr als einem Wort. In den letzten Jahren
hat man herausgefunden, daß auch Menschen, die ihre Muttersprache
lernen, eigentlich ganze Stücke Sprache lernen in der Form
von nicht analysierten Einheiten. Man gebraucht recht viele vorfabrizierte
Textbausteine, wenn man spricht oder schreibt. Es ist nicht so,
daß wir jeden Satz, den wir sprechen, komplett neu aufbauen
auf der Basis von Konstruktionsregeln und einzelnen Wörtern.
Wenn man eine fremde Sprache lernt, ist es wichtig, möglichst
viele vorfabrizierte Sprachbausteine parat zu haben. Beispiele
von lexikalischen Einheiten, die aus mehr als einem Wort bestehen
und die man als Ganzes lernen muß, sind idiomatische Ausdrücke,
strukturierende Ausdrücke, Routineformeln, Sprichwörter
und Redewendungen.
Idiomatische Wendungen sind Ausdrücke mit festgelegter
lexikalischer und grammatikalischer Struktur, deren Bedeutung
nicht aus den Einzelteilen abzuleiten ist. Das ist deshalb der
Fall, weil die Wörter, aus denen der Ausdruck besteht, nicht
wörtlich gebraucht werden. Beispiele für idiomatische
Wendungen sind z.B. mit Leib und Seele, mit allen Wassern
gewaschen sein, nicht auf den Mund gefallen sein.
Idiomatische Wendungen sind Wortgruppen, die
in einen Satz eingebettet werden können. Am häufigsten
gibt es Verbalgruppen, Nominalgruppen und Präpositionalgruppen.
So kann man sagen Egon redet, aber man kann auch
sagen Egon ist nicht auf den Mund gefallen. Die
Wortgruppe ist nicht auf den Mund gefallen steht an derselben
Stelle wie redet und ist also eine Verbalgruppe. Ein Beispiel
für eine Nominalgruppe als idiomatischer Ausdruck ist Ein
armes Schwein in Egon ist ein armes Schwein,
ein Beispiel für eine Präpositionalgruppe ist In
Windeseile in dem Satz Das hat er in Windeseile geschafft.
Im Deutschen übernehmen nominale idiomatische Ausdrücke
im Satz alle unterschiedlichen Funktionen, die ein Nomen auch
haben kann, also z.B.:
Groß und klein ('jedermann') drängte sich vor der Kasse. (Subjekt).
Der Verhaftete ist nicht irgend ein Kleindealer, sondern ein wirklich großer Fisch. (Prädikativ).
Das Staatsoberhaupt bekam einen großen Bahnhof. ('festlichen Empfang') (Akkusativobjekt).
Im großen und ganzen bin ich mit ihrem Vorschlag
einverstanden. (Adverbial).
Idiomatische Ausdrücke haben oft eine spezifische Formstruktur. So findet man im Deutschen viele Paarformeln, die dann häufig auch noch Alliteration oder Endreim aufweisen, wie z.B.:
mit Kind und Kegel; gang und gäbe;
vor Tau und Tag (also andersherum als im
Niederländischen); unter Dach und Fach bringen
/ sein; mit Ach und Krach.
Auch feste Vergleichformeln sind idiomatische Ausdrücke mit
einer deutlich erkennbaren Struktur. Einige Beispiele:
wie im Bilderbuch; glatt wie ein Aal; Augen haben
wie ein Luchs; sich freuen wie ein Schneekönig;
zu etwas kommen wie die Jungfrau zum Kind.
Man beachte auch sehr feste Kollokationen, wie graue Maus
(für 'unscheinbare Person'), der kleine Mann (für
'der wenig einflussreiche Durchschnittsmensch'), blauer Brief
('Kündigungsschreiben') und, in einem verbalen Ausdruck:
ein gefundenes Fressen für jmdn sein ('jmdm sehr gelegen
kommen, sehr willkommen sein, weil er es für sich ausnützen
kann'). Die Grenze zwischen idiomatischem Ausdruck und Kollokation
ist nicht scharf zu ziehen, aber generell gilt, daß eine
Kollokation idiomatischen Charakter hat, wenn man die Bedeutung
nicht mehr aus den Einzelteilen ableiten kann. Hauptsache ist,
solche Verbindungen als Einheit zu lernen.
Deutsche und niederländische idiomatische Ausdrücke
sind einander oft sehr ähnlich. Das ist nicht nur ein Vorteil.
Es gibt nämlich kleine Unterschiede wie etwa:
mit der Tür ins Haus fallen, 'met de deur in huis
vallen'; etwas über den Haufen werfen, 'iets in de
war sturen'; von Glück sagen können, 'van geluk
kunnen spreken'; aus voller Kehle, 'met luide keel'; (klar)
auf der Hand liegen, 'voor de hand liggen'; den Wald vor
lauter Bäumen nicht sehen, 'door het bos de bomen niet
meer zien'; das Kind mit dem Bade ausschütten, 'het
kind met het badwater weggooien'; nicht mehr papp sagen können,
'geen pap meer kunnen zeggen'; klar Schiff machen, 'schoon
schip maken'; zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, 'twee
vliegen met een klap slaan'.
Strukturierende Ausdrücke sind sehr wichtig
für das Verstehen des Zusammenhangs von Äußerungen
und Äußerungsteilen. Beispiele für strukturierende
Ausdrücke sind nicht nur ..., sondern auch und entweder
... oder. Wenn man vor allen Dingen am Inhalt eines Textes
interessiert ist, liest man leicht über diese strukturierenden
Elemente hinweg, aber ein Text ohne sie ist doch schwer verständlich.
Strukturierende Ausdrücke bestimmen in wesentlichen Punkten den Bau von einem Satz. Sie geben ihm, grob gesprochen, den Rahmen. Das sieht man an dem folgenden Beispiel: Je länger er darüber nachdachte, desto weniger verstand er es. Diese Elemente je ... desto sorgen für eine ganz spezielle Konstruktion des Satzes: Es müssen zweimal Adjektive im Komperativ vorkommen. Weitere Beispiele:
Wir fahren im Urlaub entweder nach Italien oder in
die Schweiz; Er hat für so eine Reise weder
Geld noch Zeit; Sie hat zwar wenig Zeit,
aber sie will uns trotzdem helfen; Ich habe dort
nicht nur am Strand gelegen, sondern auch die
Museen besucht; Man kann hier sowohl schwimmen als
auch angeln; Je später es wurde, desto/um
so heiterer wurden die Gäste; Der Gebrauch der Sprache
- sei es mündlich, sei es schriftlich - unterliegt
Normen; Bald regnet es, bald scheint die
Sonne.
Im Niederländischen gibt es u.a. folgende satzverbindenden Ausdrücke:
Hoe langer hij er over nadacht, des te minder begreep hij ervan; Met dit apparaat kun je zowel printen als (ook) scannen; (Noch) de nachtwaker noch de schoonmaakploeg had iets van de inbraak gemerkt; dat is wel leuk bedacht, maar niet makkelijk te realiseren.
Sowohl beim Sprechen als auch beim Schreiben beginnen
Sätze oft mit einer strukturierenden Formel, die kaum veränderbar
ist. Der restliche Satz kann dann frei formuliert werden, aber
diese Einleiteformel legt fest, welche syntaktischen Strukturen
folgen können. Das wäre im Falle von Nun kann man
sich fragen, ob eine indirekte Frage, im Falle von Ich
möchte darauf hinweisen, daß ein mit daß
eingeleiteter Nebensatz, im Falle von Ich habe die Ehre
ein Infintiv mit zu.
Einige Beispiele fürs Deutsche:
Ich habe die Ehre und das große Vergnügen
; Im Folgenden werde ich eingehen auf
; Aus dem Gesagten
ergibt sich, daß
; Ich möchte darauf hinweisen,
daß
; Nun kann man sich fragen, weshalb / wie / inwiefern
/ ob
; So konnte es dahin kommen, daß
; Im Klartext
heißt das:
Formelhafte Satzanfänge spielen auch eine wichtige Rolle
bei Sprecherwechsel. Folgende Beispiele zeigen, wie man in Diskussionen
das Wort ergreifen kann:
Entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche, aber ; Darf ich vielleicht dazu bemerken, daß ; Wenn Sie erlauben, möchte ich doch ; Erlauben Sie bitte eine Zwischenfrage ; Wenn ich da mal nachhaken darf, ; Ich hätt' dazu mal 'ne Frage
Im Niederländischen gibt es z.B. folgende satzeinleitenden Ausdrücke:
Het is de bedoeling dat
/ (om
) te
;
We zijn van plan (om
) te
; Het is een feit dat
.;
Het spreekt vanzelf dat
; Merk op dat
; Daar komt
nog bij dat
; Moge God verhoeden dat
; Het staat buiten
kijf dat
; De vraag is echter of
; Het is echter twijfelachtig
of
Die Kenntnis von strukturierenden Ausdrücken
ist sehr wichtig für das Analysieren und das Konstruieren
von Texten. Sie helfen den Hörern bzw. Lesern, der Argumentation
eines Textes zu folgen. Insofern ist es wichtig, beim Lesen oder
Hören von Texten auf diese Art von Ausdrücken zu achten.
Man sollte auch versuchen, sie selbst zu gebrauchen beim Sprechen
und Schreiben. Sie strukturieren das Gesagte, was sowohl für
den Sprecher als auch für den Leser oder Hörer sehr
hilfreich ist. Insofern ist es wichtig, sich ein größeres
Repertoire von strukturierenden Ausdrücken anzueignen.
Routineformeln sind festgelegte Ausdrücke, die eine bestimmte Funktion im Gespräch haben. Die können aus einem einzelnen Wort oder aus mehreren Wörtern bestehen, aber in beiden Fällen bezeichnen sie eine komplette Äußerungsabsicht. Mit einer Routineformel wird z.B. ein Wunsch, Befehl, eine Warnung oder Drohung ausgedrückt. Man benutzt Routineformeln in speziellen Situationen, z.B. wenn man jemand begrüßt, oder in Gesprächen, die man in einem Geschäft führt. Sie können z.B. denken an Schönes Wochenende, an Guten Tag, an Was darf es sein? (in einem Geschäft), Gesundheit! (wenn jemand niest). Routineformeln kann man meistens nicht wörtlich übersetzen. Man muß sie als eine Einheit lernen und benutzen. Gerade in mündlichen Kommunikationssituationen werden oft Routineformeln zwischen verschiedenen Gesprächspartnern gewechselt. Es ist deshalb wichtig, die möglichen Reaktionen, die Routineformeln, die als Antwort dienen können, gleich dazu zu lernen.
Vielen Dank - keine Ursache
'Hartelijk dank! - Geen dank!'
Schönes Wochenende - Ihnen auch 'Prettig weekeinde!
- Hetzelfde!'
Der Gebrauch von Routineformeln ist an bestimmte
soziale Situationen gebunden und wird abhängig vom Sprachniveau
und den Umgangsformen eingesetzt. Wenn man jemanden nicht verstanden
hat, kann man - abhängig von der Situation - aus verschiedenen
Routineformeln wählen, wie z.B. Wie bitte?, Was
haben Sie gesagt?, Wie?, Was? Wenn man jemandem
vorgestellt wird, gibt es auch allerlei Möglichkeiten, von
sehr formellen (Angenehm!, Schön, Sie kennenzulernen!,
Wie geht es Ihnen?) bis sehr informellen (Hallo!).
Es liegt an der Situation, welche Formulierung man wählt.
Gerade in informellen Situationen sind oft viele Variationen möglich.
Routineformeln können kulturspezifisch sein,
damit müssen Sie rechnen. Es hat wenig Sinn, jemandem in
den Niederlanden Hals und Beinbruch! zu wünschen,
also wörtlich nek en botbreuk! Eine solche Äußerung
würde nicht verstanden, und wenn sie verstanden würde,
würde sie als ausgesprochen unangenehm erfahren. In der entsprechenden
Situation wünscht man in den Niederlanden: Sterkte!,
wörtlich: Kraft!.
Routineformeln spielen auch in der geschriebenen Sprache eine große Rolle. Es gibt z.B. feste Routineformeln, mit denen man einen Brief beginnt oder abschließt: Sehr geehrte Damen und Herren, Mit freundlichen Grüßen, Hochachtungsvoll, und entsprechend: Geachte dames en heren!, Met vriendelijke groeten.
Routineformeln können auch Anweisungen an den
Leser enthalten, z.B. Nichtzutreffendes streichen.
Höflichkeitsfloskeln wie Bitte und Entschuldigung
(z.B. wenn man jemanden anredet, um nach dem Weg zu fragen) werden
im Deutschen häufiger als im Niederländischen verwendet.
Im folgenden finden Sie Beispiele für Routineformeln, geordnet
nach der Situation, in der man sie verwendet:
Danke (sehr)! 'bedankt!'
Vielen Dank! 'Hartelijk dank!'
Gern geschehen! / Keine Ursache! / Nichts zu danken! 'Graag gedaan!' / 'Geen dank!'.
Beachten Sie auch:
Nichts für ungut! (Entschuldigungsformel, 'ich habe es nicht böse gemeint'), 'Neemt u me niet kwalijk!'
Machen Sie sich keine Umstände! 'Doet U geen moeite!'
Senf oder Curry? (an der Wurstbude)
Tasse(n) oder Kännchen? (beim Kaffeebestellen)
Wieviel macht das? 'Hoeveel krijgt u?'
Ist hier noch frei? 'Is deze plaats nog vrij?',
(Personalwechsel,) die Fahrkarten, bitte! 'De plaatsbewijzen, alstublieft!',
Alles aussteigen! 'Iedereen uitstappen!'.
Herzlichen Glückwunsch! 'hartelijk gefeliciteerd!',
Gratuliere! (oft auch ironisch verwendet, dann jedoch meistens Na gratuliere!) 'gefeliciteerd!',
Frohe / schöne / gesegnete / fröhliche Weihnachten! 'Prettige Kerstdagen!', 'vrolijk kerstfeest!',
Ein glückliches neues Jahr! 'Gelukkig Nieuwjaar!',
Einen guten Rutsch! 'goed uiteinde!',
Glück auf! (Bergbau), (Aus naheliegenden Gründen in den Niederlanden nicht bekannt!)
Hals- und Beinbruch! (um jemandem Erfolg zu wünschen), 'Veel succes!',
Ich drücke / halte dir die Daumen! Auf diesen Wunsch kann dann noch folgen: toi, toi, toi!.
Das Äquivalent für das niederländische 'afkloppen' ist:
toi, toi, toi!
Meine Mitbewohner haben alle die Grippe, aber mich hat es bis jetzt nicht erwischt, toi, toi, toi!
Mit 'toi, toi, toi!' wird ursprünglich das dreifache Ausspucken nachgeahmt, das nach dem Volksglauben böse Geister abwehrt und Glück bringt.
Und beim Essen: Guten Appetit! (Gesegnete) Mahlzeit!,
'eet smakelijk!'.
Wenn jemand niest, wird in den Niederlanden nicht
so oft mit: Gesundheit! reagiert. Auch eine Sitte von Sprüchen
beim Zutrinken ist nicht so verbreitet. In den Niederlanden ist
eine Aufforderung, mit jemandem essen zu gehen, keineswegs eindeutig
eine Verpflichtung des Auffordernden, auch die Rechnung zu bezahlen.
Es ist viel eher üblich, daß jeder selbst zahlt.
Das niederländische Tot (weder)horens! ist wenig gebräuchlich. Telefongespräche haben keine spezielle Routineformel bei der Beendigung (wie "Auf Wiederhören!" im Deutschen), meist wird das allgemeine Gesprächsbeendigungssignal "tot ziens!" oder "dag!" bzw. tot+dem genauen Termin der nächsten Begegnung ("tot woesdag!") gebraucht.
Weitere Abschiedsformeln sind beispielsweise:
Machs gut! 'Het beste!',
Viel Spaß (noch)! 'nog veel plezier!',
(einen) schönen Tag/Abend (noch)!
(ein) schönes Wochenende! 'prettig weekeinde!',
Kommen Sie gut nach Hause! 'wel thuis!'.
Sprichwörter sind Äußerungen, die
eine allgemeine Lebensweisheit wiedergeben, und/oder eine bestimmte
"Moral". Beispiele von Sprichwörtern sind: Wer
Wind sät, wird Sturm ernten, Der Apfel fällt
nicht weit vom Stamm, und Der Spatz in der Hand ist besser
als die Taube auf dem Dach. Manche Sprichwörter haben
sich aus berühmten Texten entwickelt, aber nicht alle Zitate
entwickeln sich zu einem Sprichwort. Ein berühmtes Zitat,
das aus Goethes Torquato Tasso stammt, ist So fühlt
man Absicht, und man ist verstimmt. Der Ursprung von Sprichwörtern
ist nicht immer zu finden, oft ist die Quelle unbekannt.
Sprichwörter sind ganze Äußerungen,
genau wie Routineformeln. Sie sind mitunter elliptisch, wie Ende
gut, alles gut. Bestimmte formale Eigenschaften von Sprichwörtern
haben mit deren Wesen zu tun: Als allgemeingültige Lebensweisheiten
stehen Sprichwörter meist im Indikativ oder Imperativ Präsens.
Man soll den Bock nicht zum Gärtner machen, Wer
im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen, Mit großen
Herren ist nicht gut Kirschen essen.
Im Niederländischen gibt es einige Sprichwörter,
die es in ähnlicher Form im Deutschen gibt, aber man kann
sich meist nicht verständlich machen, wenn man einfach deutsche
Sprichwörter übersetzt. Wie het laatst lacht, lacht
het best 'Wer zuletzt lacht, lacht am besten', voor wat
hoort wat; eerst gedaan en dan bedacht, heeft menigeen
in 't leed gebracht; al te goed is buurmans gek.
Die Form von Sprichwörtern ist ziemlich unveränderbar.
Manchmal sind allerdings kleine lexikalische und syntaktische
Varianten möglich, aber sie ändern den Inhalt nicht.
Beispiele dafür im Niederländischen sind: wie de
naam heeft van vroeg op te staan, mag lang slapen/in bed blijven;
opgestaan plaats(je) vergaan und (een) groene Kerstmis
(maakt een) witte Pasen; als de katten van honk zijn, dansen
de muizen op tafel/toen de katten van honk waren, dansten de muizen
op tafel. Weiterhin findet man Sprichwörter, die bei
völliger inhaltlicher Äquivalenz eine sehr unterschiedliche
Bildsprache benutzen: oost west, thuis best und zoals
het klokje thuis tikt, tikt het nergens.
Sprichwörter und idiomatische Wendungen sind
beides lexikalische Einheiten. Sie haben gemeinsam, daß
man ihre Bedeutung nicht einfach aus den zusammengestellten Teilen
erschließen kann. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied
zwischen beiden Arten von lexikalischen Einheiten. Ein Sprichwort
ist eine komplette Äußerung, ein ganzer Satz, an dem
nichts geändert werden kann. Eine idiomatische Redewendung
dagegen muß in einen Satz eingebettet werden. Idiomatische
Wendungen sind keine kompletten Sätze, sie fungieren als
Satzteil (als Nominalphrase, als Verbalphrase, als Präpositionalphrase
usw.). Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm ist ein
Sprichwort. Mann kann nicht sagen *Jan fällt nicht weit
vom Stamm (in der Bedeutung "er gleicht seinem Vater").
In Egon und Erna leben wie Hund und Katze ist leben
wie Hund und Katze eine idiomatische Wendung. Man kann nicht
sagen: *Erna und Egon leben als Katze und Hund, weil leben
wie Hund und Katze eine feste idiomatische Wendung ist, aber
man kann natürlich das Subjekt des Satzes ändern, oder
auch die Form des Verbs. Interessant an diesem idiomatischen Ausdruck
ist auch, daß im Niederländischen genau die umgekehrte
Reihenfolge nötig ist: leven als kat en hond.
Niederländische und deutsche Sprichwörter
sind einander oft sehr ähnlich. Es gibt aber kleine Unterschiede
z.B.in:
Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, ist im Niederländischen: 'Wie een kuil graaft voor een ander, valt er zelf in'.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Ndl.: 'De appel
valt niet ver van de boom'.
Neben Gruppen von Wörtern und ganzen Sätzen
können auch größere Texteinheiten eine lexikalische
Einheit bilden. Es geht dann um Texte oder Textfragmente, die
eine festgelegte Form haben und die durch die Sprachbenutzer als
Gesamtes im Gedächtnis behalten werden. Darunter fällt
z.B. das Gebet "Vater unser", fallen Kinderlieder, aber
auch literarische Texte. Die niederländische Entsprechung
zu dem bekannten deutschen Kinderlied hat einen ähnlichen
Bekanntheitsgrad, enthält aber keine Drohungen an das Kind:
slaap kindje slaap
daar buiten loopt een schaap
een schaap met witte voetjes
die drinkt zijn melk zo zoetjes
slaap kindje slaap
daar buiten loopt een schaap.
Wenn es um Texte und Textfragmente geht, die zum allgemeinen Sprachgrundstock gehören, kann man z.B. denken an Kinder- und Weihnachtslieder (Stille Nacht, heilige Nacht).
Wichtig ist, daß in Texten Bezug genommen werden
kann auf andere Texte, durch bestimmte Zitate und Anspielungen
werden diese sozusagen abgerufen. Hinter einem solchen Zitat kann
dann eine ganze Menge stecken. Es können für die geplante
Wirkung besonders wichtige Konnotationen ins Spiel kommen, weil
aus dem kulturellen Gedächtnis geschöpft wird. Im "neuen"
Text kann solche Intertextualität ganz unterschiedliche Funktionen
haben. Selbstverständlich kann man nicht alle Texte, die
Sprechern aus der entsprechenden Sprachgemeinschaft bekannt sind,
parat haben. Je mehr man liest, und je mehr man über Geschichte
und Kultur eines Landes weiß, desto eher ist man in der
Lage, solche Zitate und Anspielungen wiederzuerkennen. Wichtig
ist aber auf jeden Fall, darauf bedacht zu sein, daß bestimmte
Wendungen Zitatcharakter haben können.
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Wenn man eine lexikalische Einheit lernt, muß
man auch ihre formalen Merkmale lernen. Das bedeutet, man muß
wissen, wie diese Einheit ausgesprochen wird und wie sie geschrieben
wird. Einige lexikalische Einheiten können auf verschiedene
Weisen ausgesprochen werden, und einige lexikalische Einheiten
können auch auf mehr als eine Weise geschrieben werden. Wenn
eine lexikalische Einheit verschieden ausgesprochen und verschieden
geschrieben werden kann, gibt es Formvariationen bei dieser lexikalischen
Einheit.
Es ist selbstverständlich, daß es sehr
nützlich ist, die Aussprache von Wörtern, die man lernt,
zu kennen. Wenn Sie neue Wörter lernen, schreiben Sie sich
dann die Aussprache dazu, wenn diese Aussprache von der Aussprache
abweicht, die sie selbst erwartet hätten.
Es gibt Aussprachevariationen von Person zu Person
und, strikt genommen, sogar von Äußerung zu Äußerung.
Kleinere und größere Aussprachevarianten können
oft mit geographischen oder sozialen Faktoren in Zusammenhang
gebracht werden. Ein Benutzer der Sprache kann sich bewußt
für eine bestimmte Aussprache entscheiden, um sich als ein
Mitglied einer bestimmten sozialen Gruppe zu profilieren. Die
bekannteste Aussprachevariation im Niederländischen ist die
des "zachte g", das die Sprecher als Flamen oder Südniederländer
kenntlich macht.
Wenn wir anfangen würden, so zu schreiben wie
wir sprechen, würde ein Chaos in der Rechtschreibung entstehen.
Die Schreibung des Deutschen durch einen Bayern und einen Friesen
hätten dann kaum noch etwas gemeinsam. Selbst wenn beide
meinen, Hochdeutsch zu sprechen, gibt es noch erhebliche Unterschiede
in ihrer Aussprache, die auf die Schreibung durchschlagen würden.
Außerdem ist es so, daß die Aussprache verschiedener
Laute abhängig ist von der Umgebung, in der sie stehen. Man
nennt dieses Phänomen Assimilation. In der Schreibung versuchen
wir, so nach Regeln vorzugehen, daß jeder die gleiche Schreibung
derselben Wörter benutzt, und daß die einzelnen Morpheme
auch bei unterschiedlicher Schreibung in der Schrift wiedererkannt
werden können. Ein Problem beim Lernen der Schreibung des
Niederländischen für Deutsche ist, daß hier nicht
dasselbe Morphem in verschiedenen Umgebungen gleich geschrieben
wird, weil die Regelung zur Markierung von Länge bzw. Kürze
des Vokals das verhindert.
Die kleinste Einheit der Lautung, die Bedeutung unterscheidet,
heißt Phonem. Aus dem Unterschied zwischen Tuch und
Buch sieht man, daß t und b verschiedene
Phoneme sind im Deutschen. Nicht jedes Phonem entspricht einem
Graphem. Wir haben im Deutschen z.B. für das Phonem des langen
/i:/ verschiedene Schreibungen, nämlich ie, ih
und i. Im Niederländischen ist die Rechtschreibung
erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts geregelt. Seit 1996 gibt
es allerdings im Van Dale eine Angabe der offiziellen Schreibung.
Die niederländische Rechtschreibung ist relativ einfach. Im Vergleich etwa zum Englischen oder Französischen schreibt man weitgehend wie man spricht. Da, wo die Rechtschreibung abweicht vom Gesprochenen gibt es ein recht logisches und nahezu konsequentes Regelsystem. Die deutsche Rechtbschreibung führt auf ein semantisch-orientiertes System zurück, in dem die Etymologie noch eine wichtige Rolle spielt, während die niederländische Rechtschreibung weitgehend in ein morphologisches System umstrukturiert wurde.
In das Tal spricht der Deutsche das erste 'a' kurz und das zweite 'a' lang. Das muss man lernen. Ebenso wie in du (kurz) rufst (lang). Es gibt auch Regeln wie in Wohnboot. Das erste 'o' wird wegen des Dehnungs-h lang gesprochen, das doppelte 'o' wird grundsätzlich lang gesprochen.. In Deckbett werden beide e's kurz gesprochen aufgrund des ck und des doppelten Konsonants am Ende des Wortes.
Die Regeln für die Schreibweise bzw. Aussprache bei a/aa, e/ee, o/oo und u/uu sowie teilweise für i/ie sind im Niederländischen einfacher definiert. Erstens gibt es kaum einen Unterschied zwischen der Länge der Vokale: man und maan werden in etwa gleich lang gesprochen. Man unterscheidet bei den Vokalen sog. offene (man) und geschlossene (maan) Vokale, bzw. 'dunkle' oder 'helle' Vokale.
In geschlossenen Silben werden die Vokale a, e, o, u und i wenn sie dunkel gesprochen werden nur mit einem Vokal geschrieben: man, fles, bot, dun, strip, usw. (bei morphologischen Änderungen wie bei der Bildung von Plural, Adjektiv, usw. werden die Konsonanten verdoppelt: mannen, flessen, botte, dunne, strippen). Handelt es sich bei geschlossenen Silben um helle Vokale werden zwei Vokale geschrieben: maan, vlees, boot, riet, usw. In offenen Silben schreibt man die hellen Vokale mit nur einem Zeichen: ma-nen, vle-zig, bo-ten, du-re, po-li-tiek, usw.
Ausnahmen gibt es immer. Das o wird vor -ch immer verdoppelt: goochelaar. Das helle e wird am Ende eines Wortes doppelt geschrieben: twee, zee, mee, usw. Das u wird vor w immer hell gesprochen: schaduw, usw.
In Bezug auf die Diphthonge ei/ij und au/ou
bestimmt das etymologische Prinzip weiterhin die Rechtschreibregel.
Deutsche Verben mit ei werden im Niederländischen
fast ausschließlich mit ij gebildet (rijden, schijnen,
usw.). Ein paar Grundregeln in Bezug auf die Konsonanten: Am Ende
einer Silbe oder eines Wortes steht nie ein doppelter Konsonant
oder ein 'v' oder 'z'.
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Jede Sprache bekommt pro Jahr Tausende neue Wörter. Akzeptierte neue Wörter nennt man auch Neologismen. Neologismen entstehen aus:
- Bestehenden Elementen in dieser Sprache durch sog. Wortbildungsprozesse. Hausfrau ist entstanden aus dem Kombinieren von Haus und Frau, Arbeiter aus dem Anhängen des Suffixes -er an den Stamm Arbeit, GmbH durch das Abkürzen von Gesellschaft mit beschränkter Haftung.
- Andere Sprachen: die Wörter Computer und Aerobic hat das Deutsche aus der englischen Sprache übernmommen, das Wort Mannequin ist aus dem Französischen übernommen worden. Das Wort Wolkenkratzer ist eine Lehnübersetzung -das bedeutet eine wortwörtliche Übersetzung- des Englischen scyscraper.
- (Seltener) Geräusche: wau wau ahmt
das Geräusch, das ein Hund macht, nach, kikeriki das
Geräusch des Hahns. Solche Nachahmungen des Klangs nennt
man onomatopoethische Wörter.
Einfache Wörter sind Wörter, die nicht
aus kleineren Teilen zusammengesetzt sind, wie z.B. Stuhl
und Himmel. Zusammengesetzte Wörter demgegenüber
können in kleinere Teile zerlegt werden. Das sieht man z.B.
bei Nachtisch (Nach + Tisch) oder bei Lehrerin
(Lehr + er + in). Manchmal gibt es auch Wörter, die zunächst
wie ein zusammengesetztes Wort aussehen, aber doch heute nicht
mehr so erlebt werden, z.B. Wörter wie erfahren oder
Himbeere. Der Teil Him existiert nicht mehr als
ein Einzelwort, er kommt sogar nicht in anderen Wörtern vor.
Bei erfahren ist es so, daß wir keine Beziehung zu
fahren mehr sehen. Es kommt sehr selten vor, daß
neue Simplicia entstehen. Neue zusammengesetzte Wörter aus
bereits bestehenden Teilen werden häufiger gebildet.
Im allgemeinen werden die folgenden Arten von Wortbildung unterschieden:
- Komposition (Zusammensetzung): Zwei oder mehr Wörter, die alle selbständig vorkommen können, werden zu einem neuen Wort wie in Hausfrau, Butterberg, Garagentür, Motorrad, Gartenstuhl, Dreikäsehoch und Tunichtgut.
- Deviration (Ableitung): Ein Element, das nicht selbständig vorkommen kann, wird mit einem Element verbunden, das selbständig vorkommen kann, so daß eine neue lexikalische Einheit entsteht. Beispiele sind Bettler auf der Basis von bett(eln) und -er oder Schönheit auf der Basis schön und -heit.
- Konversion: Die grammatikalische Kategorie von einem Wort ändert sich, ohne das ein Suffix hinzugefügt wird, etwa in das Sprechen, das von dem Verb sprechen abgeleitet ist, oder in fischen, das nur mit der Infinitivendung, die keine Wortbildungsendung ist, von Fisch abgeleitet ist.
- Reduktion: Durch Abkürzungen entsteht eine neue Lexikon-Einheit, wie etwa Auto, Sozi, ADAC.
- Wortverschmelzungen wie in Infotainment (Information plus entertainment). Dieses Phänomen ist eher selten.
Neben der Wortbildung gibt es noch die Flexion. Bei
der Flexion werden nicht neue Wörter gebildet, sondern aus
bestehenden Wörtern werden deren grammatische Formen gebildet.
Beispiele wären die Pluralbildung Kind - Kinder,
die Kasusbildung Kind, Kindes, Kinde, Kindern und die Tempusformen
des Verbs singen, sang, gesungen.
Es ist wichtig, Wortbildungsprozesse zu kennen. Die
Bedeutung vieler zusammengesetzter Wörter kann man aus ihren
kleineren, bedeutungstragenden Elementen erschließen. Wenn
man ein zusammengesetztes Wort nicht kennt, kann es oft helfen,
dieses Wort zu analysieren. Oft ist es so, daß man ein Teil
des Wortes kennt. Angenommen, sie treffen auf das niederländische
Wort tensimeter. Ohne in ein Wörterbuch zu sehen,
wird man auf die Idee kommen, daß es hier um eine Art Meßinstrument
geht, was der Teil meter nahelegt. Vielleicht wird sogar
in tensi das englische oder französische Wort tension
(= Spannung) erkannt.Es geht offensichtlich um ein Meßinstrument,
das eine bestimmte Art von Spannung mißt. Im Groot Woordenboek
der Nederlandse Taal wird tensimeter definiert als:
"toestel voor het meten van water- of vochtspanning".
Man kann seine Kenntnis über Wortbildung auch dazu gebrauchen, selbst neue Wörter zu bilden. Das erweitert den Wortschatz ganz erheblich. Wenn man weiß, daß im Niederländischen -es ein häufiges Suffix ist, das an ein Nomen angefügt dessen weibliche Form bildet, dann kann man selbst weibliche Formen von Wörtern bilden. Wenn man also die Wörter schilderes, dichteres, lerares, meesteres kennt, dann kann man auch Wörter bilden wie dokteres und denkeres. Natürlich kann es einem passieren, daß derartige Wörter im Niederländischen nicht verbreitet sind, sie sind aber im Normalfall verständlich. Generell ist es zwar so, daß im Niederländischen weniger Wortbildungen als im Deutschen vorkommen, es wird eher das Gemeinte in Sätzen (oder Teilen davon) ausgedrückt, aber Ableitungen sind doch recht produktiv, es gibt vor allem weniger Komposita. Im Deutschen würde man z.B. Großstadt sagen, im Niederländischen aber grote stad.
Prozesse der Wortbildung ermöglichen uns einerseits,
neue Wörter zu bilden, d.h. durch produktive, heute noch
wirksame Wortbildungsprozesse sind wir imstande, Wörter für
neue Sachverhalte oder Gegenstände zu konstruieren: der
Kummerspeck, das Fernweh, die Entwarnung. Andererseits
ist hier auch der umgekehrte Weg möglich: Durch die Analyse
mehrgliedriger Wörter kann zumindest zum Teil aus der Bedeutung
der zusammensetzenden Teile auf die Bedeutung des Ganzen geschlossen
werden. Bei der Bedeutungserklärung eines Wortes muß
man sich allerdings vorsehen: Ein Automotor ist 'der Motor
eines Autos', aber eine Autobiografie ist nicht 'die Biografie
eines Autos'. Man soll also immer den Kontext beachten!
Wenn zwei oder mehr Wörter miteinander verbunden werden zu einem neuen Wort, nennt man das ein Kompositum. Beispiele von niederländischen Komposita sind huisdeur, busstation, tuinstoel, postcode, inkomstenbelasting, badkamer en computer-handleiding.
Gerade im Niederländischen werden zusammengesetzte Wörter nicht immer zusammen geschrieben. Die einzelnen Teile können auch durch einen Bindestrich verbunden werden: sociaal-economisch, oud-leerling, hockey-elftal.
Generell ist zu sagen, daß das Niederländische
erheblich weniger Komposita bildet als das Deutsche. Der berühmte
Donaudampfschiffahrtskapitän wäre im Niederländischen
nicht möglich.
Im Niederländischen bestehen Komposita meistens
aus zwei Substantiven und sind selbst auch wieder Substantive.
Komposita wie kerkbank, muziekstuk und windscherm
gehören zu der häufigsten Art von Komposita. Aber nicht
alle zusammengesetzten Substantive sind aus zwei Substantiven
entstanden. Wörter wie platteland und hogeschool sind aus einem Adjektiv und einem Substantiv
entstanden. Neben zusammengesetzten Substantiven gibt es auch
zusammengesetzte Adjektive, wie etwa milieuvriendelijk
'umweltfreundlich', vrouwvijandig 'frauenfeindlich' und
zusammengesetzte Verben, wie stofzuigen 'staubsaugen'
und beeldhouwen 'bildhauen'.
Die Bedeutung von Komposita ist teilweise aus den Elementen zu schließen: Eine Haustür ist die Tür von einem Haus, ein Gartenstuhl ist ein Stuhl für den Gebrauch im Garten usw. Nicht alles ist jedoch aus den Teilen zu erschließen, so ist z.B. nicht jeder Stuhl, der zufällig einmal im Garten steht, deswegen schon ein Gartenstuhl.
Im Niederländischen steht der Kern (das ist
der regierende Teil des Kompositums) von einem Kompositum rechts
von seinem Kompliment. In diesem Punkt unterscheidet sich das
Niederländische nicht vom Deutschen. Der Unterschied zwischen
Hausfrau/huisvrouw und Frauenhaus/vrouwenhuis ist,
daß eine huisvrouw eine Frau ist, und daß ein
vrouwenhuis ein Haus. Nicht alle Komposita sind durchsichtig,
das ist im Deutschen so wie im Niederländischen. Ein Beispiel
für ein nicht durchsichtiges Kompositum wäre etwa Putzfrau.
Es ist ja keineswegs so, daß jede Frau, die gerade putzt,
deswegen eine Putzfrau wäre. Putzfrau nennt
man nur Frauen, die gegen Bezahlung in anderleuts Haushalt putzen.
In Wörterbüchern stehen, wenn sie konsequent sind, nur
diejenigen Komposita, deren Bedeutung sich nicht eindeutig aus
den Teilen erschließen läßt. Es ist unnötig,
andere Komposita aufzunehmen.
Wenn ein Wort, das selbständig vorkommen kann, mit einem Element, das nicht selbständig vorkommen kann, so kombiniert wird, daß eine neue lexikalische Einheit entsteht, nennt dieses Phänomen "Ableitung". Die Elemente, die nicht selbständig vorkommen können, nennt man Affixe. Affixe kann man einteilen in:
Präfixe oder Vorsilben, die vor einem selbständig vorkommenden Wort auftreten, und die Bedeutung davon verändern, wie z.B. un- in ungeschickt und unerfahren.
Suffixe oder Nachsilben, die hinter das selbständige Wort treten, wie z.B. -ig in rostig oder -ung in Versicherung.
Präfixe ändern die Wortart nicht, während Suffixe die Wortart des Wortes, an das sie angefügt werden, ändern können.
Die Phänomene der Präfigierung und Suffigierung sind im Deutschen und im Niederländischen parallel. Selbstverständlich gibt es in den einzelnen Sprachen verschiedene Präfixe und Suffixe.
Ein besonderes Phänomen im Niederländischen sind die Verkleinerungswörter. Im Niederländischen ist es sehr viel mehr üblich als im Deutschen, Verkleinerungswörter zu gebrauchen. Das häufigste Verkleinerungs-Suffix ist -je. Besonders praktisch am Gebrauch des Suffixes ist für Lerner, daß das Suffix, wie alle anderen Substantiv-Suffixe, das Genus des jeweiligen Wortes festlegen. Alle Wörter auf -je sind het-Wörter.
Im Niederländischen gibt es wie im Deutschen
trennbare Verb-Präfixe. Vergleichen Sie Sie will umsteigen
mit Sie steigt um. Diese abgeleiteten Verben haben in ihren
finiten Formen den Verbstamm an der zweiten Stelle des Satzes,
aber das Präfix am Satzende. Im Niederländischen wäre
das entsprechende Beispiel Ze wil overstappen bzw. Ze
stapt over.
Wenn man ein Wortbildungsmuster ohne nennenswerte Beschränkungen gebrauchen kann, nennt man es ein produktives Wortbildungsmuster. Ein Beispiel für ein produktives Wortbildungsmuster im Niederländischen ist die Kombination eines Verbstamms mit dem Suffix -baar. Mit diesem Verfahren sind unter anderem folgende Wörter gebildet:
aanneembaar, bespreekbaar, breekbaar, maakbaar, bruikbaar und denkbaar.
Aufgrund dieses Wortbildungsmusters werden im Niederländischen
stets neue Wörter gebildet, z.B. das relativ neue studeerbaar.
Ein Stamm, an dem ein Affix angefügt wird, kann
selbst das Produkt von einem Wortbildungsprozeß sein. Das
sehen wir an den niederländischen Beispielen onderwijzeres
und brandverzekering. Man kann auch mehrere Affixe an ein
und denselben Stamm anfügen, wie in ontoegankelijk
und bebossing.
Affixe sind Elemente, die mehr oder weniger Bedeutung tragen, sie ändern die Bedeutung ihres Stamms, und ihre Bedeutung ist meist in Wörterbüchern zu finden. Es ist sehr nützlich, die Bedeutung der häufigsten Affixe zu kennen, weil man so die Bedeutung eines unbekannten abgeleiteten Worts erraten kann.
Außerdem hat man einen erheblich größeren Wortschatz, wenn man selbst einige häufige Affixe kennt und benutzt. Im folgenden Ausschnitt aus einer Geschichte aus der Volkskrant vom 30. Oktober 1979 verwendet der Autor seine Kenntnis von Ableitungsmustern, um neue Wörter zu bilden.
Mijn grootste genoegen is het roken van twee sigaren
op de eerste zaterdagmorgen van iedere maand (
). Als op
het terras enige wind staat, is het aansteken van de sigaren onmogelijk
(
). Het leven van een Sigarist is dus nogal ingewikkeld
(
). Velen vinden in deze verwarrende wereld hun houvast
in het Christendom of in het televisievoetbal. Mijn eigen grootste
houvast is het Sigarisme.
Verschiedene Ableitungen vom selben Stamm formen
zusammen eine morphologische Wortfamilie. So gehören die
Wörter nationaal, nationalisatie, nationaliseren,
nationalisering, nationalisme, nationalist,
nationalistisch en nationaliteit alle zu derselben
morphologischen Wortfamilie. Neben morphologischen Wortfamilien
gibt es auch sog. Wortfelder, etwa wären Bruder und
Schwester Elemente desselben semantischen Wortfelds. In
diesem Fall hilft uns allerdings die Kenntnis von Ableitungselementen
nicht weiter.
Flexion nennen wir die Bildung von verschiedenen grammatischen Formen von ein und derselben lexikalischen Einheit. Deklination und Konjugation fallen unter Flexion, die nicht selbständig vorkommenden Elemente dabei nennt man Flexions-Affixe. Beispiele von Flexions-Affixen im Niederländischen sind (die Affixe sind fett gedruckt): babbelen: babbelt, babbelde, gebabbeld, etc.; kind: kinderen; blij: blije, blijer, etc.
Auch die Produkte von Wortbildungsprozessen können
flektiert werden. Wie im Deutschen können gelegentlich die
Flexionselemente zwischen trennbare Verbpräfixe und den Stamm
treten, vgl. angerufen bzw. opgebeld.
Neue Wörter können auch durch Reduktionen
entstehen. Das bedeutet, daß bestehende lexikalische Einheiten
abgekürzt werden. Es gibt verschiedene Arten von Abkürzungen.
Es gibt Abkürzungen, die nur in der geschriebenen
Sprache vorkommen, wie z.B. im Niederländischen p.,
was für pagina steht, oder bijv., was für
bijvoorbeeld steht. Die Wörter werden hier auf ein
oder mehrere Buchstaben gekürzt. Beim Vorlesen werden sie
immer als das ganze Wort ausgesprochen.
Abkürzungen und Abkürzungswörter bestehen aus Buchstaben und/oder Teilen von Wörtern. Folgende Typen lassen sich unterscheiden, wobei man bedenken sollte, daß es auch Übergangsformen geben kann. Es handelt sich zum Teil um sehr produktive Muster. Bei Abkürzungen handelt es sich meist um schriftliche Symbole wie km/h für Stundenkilometer oder S. für Seite. Die Ausssprache ist die der längeren Form. Daneben gibt es Abkürzungswörter, die sich aus Buchstaben zusammensetzen. Sie haben eine eigene Aussprache: LKW für Lastkraftwagen, EDV für elektronische Datenverarbeitung oder FAZ für Frankfurter Allgemeine Zeitung. Eine weitere Variante stellen die Silbenwörter dar. Diese setzen sich nicht aus einzelnen Buchstaben, sondern aus (Teilen von) Silben zusammen: der Azubi für der Auszubildende, die Kripo für die Kriminalpolizei, die Gestapo für die Geheime Staatspolizei, das Mofa für das Motorfahrrad und die Jusos für die Jungsozialisten. Die sehr verbreiteten Bildungen auf -i kürzen oft, aber nicht immer, ab: Chauvi, der Ossi, der Wessi, der Fundi.
Schlieblich gibt es dann noch die als Wort ausgesprochene Buchstabenwörter, die sogenannten Akronyme wie die TAZ für die Tageszeitung, das BAFöG für das Bildungsförderungsgesetz, DIN A4 für Deutsche Industrie-Norm.
Beispiele für niederländische Abkürzungen
aus den Anfangsbuchstaben wären IQ (intelligentie
quotient), pc (personal computer), VN (Verenigde
Naties). Im Niederländischen werden diese Wörter aus
Anfangsbuchstaben der Wörter sehr selten mit Punkten dazwischen
geschrieben. Die Aussprache wechselt. Wie im Deutschen kommt es
vor, daß die einzelnen Buchstaben ausgesprochen werden (PLO,
ANC, ING), daß sie als ganzes Wort ausgesprochen werden
(NAVO, OPEC, AIDS, UNESCO) oder sogar als eine gemischte
Form wie in SFOR.
Einige (meistens lange) Wörter werden so abgekürzt, daß weniger Silben übrigbleiben. Wörter werden um einzelne Laute oder Silben zu Kurzwörtern reduziert. Sie entstehen vor allem in Technik und Wissenschaft, aber auch etwa in der Jugendsprache. Diese Reduktion kann im Grunde sowohl den Anfang eines Wortes, als auch das Ende eines Wortes übriglassen. Beispiele für Kopfformen sind etwa: das Super (aus: das Superbenzin); das Kilo statt das Kilogramm; die Uni statt die Universität; die Demo statt die Demonstration. Beispiele für Endformen sind etwa: die Bahn statt die Eisenbahn; das Rad statt das Fahrrad; der Schirm statt der Regenschirm. Bei driegliedrigen Wörtern kann auch der mittlere Teil ausfallen: Fernamt statt Fernsprechamt, Ölzweig statt Ölbaumzweig.
Niederländische Beispiele wären homo,
lab, fax, disco, depri, refo, kombi. Diese Abkürzungen
werden normalerweise nur in informellen Situationen gebraucht,
aber wie im Deutschen auch haben einige, z.B. Disco und
Fax in den allgemeinen Sprachgebrauch vordringen können.
Einige Abkürzungswörter werden im allgemeinen
Sprachgebrauch nicht mehr als Abkürzungswörter wahrgenommen.
Im Niederländischen wären Beispiele dafür laser,
radar, sonar, dia, modem. Diese Wörter sind Akronyme,
aber man bemerkt es höchstens noch daran, daß sie ein
-s als Pluralendung haben.
Abkürzungen für Länder, Internationale
Organisationen oder internationale Begriffe können von Sprache
zu Sprache verschieden sein. Beispiele:
| Niederländisch | Englisch | Französisch | Deutsch |
| NAVO | NATO | OTAN | NATO |
| OESO | OECD | OCDE | OECD |
| VS | USA | E.-U. | USA |
| Aids | AIDS | Sida | Aids |
| EG | EC | CE | EG |
Bei der Konversion handelt es sich um die Verwendung von Wörtern oder Wortformen in einer anderen Wortart als der üblichen, und zwar ohne zusätzliche Mittel. Das Verb wohnen läbt sich Substantiv verwenden: das Wohnen. Das Adjektiv unbewubt läbt sich ebenfalls substantivieren: das Unbewubte. Bei Substantivierung von Verben oder Adjektiven und bei Adjektivierung von Substantiven liegt selbstverständlich eine Formveränderung in der Schrift vor, nämlich Groß- bzw. Kleinschreibung. Grundsätzlich können Wörter aus allen Wortarten substantiviert werden. Es gibt allerdings Unterschiede in der Häufigkeit.
Auch im Niederländischen gibt es Konversionen.
Es gibt sowohl Verben, die als Substantive gebraucht werden können,
z.B. het werken, als auch Adjektive, die als Substantive
gebraucht werden, het goede.
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Wenn man die Bedeutung einer lexikalischen Einheit in einer anderen
Sprache lernen will, dann reicht die Übersetzung ins Deutsche
häufig nicht. Auch wenn im Fremdsprachenunterricht noch oft
mit zweisprachigen Wortlisten gearbeitet wird, in denen man z.B.
sieht, daß deutsch Garten im Niederländischen
tuin bedeutet, ist es doch so, daß große Teile
der Lexikoneinheiten nicht in einem 1:1-Verhältnis zueinander
stehen. Der Wortschatz einer Sprache teilt die Wirklichkeit auf
eine bestimmte Art und Weise ein. Die Wirklichkeit ist so komplex,
daß verschiedene Arten möglich sind, sie einzuteilen,
und es ist nie der Fall, daß zwei Sprachen im Ganzen dieselbe
Art haben, die Wirklichkeit einzuteilen. Angenommen, Sie lernen,
daß das Deutsche lernen im Niederländischen
leren heißt, dann erfahren Sie nicht den wirklichen
Bedeutungsumfang von leren. Dem Niederländischen leren
entspricht nämlich keineswegs nur lernen, sondern
auch lehren. Ein anderes berühmtes Beispiel ist die
Einteilung von Flüssen im Deutschen und Französischen.
Im Deutschen teilen wir Flußläufe ein in breite und
weniger breite. Die weniger breiten heißen Fluß,
die sehr breiten Strom. Im Französischen heißen
diejenigen, die ins Meer fließen fleuve, diejenigen,
die in andere Flüsse fließen, heißen rivière.
Zweisprachige Wortlisten beachten oft nicht die Tatsache, daß verschiedene Sprachen die Wirklichkeit in verschiedener Weise einteilen. Wenn man die Bedeutung von einem lexikalischen Element lernen will, muß man versuchen, dieses lexikalische Element mit anderen lexikalischen Elementen aus der entsprechenden Sprache, die man schon kennt, zu verbinden. Das kann auf verschiedene Weisen geschehen, z.B. dadurch, daß man auf paradigmatische und syntagmatische Beziehungen achtet. Paradigmatische Beziehungen sind die Bedeutungsbeziehungen zwischen lexikalischen Einheiten derselben Wortart, die zum selben Bedeutungsfeld gehören, z.B. zwischen Unterricht, Ausbildung, Lehre usw. oder zwischen den Wörtern für die menschlichen Körperteile. Syntagmatische Bedeutungsrelationen sind Bedeutungsrelationen zwischen Wörtern, die oft miteinander vorkommen, z.B. Hund und bellen oder Toter und begraben. Wenn man eine neue Sprache lernt, stellt man fest, daß die Wörter im System der anderen Wörter in dieser Sprache anders organisiert sind, das System ist anders als in der Muttersprache.
Es gibt verschiedene Methoden, die Bedeutung einer
lexikalischen Einheit anzugeben, alle sind nicht hundertprozentig
ideal. Neben den nicht ungefährlichen Übersetzungen
kann man Illustrationen benutzen (Bildwörterbücher,
CD-Roms oder Definitionen in einsprachigen Wörterbüchern).
Wenn man Bedeutungen von Wörtern lernt, muß
man damit rechnen, daß Wörter mehr als eine Bedeutung
haben können. Sie können eine kulturspezifische Bedeutung
haben, und sie können neben ihrer eigentlichen Bedeutung
auch eine Konnotation haben, die in der Muttersprache nicht existiert.
Es ist wichtig, den Unterschied zu kennen zwischen
zwei Arten von Wörtern: Inhaltswörtern (auch "lexikalische
Wörter" genannt) und Funktionswörtern (auch "grammatische
Wörter" genannt). Inhaltswörter sind Wörter
wie Haus, denken, schön, ärgerlich, Computer
usw. Sie haben eine klare Bedeutung. Funktionswörter sind
Wörter wie der, die, das, ein, zu, von usw. Sie haben
eher eine grammatische Funktion als eine Bedeutung. Es ist deswegen
sehr viel leichter, die Bedeutung von Inhaltswörtern zu beschreiben
als die Bedeutung von Funktionswörtern.
Eine Definition ist ein Versuch, die Bedeutung einer
lexikalischen Einheit wiederzugeben. Einsprachige Wörterbücher
geben meistens Definitionen durch Synonyme und eine analytische
Beschreibung der aufgenommen Wörter. In einer Synonymendefinition
wird die Bedeutung von einer lexikalischen Einheit dadurch beschrieben,
daß man ein Synonym angibt. Ein Beispiel für eine Synonym-Definition
wäre etwa, wenn sie für Nomen Substantiv
angeben würden. Ein Beispiel für eine analytische Definition
wäre die folgende für Tequila: mexikanischer Schnaps,
der aus dem vergorenen Saft einer Kaktusart gewonnen wird.
Analytische Definitionen sind oft genauer als Synonymen-Definitionen,
weil wir wenige vollständige Synonyme haben in der Sprache.
Ein Sonderfall der analytischen Definition ist die morpho-semantische
Definition. Bei dieser Art von Definition wird der zentrale Teil
des zu definierenden Wortes in der eigentlichen Definition wieder
aufgenommen. Ein Beispiel dafür wäre die Definition
von ausmisten: "den Mist aus einem Stall
entfernen". Der Umfang der Information in einer analytischen
Definition ist abhängig vom Umfang, vom Ziel und von der
Zielgruppe des Wörterbuchs. In einem enzyklopädischen
Wörterbuch sind die Definitionen umfangreicher, weil auch
Kenntnis über die Welt vermittelt wird, in einem linguistischen
Wörterbuch geht es mehr um sprachliche Besonderheiten des
nachzuschlagenden Worts, z.B. über den Gebrauch im Satz.
In jeder Sprache ist es schwer, zwei lexikalische
Einheiten zu finden, die genau dasselbe bedeuten; es gibt immer
irgendeinen Unterschied. Es ist oft noch schwieriger, für
eine lexikalische Einheit ein gutes Äquivalent in einer anderen
Sprache zu finden. Man muß sich als Sprachenlerner damit
abfinden, daß es nicht immer möglich ist, ein Wort
in der zu lernenden Sprache zu verbinden mit einem Wort in der
Muttersprache. Zwischen lexikalischen Einheiten in verschiedenen
Sprachen gibt es verschiedene Arten von Äquivalenzbeziehungen.
Manchmal gibt es völlige Übereinstimmung, aber oft gibt
es nur teilweise Übereinstimmung. Für einzelne Wörter
ist überhaupt kein Äquivalent zu finden in der anderen
Sprache.
Gut Beispiele für Wörter mit völliger
Übereinstimmung in der einen und der anderen Sprache wären
die Tage der Woche im Deutschen und im Niederländischen.
Auch die Obst- und Gemüsebezeichnungen oder geographischen
Namen sind Wörter mit völliger Übereinstimmung
in den beiden Sprachen. Auch bei Zahlen besteht diese Übereinstimmung.
Man kann sich aber selbst bei einigen scheinbar ganz deutlich
übereinstimmenden Wörtern fragen, ob sie wirklich vollkommen
übereinstimmen. Wenn man das deutsche Weihnachten
mit dem niederländischen Kerstmis vergleicht, dann
stellt man fest, daß die beiden Wörter verschiedene
Konnotationen haben. Was den Austausch von Geschenken betrifft,
so entspräche ja dem Deutschen Weihnachten viel eher das
Niederländische Nikolaus, Sinterklaas.
Man spricht von teilweiser Übereinstimmung z.B. in folgendem Fall: eine lexikalische Einheit B hat eine oder mehr Bedeutungen, während eine lexikalische Einheit A in einer anderen Sprache dieselbe Bedeutung oder dieselben Bedeutungen hat, aber zusätzlich noch weitere. Z.B. ist das deutsche Wort Kippe zu übersetzen mit dem niederländischen Wort peuk in der Bedeutung "Mundstück einer Zigarette". Neben dieser Bedeutung hat das deutsche Wort aber noch die Bedeutung des Müllabladeplatzes, eine Bedeutung, die das niederländische peuk nicht hat, sondern in diesem Fall wäre Kippe mit stort(plaats) zu übersetzen. Natürlich existiert auch das andere Phänomen, daß das niederländische Wort den größeren Bedeutungsumfang hat. Ein Beispiel dafür wäre der Unterschied zwischen Niederländisch nicht und Nichte. Mit beiden Wörtern wird die Tochter des Bruders oder der Schwester bezeichnet, aber im Niederländischen wird mit nicht auch die Tochter eines Onkels oder einer Tante bezeichnet, also deutsch Cousine. Außerdem wird mit nicht ein männlicher Homosexueller abwertend bezeichnet, deutsch etwa Tunte.
Eine andere Möglichkeit der teilweisen Übereinstimmung
besteht darin, daß in dem Wort der einen Sprache nicht mehrere
verschiedene Bedeutungen, sondern eine wesentlich umfangreichere
gemeint ist. Das russische Wort roeka hat sowohl die Bedeutung
von Arm als auch von Hand. Es wäre sinnlos
zu sagen, daß dieses Wort zwei Bedeutungen hat. Es hat nur
eine, nämlich "Der gesamte Körperteil von der Schulter
bis zu den Fingerspitzen". Hier wären das Deutsche und
das Niederländische differenzierter als das Russische.
Fehlende Äquivalenzen gibt es z.B., wenn für
einen Begriff aus der Sprache A das Entsprechende in der Kultur
von Sprache B nicht vorkommt. Ein solches Beispiel wäre das
deutsche Lederhosen, das im Niederländischen kein
Äquivalent hat, weil es in den Niederlanden das entsprechende
Kleidungsstück nicht gibt. Entsprechend gibt es auch niederländische
Wörter ohne deutsches Äquivalent, wie etwa bruine
kroeg oder speculaas. Es kommt auch vor, daß
es für ein Phänomen in der einen Sprache ein Wort gibt,
während in der anderen Sprache nicht ein spezielles Wort
dafür existiert, wohl aber das Phänomen bekannt ist.
So gibt es im Deutschen z.B. kein Äquivalent zum Niederländischen
carpoolen, im Deutschen muß man diesen Begriff umschreiben,
sich zu einer Fahrgemeinschaft zusammenschließen.
Ein anderes Beispiel wäre das berühmte afstuderen,
deutsch etwa: Examen machen. Dafür gibt es im Niederländischen
kein Wort für das deutsche Fernweh. Im Niederländischen
müßte man sagen, verlangen naar verre landen.
Ein dritte Möglichkeit von Nicht-Äquivalenten sind Fälle,
in denen kein Wort für das Entsprechende auf demselben Sprachniveau
existiert.
Zweisprachige Wörterbücher können
den Eindruck erwecken, daß für eine lexikalische Einheit
in einer Sprache immer ein Äquivalent in der anderen Sprache
existiert. In den großen Van Dale-Wörterbüchern
für das Deutsche und das Niederländische werden verschiedene
Übersetzungsmöglichkeiten für die jeweilige lexikalische
Einheit so angegeben, daß zu oberst die häufigsten
und allgemeinsten stehen. Das hilft ein bißchen, sich zwischen
den Übersetzungsmöglichkeiten zu entscheiden. Im Deutsch-Niederländischen
zweisprachigen Wörterbuch wird immer dann, wenn im Niederländischen
kein echtes Äquivalent existiert, eine Umschreibung auf Niederländisch
angegeben.
Dieses umfangreiche Wörterbuch gibt wieder die
Übersetzungsmöglichkeiten in der Reihenfolge der Häufigkeit
und Allgemeinheit an. Wenn kein deutsches Äquivalent existiert,
werden in diesem Wörterbuch allerdings niederländische
Beschreibungen angegeben. Z.B. wird kroepoek umschrieben
mit indonesische Garnalencracker. Manchmal gibt es Hinweise
darauf, daß eine Übersetzung dem zu übersetzenden
Wortnicht völlig entspricht. In diesem Fall gibt ein Pfeil
nach oben an, daß die Übersetzung vom Stilniveau etwas
höher ist als das niederländische Wort, ein Pfeil nach
unten gibt an, daß das Stilniveau etwas niedriger ist und
das durchgestrichene Gleichheitszeichen gibt an, daß die
Übersetzung nicht genau mit dem zu übersetzenden Wort
übereinstimmt. Die verschiedenen Wörterbücher benutzen
verschiedene Zeichen dieser Art, deswegen ist es wichtig, sich
diese Zeichen und ihre Bedeutung in der Einleitung des Wörterbuchs
anzusehen. Die großen Van Dale-Wörterbücher haben
sogar ein Einlegeblatt mit der Erklärung der Zeichen.
Ein Vorteil der eigenen elektronischen Kartei ist,
daß man genau aufschrieben kann, in welcher Weise die eingetragene
Übersetzung das korrekte Äquivalent für eine lexikalische
Einheit ist.
Ein semantisches Feld oder Wortfeld enthält
eine Gruppe von Wörtern, die von ihrer Bedeutung her zusammengehören
und jeweils einen Aspekt in der Welt bezeichnen, wie etwa Wörter
für Farben, militärische Ränge, Vögel oder
Nahrungszubereitung. Rot, blau und grün sind
Bestandteil desselben Wortfelds. Die Komplexität eines Wortfelds
ist oft kulturspezifisch.
In einem semantischen Feld gibt es manchmal eine
Hierarchie der darin befindlichen Wörtern. In dem Feld Personentransportmittel
z.B. würde man eine Kategorie Fahrrad finden, die
vermutlich wieder weiter eingeteilt ist in verschiedene Typen,
z.B. Rennrad und Touringrad. Die Einteilung verläuft
also vom Allgemeinen zum Spezifischen. Die Relationen zwischen
allgemeinen und spezifischeren Wörtern kann man benennen.
So ist das Wort Personenbeförderungsmittel als ein
allgemeineres Wort, ein Hypernym sowohl von Fahrrad als
auch von Rennrad. Und umgekehrt ist das spezifischere Wort
Fahrrad ein Hyponym von dem allgemeineren Personenbeförderungsmittel,
und Rennrad ist ein Hyponym von Fahrrad (weil Rennrad
eine spezifischere Bezeichnung innerhalb der Bezeichnung Fahrrad
ist). Im allgemeinen kann man sagen, daß Wort A ein Hyponym
von Wort B ist, wenn Wort A eine Art von B ist: ein Rennrad ist
eine Art Fahrrad, ein Fahrrad ist eine Art Personenbeförderungsmittel.
Ein weiteres Beispiel: Obst oder Gemüse hat
untergeordnete spezifischere Bezeichnungen wie Äpfel,
Birnen, Pfirsiche und Orangen oder Karotten,
Erbsen oder Blumenkohl. Die allgemeineren Bezeichnungen
bezeichnet man als Hyperonyme der untergeordneten Bezeichnungen,
die untergeordneten Bezeichnungen als Hyponyme der übergeordneten
Bezeichnungen. Da die unterschiedlichen spezifischeren Bezeichnungen
sich sozusagen auf einer Linie befinden, werden sie manchmal als
Kohyponyme bezeichnet. Im Übrigen gibt es in den oben genannten
Fällen auch noch Zwischenkategorien wie Steinobst
und Hülsenfrüchte.
In einem semantischen Feld gibt es auch lexikalische
Einheiten, die dieselbe Bedeutung haben. Man nennt sie Synonyme.
Vollständige Synonymie gibt es selten. Es gibt z.B. Nuancen,
in denen sich die Bedeutung unterscheidet, oder Wörter teilen
nur einen Teil von ihren Bedeutungsmerkmalen. Auch die Gebrauchsbedingungen
von scheinbaren Synonymen können verschieden sein. Es ist
ganz offensichtlich, daß sterben nicht in jedem Kontext
ersetzt werden kann durch den Löffel abgeben. Teilweise
Synonyme sind ein Problem für den Fremdsprachenlerner. Im
Niederländischen z.B. sind houden van und lusten
Synonyme, wenn sie sich auf etwas beziehen, das eßbar ist:
Ik houd niet van ijs und Ik lust geen ijs sind Synonyme.
Wenn man aber über nicht Eßbares spricht, kann man
houden van gebrauchen, aber lusten nicht.
Antonyme sind lexikalische Einheiten mit der entgegengesetzten Bedeutung. Es gibt verschiedene Arten von Antonymie:
- Absolute Antonymie, wie etwa zwischen tot und lebend.
Zwischen derartigen Paaren von Wörtern besteht ein kompletter Gegensatz, es gibt keine Wörter, die einen Zustand zwischen den beiden Antonymen bezeichnen. Man kann z.B. nicht ein bißchen tot sein, man ist entweder tot oder nicht. Die Bedeutungen dieser absoluten Antonyme schließen einander aus: wenn das eine gilt, gilt nicht das andere und umgekehrt.
- Graduelle Antonymie, wie z.B. zwischen kalt und warm.
Zwischen solchen Paaren von Wörtern sind Abstufungen möglich, lau z.B., aber auch ein bißchen kalt oder sehr warm. Die Verneinung eines graduellen Antonyms muß nicht synonym mit dem anderen Wort eines Paares sein. Wenn jemand sagt, daß es nicht kalt ist, braucht das nicht zu bedeuten, daß er es warm findet.
- Relative Antonymie, wie z.B. zwischen Lehrer und Schüler und zwischen kaufen und verkaufen.
Die Relation zwischen den beiden Wörtern ist
umkehrbar: wenn A etwas von B kauft, verkauft B etwas an A. Wenn
A der Lehrer von B ist, dann ist B der Schüler von A. Man
könnte sagen, daß relationale Antonyme abhängig
voneinander sind. Wenn etwas verkauft wird, dann wird auch etwas
gekauft.
Die Kenntnis vom Inhalt eines semantischen Felds
einer lexikalischen Einheit kann bei der Wortwahl helfen. Die
Bedeutung eines Wortes kann man sehr gut dadurch lernen, daß
dieses Wort in Relation gesetzt wird zu anderen lexikalischen
Einheiten aus demselben semantischen Feld. So kann man z.B. die
Bedeutung der niederländischen lexikalischen Einheit prachtig
dadurch lernen, daß man die Relation sieht zu der lexikalischen
Einheit mooi, wenn man davon ausgehen kann, daß diese
lexikalische Einheit bekannt ist. Auch beim Schreiben eines Textes
ist Wissen über das Wortfeld sinnvoll. Wenn man eine allzu
häufige Wiederholung desselben Wortes in einem Text verhindern
möchte, kann man von einem Hyperonym Gebrauch machen. Wenn
man z.B. über ein Rennrad schreibt, kann man ab und zu dieses
Rennrad einfach mit Fahrrad oder Rad bezeichnen
oder ein weiteres Synonym davon gebrauchen, z.B. Zweirad.
Das tut man aber nur, wenn die Wiederholung eines Wortes wirklich
störend wirkt. Sonst wird der Zusammenhang des Textes unklar.
Man spricht von Polysemie, wenn eine Wortform mehrere
Bedeutungen hat. Man unterscheidet Polysemie einerseits von Monosemie
und andererseits von Homonymie. Bei Monosemie hat eine Wortform
nur eine Bedeutung. Die lexikalischen Einheiten März,
Tisch und Telefon sind Monoseme. Wir sprechen von Homonymie,
wenn eine Wortform verschiedene Bedeutungen hat, die nichts miteinander
zu tun haben, während wir von Polysemie sprechen, wenn die
verschiedenen Bedeutungen einer Form miteinander verbunden sind.
Bei dem bereits erwähnten Beispiel der Ton handelt
es sich bei den Bedeutungen "Laut" und "Lehmsorte"
um Homonyme. Die verschiedenen Bedeutungen von Blume wären
allerdings ein Fall von Polysemie. Die Bedeutungen "Blüte",
"Schaum auf dem Bier" und "weiß gezeichnete
Rückseite des Rehs" sind ein Fall von Polysemie, ebenso
wie die erwähnten unterschiedlichen Bedeutungen von Flügel.
Die verschiedenen Bedeutungen von polysemen Wörtern
hängen oft miteinander zusammen, weil die ursprüngliche
Bedeutung eines solchen Wortes metaphorisch oder metonymisch gebraucht
wird. Bei einer Metapher handelt es sich um einen verkürzten
Vergleich, wobei der Vergleich als solcher jedoch nicht ausgedrückt
wird. Beispiele sind etwa Fuchsschwanz für
eine ähnlich geformte Säge oder spitze Bemerkung
für eine verletzende Bemerkung. Man spricht oft auch "übertragener"
Bedeutung bei Metaphern. Von einer Metonym spricht man, wenn ein
Ausdruck durch eine sachlich verwandte Bezeichnung ersetzt wird,
häufige Arten von Metonymen sind Substitutionen des Werks
durch den Autor (Goethe lesen), Ersatz des Produkts durch
das Material (1 Glas Wein), Teil für das Ganze (schlaue
Köpfe). Man kann Metonyme auch kreativ einsetzen, z.B.
in Tisch 4 will bezahlen.
Der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen
ist nicht so klar, wie manchmal suggeriert wird. Ein Beispiel
möge dies verdeutlichen: ein klares Beispiel für Homonymie
wäre Futter, einmal als 'Tiernahrung', einmal als
'innere Stoffschicht'. Wie sieht es aber aus bei Schimmel?
Nicht jeder wird gleich von 'weiblicher Belag' auf 'Pferd mit
eben dieser Farbe' schlieben. Wer diese Verbindung nachvollziehen
kann, wird das Wort Schimmel polysem nennen, wer dies nicht
vermag, wird zwei Homonyme ansetzen. Oftmals ist der historische
Zusammenhang zwischen Bedeutungen dem Sprecher heute auch nicht
mehr bewußt. Sogar bei einem der Paradebeispiele für
Homonymie, nämlich Bank, handelt es sich um verwandte
Bedeutungen (Ursprünglich wurde auf einer Art Bank Geld gewechselt).
Polysemie und die damit verbundenen Prozesse der Metaphorisierung
und Metonymisierung sind ein wichtiges Phänomen sprachlicher
Kreativität. Selbstverständlich verwertet auch die Werbung
diese Einsichten: Eine Birne ist zunächst eine Frucht,
dann der Baum, woran sie wächst, auch auf Grund von Formähnlichkeit
ein Glühkörper und schlieblich, aus dem gleichen Grund,
auch der menschliche Kopf. Dies veranlabte einen deutschen Glühbirnenhersteller,
der viel auf sich hält, zu dem vieldeutigen Spruch: eine
Birne ist noch keine Leuchte.
Wenn man in einem Text einem Wort begegnet, von dem
man eine Bedeutung kennt, die aber in diesem Kontext offensichtlich
nicht die richtige ist, dann kann man häufig auf die Lösung
kommen, indem man nach dem verbindenden Element zwischen der bekannten
Bedeutung und der Bedeutung im Text sucht. Die Beziehung zwischen
den beiden Elementen kann metaphorisch oder metonymisch sein.
Ein Beispiel für metaphorischen Gebrauch ist das Wort Nußschale
bzw. im Niederländischen notendop. Das Wort hat außer
seiner konkreten Bedeutung auch noch die Bedeutungen "kleines
Schiff" und im Niederländischen, anders als im Deutschen,
auch noch "kleines Glas" oder "kleine Tasse".
Die gemeinsame Bedeutung aller dieser Wörter ist "ein
kleines halbrundes Gefäß".
Die verschiedenen Bedeutungen einer Wortform können
nie vollständig beschrieben werden. Auch Wörterbücher
sind in dieser Hinsicht nie komplett, denn die Gebrauchsmöglichkeiten
von Sprachformen sind unendlich. Wörter entwickeln neue Bedeutungen,
die Sprache verändert sich. Außerdem können Wörter
in unerwarteten Kontexten gebraucht werden und dadurch eine Bedeutung
bekommen, die sie vorher noch nicht hatten. Natürlich hebt
der Kontext im Normalfall die Doppeldeutigkeit auf. Für Lerner
einer Fremdsprache ist es allerdings schwieriger, die richtige
Bedeutung aus dem Kontext zu schließen, auch (oder gerade
wenn) sie ein Wörterbuch benutzen. Ein Beispiel dafür:
das niederländische Wort koper hat zwei Bedeutungen,
nämlich "Käufer" und "Kupfer". Wenn
weitere Wörter im Satz unbekannt sind und man nur die im
Moment gerade nicht gemeinte Bedeutung von koper kennt,
dann kann man zunächst einmal auf eine falsche Fährte
kommen.
Sprachliche Zeichen sind semantisch unbestimmt. Bei
dem Begriff Flügel hat man eine bestimmte Vorstellung.
Was jeweils genau gemeint ist, zeigt sich erst im Kontext. Es
kann sich um ein Lebewesen, ein Gebäude, ein Instrument usw.
handeln. Diese semantische Unbestimmtheit sprachlicher Kategorien
ist aber keineswegs nur ein Ärgernis oder Hindernis, sie
ist vielmehr ein notwendige Eigenschaft, sie ist Teil des kreativen
Sprachvermögens des Menschen. Wenn sie nicht vorhanden wäre,
brauchte man ja für all diese (abgeleiteten) Bedeutungen
ebenso viele andere Wortformen. In Verbindung mit sogenannten
Heckenausdrücken wie etwa eine Art kann man sich so
auf Gegenstände oder Sachverhalte beziehen, die zwar irgendwie
mit einem bestimmten Begriff erfaßt werden können,
jedoch nicht als prototypisches Beispiel gelten können: ein
Straub ist eine Art Vogel.
Die Bedeutung von Wörtern hängt oft mit
der Kultur, in der sie gebraucht werden, eng zusammen. Was zunächst
ein Äquivalent in der anderen Sprache zu sein scheint, kann
doch deutlich dadurch verschieden sein, daß kulturelle Faktoren
die Bedeutung verändern. Kulturspezifische Unterschiede gehen
oft mit geographischen Aspekten einher. Durch die Wiedervereinigung
ist hier eine gewisse Grauzone entstanden. Bedeutungaspekte, die
bis 1989 dem kulturspezifischen Bereich zugeordnet werden konnten,
sind heute eher dem geographischen Bereich zuzuordnen. Für
das allgemeinsprachliche Traktorfahrer wurde in der DDR
das aus dem Russischen entlehnten Traktorist verwendet.
In den neuen Ländern verwendet man selbstverständlich
diese lexikalische Einheit nach wie vor, vergleiche auch etwa
Datsche/Wochenendhaus. Man wird so etwas jetzt aber als
geographische Variante bezeichnen. Das Vorhandensein kulturspezifischer
Varianten erklärt sich beispielsweise aus Geschichte, spezifischen
staatlichen oder politischen Einrichtungen oder gesellschaftlichen
Konventionen. Bezeichnungen für politische Einrichtungen
lassen sich oft nicht übersetzen.
Für Erscheinungen, die ganz spezifisch sind
für eine ganz bestimmte Kultur und außerhalb dieser
Kultur nicht in dieser Weise bestehen, gibt es in anderen Sprachen
normalerweise keine Wörter. Solche kulturgebundenen Erscheinungen
können z.B. das politische System eines Landes betreffen
(so gibt es kein deutsches Äquivalent zu Commissaris van
de Koningin) oder auf kulturspezifische Gewohnheiten (so ist
Nikolaus keine gute Übersetzung von Sinterklaas,
weil die Feste völlig verschieden gefeiert werden in den
beiden Ländern).
Lexikalische Einheiten können auch stark kulturgebundene Konnotationen aufrufen. Das bedeutet, daß Wörter, die anscheinend äuquivalent sind, sich doch sich in ihrer Bedeutung unterscheiden. Man kann z.B. Frühstück nicht mit ontbijt oder breakfast oder petit déjeuner gleichsetzen, denn die entsprechenden Wörter haben in den einzelnen Kulturen verschiedene Assoziationen, die davon abhängen, wie das Frühstück im jeweiligen Land aussieht.
Äquivalenzherstellung im institutionellen Bereich
Bezeichnungen für spezifische Einrichtungen
lassen sich oft nur schwer übersetzen, weil sie eben Teil
eines völlig anderen Systems sind. Niederländische "Provinzen"
lassen sich nur sehr beschränkt mit deutschen "Ländern"
vergleichen. Jede Provinz hat einen commissaris van de koningin,
jedes Land einen Ministerpräsidenten, den man als
Regierungschef oder auch scherzhaft als Landesfürst
bezeichnen kann. Ein solcher Ministerpräsident hat
auch ein viel ausgeprägteres politisches Profil als die niederländische
Entsprechung: Er regiert ein Land bzw. er leitet die Regierungsgeschäfte
eines Landes. Die lexikalische Einheit regieren und alle
damit verbundenen morphologischen Erweiterungen sind dagegen im
normalen Sprachgebrauch in den Niederlanden dem staatlichen, überregionalen
Bereich vorbehalten. Bei der Herstellung einer Entsprechung weicht
man also oft zwangsläufig auf Umschreibungen oder Heckenausdrücke
aus: Eine Provinz ist ein Land in den Niederlanden oder
Eine Provinz ist so eine Art Bundesland.
Es kann vorkommen, daß der Wortschatz einer
Kultur in bestimmten Bereichen größer ist als der Wortschatz
einer anderen Kultur im selben Bereich. So gibt es z.B. in den
westlichen Kulturen sehr viele Wörter für Motorfahrzeuge.
Denken Sie z.B. einfach an Motorräder, Mopeds, Mofas, Roller
usw. Sie können sich vorstellen, daß in Kulturen, in
denen derartige Fahrzeuge weniger gefahren werden, auch weniger
Wörter bestehen.
Jedes Inhaltswort hat eine Denotation und kann auch
eine Konnotation haben. Die Denotation einer lexikalischen Einheit
ist das, worauf diese lexikalische Einheit in der außersprachlichen
Wirklichkeit hinweist. Mit der Konnotation einer lexikalischen
Einheit meint man die Assoziationen, die eine lexikalische Einheit
aufruft, die emotionalen Werte, die damit verbunden sind. Es geht
nicht um die persönlichen Assoziationen von einem bestimmten
Sprachbenutzer, sondern um die Assoziationen, die durch die meisten
Sprachbenutzer der entsprechenden Sprache geteilt werden. So wäre
z.B. im Deutschen die Bezeichnung Weib eine Bezeichnung,
die negative Konnotationen hat, die Denotation wäre aber
dieselbe wie die von Frau, was keine negativen Konnotationen
hat.
In einem semantischen Feld gibt es oft verschiedene
Wörter mit ungefähr derselben Denotation, aber verschiedenen
Konnotationen. Ein typisches Beispiel sind die Wörter für
Autos: Auto, Wagen, Karre, Kiste, Fahrzeug u.v.a. Dadurch,
daß sie verschiedene Konnotationen haben, sind diese Wörter
keine vollständigen Synonyme. Es ist wichtig, auf diese Art
von Unterschieden zu achten beim Sprechen einer fremden Sprache,
denn ansonsten kann man arg daneben greifen. Am besten merkt man
sich auf jeden Fall das neutralste Wort aus einem Wortfeld.
In Wörterbüchern wird versucht, Konnotationen,
die der größte Teil der Sprachgemeinschaft teilt, anzugeben.
Beispiele dafür sind "pejorativ" (mit dem Gebrauch
dieses Wortes ist ein negatives Urteile verbunden) und "euphemistisch"
(beschönigender Ersatz für ein tabuisiertes Wort oder
eine negative Tatsache). Für das Deutsche werden gemeinhin
folgende Konnotationen in gebräuchlichen Wörterbüchern
unterschieden: pejorativ, humorvoll, ironisch und euphemistisch.
Es handelt sich um Markierungen von Sprechereinstellungen. In
den Hinweisen zur Benutzung von Wörterbüchern finden
sie sich oft unter "Angaben zur Bedeutung". Zum Teil
sind diese Konnotationen schon fester Bestandteil der Bedeutung
geworden, zum Teil aber kommen sie erst im aktuellen Text zustande.
Einen Einblick in die Problematik von Sprachebenen und Konnotationen
erhält man, wenn man bei den einzelnen lexikalischen Einheiten
eines Wortfeldes nachschlägt. Als Beispiel werden hier die
einzelnen Mitglieder des Wortfeldes "sterben" aufgezählt:
abkratzen, ableben, eingehen, einschlafen,
entschlafen, hopsgehen, über den Jordan
gehen, krepieren, es nicht mehr lange machen,
den Löffel abgeben/sinken lassen/hinlegen/wegwerfen,
das Zeitliche segnen, sterben, verenden,
verrecken.
Negative Konnotationen können sich ändern,
was häufig dadurch geschieht, daß die diffamierte Gruppe
selbst den negativ konnotierten Begriff wählt, um sich zu
bezeichnen. Beispiele dafür wären Schwuler und
Hure. Einige Wörter, die zunächst neutrale Bezeichnungen
waren, haben negative Konnotationen bekommen, z.B. debil
und dement. Dies geschieht recht häufig mit Wörtern,
die negativ bewertete Gruppen oder Eigenschaften bezeichnen -
es werden immer neue Bezeichnungen gefunden, die das Phänomen
neutral benennen sollen und nach kurzer Zeit doch wieder als abwertend
erlebt werden. Debil z.B. hat schwachsinnig ersetzt.
Für das Zustandekommen von Euphemismen gibt es mehrere Gründe. So kann dies aus Rücksicht anderen gegenüber, zur Verhüllung unangenehmer Sachverhalte usw. geschehen. Neuere Beispiele sind hier etwa im Bereich der Nicht-Fortführung von ehemaligen DDR-Firmen abwickeln, das hier nicht 'ordnungsgemäb verlaufen lassen', sondern 'liquidieren' bedeutet, unschön für häßlich, vollschlank für dick usw.
Pejorativ und humorvoll
Lexikalische Einheiten wie Mietskaserne 'relativ
großes, unschönes Mietshaus' oder der Steigbügelhalter
'jemand, der einer anderen Person hilft, Karriere zu machen' haben
immer eine negative Konnotation. Eine lexikalische Einheit wie
meine besssere Hälfte für meine Frau/mein
Mann, oder der Glimmstengel für die Zigarette
wird als "humorvoll" umschrieben. Man sollte beachten,
daß sich solche Wertungen ändern können. Änderungen
im gesamten Wortfeld können (neue) Euphemismen veranlassen:
Putzfrau, Staubsaugerfee und Raumpflegerin.
Nicht mabgeschneiderte Textilien, also der absolute Normalfall,
holt man sich von der Stange. Adjektive auf -isch
sind häufig pejorativ: kindisch, launisch,
verbrecherisch, ebenfalls viele Zusammensetzungen mit Bezeichnungen
für Verwandtschaftsbezeichnungen wie etwa in: Opas Ehe
(Opa und Oma sind im übrigen in der Jugendsprache
die Bezeichnungen für 'Erwachsene'), Provinzonkel
oder so 'ne Tante. Insbesondere auch Bezeichnungen für
Ausländer sind oft pejorativ: Schlitzauge, Iwan,
Spaghetti(fresser) usw.
Wenn man ironisch spricht, sagt man das Gegenteil
von dem, was man eigentlich sagen will. Oft bekommen Wörter,
die eine positive Konnotation haben (z.B. toll, super)
dann eine negative Bedeutung, wie in: Das ist ja toll,
wenn damit eine negative Nachricht kommentiert wird. Ironie kann
man normalerweise in fremden Sprachen schlecht erkennen, man ist
auf den Kontext angewiesen. Ein häufiges Ironiesignal ist
der Gebrauch von veraltetem, sehr gehobenen Wortschatz (Würden
Sie mir Ihren geschätzten Rat zuteil werden lassen?),
auch dies ist ein Argument dafür, Stilebenen beim Vokabellernen
zu beachten.
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Wörter werden beinahe immer in Kombination mit
anderen Wörtern gebraucht. Diese Kombinationen sind zu einem
großen Teil nicht völlig freigestellt. Man sagt üblicherweise
Zähne putzen und nicht Zähne waschen.
Solche Verbindungen nennt man Kollokationen. Kollokationen können
bestehen zwischen einem Substantiv und seinem Adjektiv oder zwischen
einem Verb und seiner normalen Ergänzung usw. Einige Kollokationen
sind fester als andere, aber es geht immer um Kombinationen von
Wörtern, die normalerweise zusammen vorkommen. Man kann sie
nicht einfach auswechseln, obwohl es keinen Grund gibt, nicht
auch synonyme Wörter zu gebrauchen. Wenn man in einer fremden
Sprache sprechen oder schreiben will, ist es enorm schwierig,
die richtigen Kollokationen zu lernen. Auch in so verwandten Sprachen
wie dem Deutschen und dem Niederländischen gibt es andere
Kollokationen. Z.B. sagt man im Deutschen üblicherweise Kaffee
machen/kochen, im Niederländischen sagt man aber koffie
zetten. Im Deutschen sagt man Maßnahmen ergreifen,
im Niederländischen sagt man maatregelen nemen. Man
muß die Kollokationen jeweils lernen. Man kann aber beim
Lesen und Hören auf Kollokationen aufpassen und damit seine
Fähigkeiten im richtigen Gebrauch der Kollokationen erweitern.
Es gibt sehr feste Kollokationen, die zusammen einen
spezifischen Begriff bilden. Z.B. das gelbe Trikot in der
Bedeutung "Trikot des Erstplazierten in der Tour de France".
Solche festen Kollokationen bilden zusammen eine lexikalische
Einheit. Es handelt sich dann um eine Gruppe von Wörtern
mit einer einfachen Bedeutung. Selbstverständlich kommen
die Wörter gelb und Trikot auch allein vor.
Dann ist die Kombination davon in Sätzen wie Soll ich
heute mein blaues oder mein gelbes Trikot anziehen? keine
Kollokation. Viele Bezeichnungen, die im Deutschen Komposita sind,
sind im Niederländischen Kollokationen. So heißt z.B.
die Dunkelkammer im Niederländischen donkere kamer,
Rotkohl heißt rode kool.
Manchen Wörtern begegnet man nur in bestimmten
relativ festen Kollokationen. Ein Beispiel dafür ist blond.
Die typischste Kombination ist sicher blondes Haar (und
ähnliche Ausdrücke blonde Haare, blonde Locken
usw.). Man kann aber auch blondes Bier sagen, jedoch nicht
blonder Kaffee, obwohl man auch bei Kaffee mit einer bestimmten
Menge Milch vielleicht eine Farbe hinbekommen könnte, die
bei Haaren blond genannt würde. Blond ist in
seinem Anwendungsbereich auf sehr wenige Substantive eingeschränkt.
Wenn man fremde Sprachen lernt, ist es wichtig, solche Kollokationen
insgesamt zu lernen.
Kollokationen nähern sich oft idiomatischen
Wendungen. Dicke Freunde sind im Normalfall nicht korpulent,
eine alte Bekannte kann durchaus auch jung sein. Dabei
treten auch Bedeutungsverschiebungen auf. Das Rot in der Kollokation
rote Haare ist eine Art rot-braun, eine ganz andere Farbe
als die in zufälligen Verbindungen wie eine rote Ampel.
Man kann zwar inzwischen seine Haare auch durchaus ampelrot färben,
aber das ist nicht das, woran man bei rote Haare als erstes
denkt. Bei vielen Substantiven treten Kollokationen mit relativ
bedeutungsarmen Verben auf, die sich auch im Deutschen und Niederländischen
unterscheiden: Man faßt einen Beschluß,
aber neemt een besluit, man besucht einen Kurs,
aber volgt een cursus. Andere Beispiele wären etwa
schnell fahren, aber hard rijden, stark regnen,
aber hard regenen.
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Man kann sagen, daß jede lexikalische Einheit
ihre eigene Grammatik hat. Dabei ist die Wortart sehr wichtig,
denn damit hängen Regeln zusammen, die etwas über die
Formen sagen, in denen man das Wort gebrauchen kann, die Position,
die es in einem Satz einnehmen kann, und mögliche Kombinationen
mit anderen Wörtern. Die Wortklasse bestimmt, wie komplex
die lexikalische Grammatik ist. Bei einem Substantiv muß
man wissen, was sein Plural ist, und welches Genus es hat. Bei
einem Verb muß man wissen, ob es regelmäßig oder
unregelmäßig ist und welche Valenz es hat.
Wenn man Substantive richtig gebrauchen will, muß
man auf ein paar Dinge achten.
Die meisten Substantive sind zählbar: Sie haben
sowohl eine Einzahl als auch eine Mehrzahl. Es gibt aber auch
Wörter, die nur in der Einzahl existieren, z.B. Stoffbezeichnungen
wie Butter, Zucker, Sand, Beton, Blut,
Mehl, Wasser usw.
Wenn man ein Wort lernt, lernt man sinnvollerweise immer gleich auch seine Pluralform mit. Die Pluralbildung im Niederländischen ist recht einfach, es gibt die regelmäßigen Pluralformen auf -en und -s. Daneben gibt es einige wenige unregelmäßige Formen, z.B. in kind-kinderen. Diese unregelmäßigen Pluralformen muß man natürlich auswendig lernen, die regelmäßigen lassen sich, wie ihr Name schon sagt, über Regeln lernen.
In vielen Sprachen haben Substantive ein Genus, das
bedeutet ein grammatisches Geschlecht. Das grammatische Geschlecht
ist vom natürlichen Geschlecht zu unterscheiden, wenn auch
meist das grammatische und das natürliche Geschlecht übereinstimmen
bei Substantiven, deren Bezeichnetes ein natürliches Geschlecht
hat. Ausnahmen sind z.B. das Mädchen oder die Memme.
Das Genus von Substantiven kann man oft aus Suffixen am Wort erschließen.
Bestimmte Suffixe sind immer demselben Genus verbunden. Im Niederländischen
gibt es im Prinzip drei Genera, nämlich Maskulinum, Femininum
und Neutrum. Es gibt aber nur zwei verschiedene Artikel, wobei
de für das maskuline und feminine Genus gewählt
wird, und het für das Neutrum. Wenn man sich mit Pronomina
auf das Substantiv bezieht, muß man allerdings auch den
Unterschied zwischen Maskulinum und Femininum kennen. So heißt
es het bestuur en zijn besluiten (das Possessivpronomen
für Neutra ist zijn), de vereniging en haar
besluiten (Femininum mit haar) und de
regering en zijn besluiten (Maskulinum mit zijn).
Man muß zu diesem Problem allerdings sagen, daß selbst
Niederländer in der Unterscheidung von Maskulinum und Femininum
Probleme haben. Im Norden der Niederlande werden im Prinzip nur
die de-Wörter von den het-Wörtern unterschieden.
Im großen und ganzen haben die erkennbar verwandten Wörter,
die im Deutschen der oder die als Artikel haben,
im Niederländischen de, und verwandte Wörter,
die im Deutschen das als Artikel haben, haben im Niederländischen
het. Diese Regel sagt überhaupt nichts über nicht
verwandte bedeutungsäquivalente Wörter, und sie ist
auch leider nicht ohne Ausnahmen. So heißt es z.B. im Deutschen
das Boot, im Niederländischen de boot. In kontrastiven
Lernergrammatiken finden sich meist Listen der Wörter, die
nicht das vom Deutschen her erwartbare Genus haben.
Ein Substantiv kann häufig ein Komplement (oder in traditioneller Terminologie Attribut) haben. Komplemente sind Gruppen von Wörtern, die in einer engen Beziehung mit ihrem Kernwort, hier dem Substantiv, stehen. Komplemente sind üblicherweise nicht nötig, aber wenn sie vorhanden sind, haben sie eine festgelegte Form. Das Substantiv legt fest, welche Form das Komplement haben kann. Einige Substantive kann man nur mit einer bestimmten Präposition kombinieren, andere mit einem bestimmten Konjunktion, wieder andere mit einem weiteren Substantiv. Die häufigsten Arten von Komplementen im Niederländischen sind:
Präpositionale Gruppe
ons abonnement op de Libelle liep vorige week af
de toegang tot de zaal werd ons geweigerd
zij hadden medelijden met het arme dier
zij lachten om mijn voorkeur voor onbespoten aardbeien
Nebensatz
haar idee (om) niet te gaan stond me wel aan (te-infinitief)
het besef dat hij het niet zou halen drukte op ons gemoed (dat-zin)
Substantivgruppe
een kaartje eerste klas;
de maand mei;
het geval Janssen;
prins Maurits;
een kudde runderen.
Die im Deutschen gebräuchlichen Genitiv-Attribute
gibt es im Niederländischen nur relativ wenig, es kommt noch
der "Sächsische Genitiv" vor, wie in vaders
hoed. Andere, nachgestellte Genitive sind meist veraltet und
kommen nur noch in erstarrten Wendungen vor.
Es kann so sein, daß mit einem bestimmten Substantiv
nicht nur eine bestimmte Form, sondern auch eine bestimmte Bedeutung
als einzig mögliche Kombination besteht. So kann man z.B.
Herde nur mit Tieren kombinieren.
Beim Benutzen einer Sprache merkt man, daß
das Verb das Zentrum des Satzes bildet: Ein Satz ohne Verb ist
nicht komplett. Das Subjekt des Satzes stimmt in der grammatischen
Person (erste, zweite, dritte Person) und im Numerus (Singular,
Plural) mit dem finiten Verb überein. Das Hauptverb des Satzes
legt die semantischen und syntaktischen Beziehungen im Satz fest.
Der richtige Gebrauch von Verben erfordert einige Kenntnisse.
Hier werden die wichtigsten davon zusammengefaßt. In Lehrveranstaltungen
zur Grammatik wird spezifischer auf die Grammatik des Verbs eingegangen.
Wenn man ein Verb lernt, ist es wichtig zu wissen,
ob es regelmäßig oder unregelmäßig ist.
In Texten kann man Formen von Verben finden, die sich vom Infinitiv
stark unterscheiden, so daß man sie zunächst nicht
einfach im Wörterbuch findet. Auch wenn man selbst ein unregelmäßiges
Verb gebraucht, muß man wissen, welche Form man einsetzen
muß in den Satz. Diese Art von Informationen finden sich
in Grammatiken und Wörterbüchern. Im Deutschen und im
Niederländischen gibt es regelmäßige (schwache)
und unregelmäßig (starke) Verben. In vielen Fällen
ist es so, daß die jeweils übersetzungsäquivalenten
und verwandten Verben auch beide stark oder beide schwach sind,
aber es gibt einige Ausnahmen, die man extra lernen muß.
Ein großer Unterschied zwischen dem Deutschen und dem Niederländischen
in den Formen ist einerseits die Bildung des Vorgangs-Passivs,
das im Niederländischen mit zijn gebildet wird und
das Fehlen eines kompletten Konjunktiv-Paradigmas im Niederländischen.
Die Verben bestimmen im starken Ausmaße, wie
ein Satz aufgebaut wird. Zu einem bestimmten Verb gehören
ein oder mehr feste Elemente. Das Verb legt fest, wie viele Elemente
im Satz auftreten müssen, in welcher Form diese Elemente
auftreten, und welchen Inhalt sie haben. Verben, die eine ähnliche
Bedeutung haben, können in verschiedenen Sprachen in allen
diesen Punkten voneinander abweichen. In den beiden recht verwandten
Sprechen Deutsch und Niederländisch ist die Zahl der Unterschiede
jedoch überschaubar.
Jedes Verb, in seiner Eigenschaft als Dreh- und Angelpunkt des Satzes, hat eine Anzahl von Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Wortgruppen. Diese Wortgruppen geben an, was die sogenannten "Argumente" des Verbs sind. Häufig sind die Argumente im Deutschen und Niederländischen gleich. Es gibt aber auch Unterschiede bei ansonsten ähnlichen Verben. Das deutsche Wort dürfen erlaubt als Argumente denjenigen, der die Erlaubnis hat, und dasjenige, das erlaubt ist. Das niederländische Äquivalent mogen erlaubt außerdem als Ergänzung denjenigen, der die Erlaubnis gegeben hat, also Dat mag van mijn vader (wörtlich: Das mag von meinem Vater, was Mein Vater hat es erlaubt bedeutet).
Im deutschen Sprachgebiet hat sich die sogenannte
Valenzgrammatik, nachdem sie von Tesnière eingeführt
wurde, erst richtig entwickelt. Es gibt eine unüberschaubare
Menge von Einführungen, Grammatiken und Artikeln, die alle
ihre Vor- und Nachteile aufweisen. Heutzutage räumt man dem
Begriff Valenz in fast allen Grammatiken viel Platz ein, so in
Engels "Deutscher Grammatik" und in der Dudengrammatik.
Die Wertigkeit deutscher Verben unterscheidet sich nicht oft von
der niederländischer Verben, wenn es auch mehr Möglichkeiten
für die Form der Argumente gibt, da das Deutsche ja über
zusätzliche Kasus, Genitiv und Dativ, verfügt. Eine
besondere Situation jedoch bildet das Vorhandensein subjektloser
Verben.
Verben in verschiedenen Sprachen können sich
nicht nur dadurch unterscheiden, wie viele Argumente sie haben,
sondern auch dadurch, welcher Art diese Argumente sind.
Im Deutschen und Niederländischen gibt es folgende Arten von Komplementen:
Nominalgruppe (np): Der Regisseur sieht einen Mann, Das kostet eine ganze Menge, Ich gratuliere dir, Er beschuldigte mich des Diebstahls.
Präpositionalgruppe (pp): Sie wartet auf ihn, auf dem Bahnsteig.
Adjektivgruppe (ap): Der Eigentümer malt sein Auto rot.
Adverbialgruppe (advp): Sie wohnt schön, irgendwo.
Verbalgruppe (vp): Sie verspricht zu kommen.
Konjunktionalgruppe (cp): Ich weib nicht, ob sie kommt.
Funktion
Im Deutschen gibt es im verbalen Bereich folgende
syntaktische Funktionen: Subjekt, Akkusativobjekt, Präpositionalobjekt,
Dativobjekt, Genitivobjekt, Prädikativ, Adverbial. Auch hier
gibt es wieder Unterschiede zum Niederländischen, das keine
Dativ- und Genitivobjekte aufweist. Zusätzliche Unterschiede
ergeben sich daraus, daß es im Deutschen nun einmal mehr
formal gekennzeichnete Fälle gibt: das Verb genießen
verwendet man präpositionslos mit Akkusativ: Wir genießen
die herrliche Aussicht. Das Verb ist im Deutschen transitiv,
im Niederländischen dagegen nicht, vgl.: we genieten van
het heerlijk uitzicht.
Die Argumente, mit denen Verben kombiniert werden können, haben inhaltliche (semantische) Merkmale. Die meisten Verben, die eine Handlung bezeichnen, wie z.B. schlagen, küssen, fahren, brauchen eine Person als Handelnden. Verben wie sehen, festhalten brauchen außerdem als zweites Argument etwas Konkretes, wie Stuhl, Hand usw. Diese Art von inhaltlichen Merkmalen nennt man oft Selektionsbeschränkungen. Meistens ist es so, daß diese Selektionsbeschränkungen von einem Verb im Deutschen, Niederländischen, Französischen, Englischen und anderen Sprachen unseres Kulturkreises für die Übersetzungsäquivalente gleich sind. Aber das muß nicht immer so sein.
Deutsche Verben haben im allgemeinen die gleichen
Selektionsbeschränkungen wie ihre niederländischen Entsprechungen.
Gelegentlich finden sich subtile Unterschiede.
Grob gesagt läßt sich nur mit transitiven
Tätigkeitsverben, d.h. mit Verben, die ausdrücken, daß
ein Agens (=Handelnder) in aktiver Weise eine Handlung ausführt,
ein Passiv bilden. Passivfähig sind also Verben wie arbeiten,
essen, öffnen, schlagen. Nicht passivfähig
sind Vorgangsverben mit einem Thema (=Betroffenen) als Subjekt,
wie z.B. erfrieren, hören, einschlafen,
fallen oder sterben und Zustandsverben mit einem Thema
als Subjekt wie z.B. sich befinden, liegen, umgeben
oder wohnen. Es gibt hier deutsch-niederländische
Unterschiede, die zum Teil mit der Verbbedeutung zusammenhängen.
Die Probleme liegen aber so, daß man von der niederländischen
Sicht aus Unterschiede lernen muß, im Deutschen werden Akkusativobjekte
zum Subjekt im entsprechenden Passivsatz: er wurde von
uns unterstützt (hij werd door ons ondersteund) vs. ihm
wurde von uns geholfen (hij werd door ons geholpen). Im Niederländischen
sind die direkten Objekte passivfähig. Passivische Bedeutung/Perspektiven
können auch anders ausgedrückt werden: bekommen/erhalten/kriegen
+ 2. Partizip ("Adressatenpassiv"). Diese Konstruktion
ist im Deutschen nur möglich bei Verben, die einen Dativ
der Person und einen Akkusativ der Sache fordern, z.B. Er bekommt
das Buch geschenkt (= Ihm wird das Buch geschenkt), d.h. das
Dativobjekt des Aktivsatzes wird zum Subjekt des Passivsatzes.
Weil es immer im weitesten Sinn um den Empfänger einer Leistung
geht, wird dieses Passiv "Rezipientenpassiv" genannt.
Im Niederländischen ist die Konstruktion krijgen +
2. Partizip als Rezipientenpassiv möglich: U krijgt
de tekst dan door ons toegestuurd, das indirekte Objekt
des entsprechenden Aktivsatzes wird dabei Subjekt des Passivsatzes.
Kausative Verben leiten sich von intransitiven unregelmäbigen
Agensverben ab. Das ursprüngliche Agens wird zum Thema, und
es kommt ein neues Agens hinzu: Das Pferd trinkt. Die regelmäbige
kausative Entsprechung lautet: sie tränkten die Pferde.
Es gibt eine ganze Reihe dieser Verbpaare, sie unterscheiden sich
äuberlich manchmal durch einen anderen Stammvokal: biegen-beugen,
sitzen-setzen, liegen-legen, erschrecken-erschrecken,
schwimmen-schwemmen. Im Niederländischen ist
das Muster auch vorhanden, z.B. liggen-leggen, aber öfter
als im Deutschen wird der Kausativ lexikalisch (= mit einem Extra-Wort)
gebildet, also z.B. drinken-maken.
Echte reflexive Verben sind Verben, die obligatorisch
mit einem Reflexivpronomen vorkommen. Das Reflexivpronomen kann
nicht weggelassen oder ersetzt werden, z.B. sich schämen:
er schämt sich. Nicht möglich dagegen ist *er
schämt oder er schämt den Freund. In welchem
Kasus das Reflexivpronomen steht, ist wie üblich vom Verb
abhängig. Echte reflexive Verben mit dem Reflexivpronomen
im Akkusativ finden sich in folgenden Beispielen: Ich kenne
mich hier gut aus; Ich werde mich beeilen? Hast
du dich verirrt? Mit dem Reflexivpronomen im Dativ: Du
mabt dir ein Urteil an. Mit einem Präpositionalfall:
Sie hält viel auf sich. Bei unechten reflexiven Verben
kann das Reflexivpronomen weggelassen oder ersetzt werden, wie
in sich waschen: sie waschen sich, möglich
ist auch er wäscht und er wäscht das Kind.
Wenn solche Verben mit einem Subjekt in der Mehrzahl verwendet
werden, werden sie als reziprok (sich gegenseitig) bezeichnet.
Reflexive Wendungen können als Konkurrenzformen des Vorgangspassivs
auftreten: Das Buch wird sich schon finden (wird schon
gefunden werden). Mit modaler Bedeutung (und Adverbial): Dieses
Material wäscht sich gut (kann gut gewaschen werden).
Im Niederländischen wird der Beginn eines Vorgangs oft mit
dem Hilfsverb gaan zum Ausdruck gebracht (de storm is
gaan liggen), im Gegensatz zum Deutschen, wo man dann meistens
eine reflexive Konstruktion verwendet: Der Sturm hat sich gelegt.
Reflexiven Verben im Deutschen entsprechen oft nicht-reflexive
Verben im Niederländischen:
sich (ver)ändern: Hast du dich aber verändert!
sich bedanken: Vergiß bloß nicht, dich bei deiner Cousine für die Blumen zu bedanken!
sich weigern: Er weigerte sich immer noch, die Geldstrafe zu bezahlen.
sich verschlechtern: Die Stimmung beim Familientreffen verschlechterte sich rapide.
Im Gegensatz zum Deutschen gibt es im Niederländischen
ein spezielles Reziprokpronomen elkaar: Jan en Annet houden
van elkaar. Im Deutschen wäre der entsprechende Satz
doppeldeutig: Jan und Annette lieben sich kann sowohl reflexiv
sein, Jan liebt sich, und Annette liebt sich auch, als
auch reziprok Jan und Annette lieben einander.
Eine gute Kenntnis von Adjektiven ist sehr wichtig
für das Verstehen und Produzieren von sowohl beschreibenden
als auch argumentativen Texten. Genau wie Verben haben Adjektive
auch ihre eigene Grammatik, man muß also nicht nur das Adjektiv
lernen, sondern auch seinen Gebrauch. Die wichtigsten Aspekte
hiervon werden im folgenden behandelt.
Adjektive können qualifizierend oder relational
sein. Relationale Adjektive im hier gemeinten Sinn sind bestimmte
Adjektive, die von Substantiven abgeleitet sind, im Niederländischen,
z.B. de Friese meren (= die Seen in Friesland), een
ministeriële ontmoeting (= ein Treffen von Ministern).
Die niederländischen relationalen Adjektive können im
Gegensatz zu den qualifizierenden Adjektiven kaum prädikativ
gebraucht werden: *de meren zijn Fries, *de ontmoeting
is ministerieel. Relationale Adjektive können auch nicht
gesteigert werden. Qualifizierende Adjektive sind der Normalfall,
sie drücken eigenschaften aus (goed, heet,
geel), sind steigerbar (beter) und auch prädikativ
verwendbar (de soep is heet).
Adjektive werden attributiv, prädikativ oder adverbial verwendet. Ausschließlich in ihrem attributiven Gebrauch werden sie gebeugt, und zwar auch dann nur, wenn sie vor dem Substantiv stehen: die rote Rose, das Röslein rot. In poetischer Sprache und in einigen Ausdrücken (auf gut Glück) fehlen sogar hier manchmal die Endungen. Adjektive lassen sich syntaktisch verwenden als Attribut zum Substantiv (der neue Mantel, Sport total), Attribut zum Adjektiv oder Adverb (sie läuft irrsinnig schnell, er sitzt ganz hinten) und als eigenständiges Satzglied, d.h. als Prädikativ oder Adverbial (das Gras ist grün, er benimmt sich komisch).
Stellungsbeschränkungen
Nicht alle Adjektive können in allen Positionen
vorkommen. Bei den folgenden lexikalischen Einheiten handelt es
sich um Beispiele ausschlieblich prädikativ verwendeter Adjektive,
vor allem in Verbindung mit sein und werden und
machen, die zum Grobteil auch nicht flektierbar sind: meschugge,
plemplem, quitt, futsch, (jemandem)
gram, (jemandem) untertan, zugetan,
er wird dieser Sache gewahr, (ich bin dazu nicht)
gewillt, (sie machte ihm seine Kunden) abspenstig,
(ich machte den Ort) ausfindig, (ich
bin es) leid. Ursprüngliche Substantive sind:
(mir ist) angst, fehl (am Ort),
schade, barfuß, pleite, wett,
schnuppe. Adjektive, die nur attributiv und prädikativ,
nicht aber adverbial gebraucht werden, sind in dieser Hinsicht
nicht problematisch: ein sonniger Morgen, der Morgen
war sonnig, *das hat er sonnig gemacht. Das gilt auch
für Adjektive, die attributiv und adverbial, nicht aber prädikativ
verwendet werden: Er berichtet täglich, sein täglicher
Bericht. Auch niederländische Adjektive können prädikativ
und attributiv gebraucht werden, und auch im Niederländischen
gibt es einige Adjektive, die nur attributiv gebraucht werden
können (gouden in de gouden ring), ein ausschließlich
prädikativ gebrauchtes Adjektiv wäre waard in
dat is het geld niet waard.
Qualifizierende Adjektive können genau wie Verben
in Wortgruppen und Sätzen mit ganz bestimmten Argumenten
kombiniert werden, und diese Argumente haben eine bestimmte Form,
die vom Adjektiv festgelegt wird. So wird z.B. verliebt
kombiniert mit einer Präpositionalgruppe, die durch die Präposition
in eingeleitet wird. Die Anwesenheit dieses Arguments ist
nicht obligatorisch (man kann auch sagen Sie ist sehr verliebt),
aber es ist implizit immer dabei. Wenn man Adjektive gebraucht,
kann man nicht davon ausgehen, daß sie in einer anderen
Sprache dieselben Komplemente haben. z.B. wäre es im Niederländischen
eine andere Präposition: verliefd op. Die häufigsten
Argumente von Adjektiven im Niederländischen sind: Substantivgruppen
(dat is het geld niet waard),
Präpositionalgruppen (ze is verzot op drop)
und mit Konjunktionen eingeleitete Wortgruppen (hij is aardiger
dan zijn broer).
Auch Adjektive legen fest, welche Substantive mit
ihnen kombiniert werden können.
Die Möglichkeit der Steigerung gilt als charakteristischste
Merkmal der Wortart Adjektiv. Trotzdem lassen sich nicht alle
Adjektive steigern. Steigerbar sind vor allem qualifizierende
Adjektive wie etwa froh oder häßlich.
Es gibt mehrere Arten der Steigerung, nämlich die Steigerung
durch Wortbildung, wie in fuchsteufelswild, speiübel,
schwerverletzt, und die Steigerung durch zusätzliche
lexikalische Einheiten, wie in besonders (aufmerksam), überaus
(positiv). Daneben gibt es die Steigerung durch Flexion, die
sog. Komparation, schön, schöner, am schönsten.
Auch im Niederländischen gibt es die Möglichkeit der
Komparation. Man weicht jedoch häufiger als im Deutschen
auf Steigerung durch lexikalische Einheiten aus. Neben aardig
- aardiger - aardigst bestehen Formen
mit meer und meest, also meer aardig und
meest aardig können ebenso als Steigerungsformen verwendet
werden.
"Partikel" wird hier als ein Oberbegriff
über nicht flektierte Wortarten gebraucht, die keinen Kasus
zuweisen. Im Niederländischen werden diese Wortarten "bijwoord"
genannt. Unter diese Gruppe fallen zunächst einmal die Adverbien.
Wie im Deutschen gibt es im Niederländischen keine Formunterschiede
zwischen nicht flektierten Adjektiven und Adverbien.
Neuere deutsche Grammatiken unterscheiden zwischen
Adverbien und Partikeln. Wie üblich in der Sprachwissenschaft
ist die benutzte Terminologie kunterbunt und manchmal auch inkonsequent.
Für die eine Grammatik ist "Partikel" ein übergeordneter
Terminus, womit nicht flektierbare Wörter bezeichnet werden
wie etwa Präposition, Adverb und Konjunktion, für die
andere handelt es sich um eine weitere nicht flektierbare Wortart
neben "Adverb", "Konjunktion" und "Präposition".
Der Unterschied zwischen Adverb und Partikel im engeren Sinn besteht
hier vor allem darin, daß Adverbien selbstständig als
Satzglied auftreten können und Partikeln nicht. Die syntaktische
Funktion von Partikeln ist oft unklar. Leider sind aber nicht
alle Adverbien satzgliedfähig. Dies zeigt sich etwa an sehr,
das nur als Attribut vorkommt, also als Teil eines Satzgliedes.
Im Normalfall ist aber doch ein deutlicher Unterschied zwischen
Partikeln und Adverbien durch den Satzglied-Test zu machen, vgl.
Heute hat Egon sich gefreut, *Sogar hat Egon sich gefreut.
Adverbien können Sätze, Verben oder Wörter und Wortgruppen näher bestimmen. Im Deutschen und im Niederländischen gibt es dieselben Gruppen von Adverbien.
Lokaladverbien: hier, da, links - hier, daar, links,
Temporaladverbien: jetzt, gestern, nie - nu, gisteren, nooit,
Modaladverbien: gern,
teilweise, hiermit - graag, gedeeltelijk, hiermede.
Gradpartikeln bezeichnen vor allem den Grad einer Eigenschaft. Sie werden also oft mit Adjektiven kombiniert: Der Wettkampf verlief sehr/äuberst spannend, Sie hat sich einigermaben gefangen. Dementsprechend im Niederländischen: Het is een erg lastige kwestie.
Fokuspartikeln lenken die Aufmerksamkeit des Hörers/Lesers auf einen bestimmten Teil eines Satzes. Sie heben ein Satzglied hervor und setzen Alternativen zu ihrem Bezugswort voraus: Besonders die Großmutter hat sich gefreut, So etwas kann blob dir passieren. Sogar der Fahrer war betrunken. Beispiele im Niederländischen sind: zelfs Jan kan zwemmen, Juist toen ik thuis kwam ontmoet ik mijn moeder.
Abtönungspartikeln finden sich vor allem in dialogischen Zusammenhängen. Der Sprecher drückt mit ihnen eine Annahme o.ä. aus, oft in der Absicht, daß sie der Hörer teilt: Wie konnte denn das passieren? Das ist ja furchtbar. Die gebräuchlichsten sind im Deutschen: aber, auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, etwa, halt, ja, mal, nur, schon, vielleicht, wohl. Im Niederländischen gehören dazu: toch, dan, maar, nou, eens, even.
Häufig werden Modalpartikeln kombiniert: Was hast du denn auch schon geleistet?/Wat heb jij nou helemaal gedaan? Gesprächspartikeln bestehen aus Rückmeldungssignalen und Gliederungssignalen. Mit Rückmeldungssignalen bestätigt der Hörer, daß er den Sprecher verstanden hat (ja, hm, genau/precies, gut/mooi zo/van wel..., richtig/juist). Er zeigt damit auch seine Aufmerksamkeit.
Mit Gliederungssignalen kann der Sprecher die einzelnen
Gesprächsschritte einteilen oder abschließen, er kann
zum Ausdruck bringen, daß er in der Sprecherrolle bleiben
möchte oder aber dem Hörer die Sprecherrolle zuweist:
also, nun, so, ja?, oder?,
nicht?, ne? (süddt:) gell?, bzw. im Niederländischen
das vielgebrauchte hoor!
Wie im Deutschen haben niederländische Adverbien
üblicherweise keine Steigerungsformen. Es gibt einige wenige
Ausnahmen zum Beispiel min - minder - het minst.
Die Funktion von Präpositionen ist, eine Relation
zwischen verschiedenen Konstituenten herzustellen. Im Niederländischen
gibt es nicht nur die einfachen Präpositionen wie im Deutschen
(denken an Holland, denken aan
Holland), sondern auch Verbindungen von zwei Präpositionen
und üblicherweise einem Substantiv, die im Niederländischen
voorzetseluitdrukkingen genannt werden, z.B. in ruil
voor, ter gelegenheid van.
Der Gebrauch von Präpositionen ist sprachspezifisch.
Auch im Deutschen und im Niederländischen ist es nicht immer
so, daß die übersetzungsäquivalente Präposition
verwendet werden kann. So sehen wir z.B. im Deutschen etwas im
Fernsehen, aber im Niederländischen op de televisie.
Neben Präpositionen gibt es auch Postpositionen
und Zirkumpositionen. Der Überbegriff für diese drei
Wörter ist "Adposition". Präpositionen stehen
vor ihrem Komplement, Postpositionen danach und Zirkumpositionen
umringen ihr Komplement. Im Niederländischen gibt es außer
Präpositionen auch recht häufig Postpositionen (hij
komt het bos uit) und Zirkumpositionen (onder
de brug door, om het huis heen).
Adpositionen erfüllen grammatische und/oder semantische Funktionen. Grammatische Funktionen, die in einer bestimmten Sprache durch Adpositionen erfüllt werden, können in einer anderen Sprache auf eine andere Weise erfüllt werden, z.B. durch die Wortstellung oder durch die grammatischen Fälle. Oft gibt es mehrere Arten, eine bestimmte grammatische Funktion auszufüllen. Im Niederländischen z.B. kann die Besitzrelation auf drei Weisen ausgedrückt werden: Durch den Genitiv im sog. sächsischen Genitiv Jans auto, durch eine Präposition de auto van Jan oder durch ein Possessivpronomen, kombiniert mit einer bestimmten Wortstellung Jan z'n auto. Im Niederländischen sind alle diese drei Varianten stilistisch akzeptiert, während im Deutschen die zweite bereits als weniger guter Stil gilt und die dritte normalerweise abgelehnt wird, wenn sie auch in vielen Regionen vorkommt (Jan sein Auto).
Adpositionen können in ihrer wirklichen lexikalischen Bedeutung
gebraucht werden, wie in er wartet auf dem Markt, aber
auch in einer rein grammatischen Bedeutung, wie in er wartet
auf die Straßenbahn.
Präpositionen verbinden Verben mit Substantiven
(ans Meer fahren), Substantive mit Substantiven (das
Auto auf der Straße), Adjektive mit Substantiven (stolz
auf die Leistung), Verben mit Adjektiven (für richtig
halten) und Verben mit Adverbien (nach unten schauen).
Im Deutschen können Präpositionen Komplemente
im Akkusativ, Dativ und Genitiv haben. Im Niederländischen
mit seiner geringen Kasusmarkierung braucht man sich darüber
weniger Gedanken zu machen, es handelt sich aber auf jeden Fall
um die nicht nominativischen Kasus.
Im Niederländischen lassen sich te-Infinitive
mit einer Reihe von Präpositionen kombinieren (door te,
na te usw.). Dies ist für Deutsche ungewöhnlich,
weil sich die Deutschen zu-Inifinitive nur mit um, (an)
statt, ohne und außer kombinieren lassen.
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Nicht jede lexikalische Einheit kann in jedem Kontext
gebraucht werden. Eine lexikalische Einheit hat oft spezifische
Gebrauchsbedingungen. Sprachgemeinschaften sind nicht homogen.
Es gibt Varietäten mit Bezug auf den Stil, die Sprechergruppe
(Soziolekt) und die Region (Dialekt). Bestimmte lexikalische Einheiten
werden nur in einem bestimmten Gebiet gebraucht. Das ist im Niederländischen
nicht anders als im Deutschen. So wird z.B. das Wort okkasiewagen
für "Gebrauchtwagen" nur in Flandern gebraucht,
im Rest des niederländischen Sprachgebiets heißt es
tweedehands auto. Lexikalische Einheiten können auch
nur zu einem bestimmten Stilniveau passen. Ein im Gespräch
unter Jugendlichen aufgeschnapptes Wort könnte z.B. in einer
Hausarbeit für das Studium unangemessen sein.
Es ist wichtig, sich beim Lernen eines Wortes darüber
klar zu sein, ob es vielleicht besonders markiert ist. Wenn man
Mißverständnisse vermeiden will, sollte man wissen,
welche Wörter als vulgär und welche als formell angesehen
werden, ob sie z.B. nur in bestimmten geographischen Regionen
vorkommen, ob sie zur Jugendsprache gehören, oder gerade
zur Sprache der älteren Generation usw.
Im Sprachgebrauch innerhalb einer Sprachgemeinschaft
lassen sich manchmal deutliche geographische Unterschiede feststellen.
Unterschiede können bestehen in der Aussprache, der Schreibung
in der Häufigkeit des Gebrauchs, aber auch in der Bedeutung
und in den Konnotationen von einem Wort. Auch die Kombinatorik
kann innerhalb eines Sprachgebiets verschieden sein, und natürlich
gibt es verschiedene idiomatische Wendungen in den einzelnen Gebieten
der Sprachgemeinschaft. Der auffallendste Unterschied in der Aussprache
zwischen dem flämischen Sprachgebiet und dem Norden der Niederlande
ist sicher die Aussprache des "g". Auch verschiedene
Wörter des Flämischen werden in den Niederlanden nicht
verstanden, trotz aller Bemühungen, die niederländische
Sprache zu normieren.
Es kann vorkommen, daß Wörter, die in
einem bestimmten Bereich des Sprachgebiets gebraucht werden, Dinge
bezeichnen, die nur in diesem spezifischen Bereich des Sprachgebiets
existieren. Dies ist bei den Niederlanden und Belgien sicher nicht
der Fall, mit Ausnahme von Wörtern für Institutionen.
Es kommt aber vor, daß für dasselbe in den Niederlanden
ein anderes Wort gebraucht wird als in Flandern, so z.B. wird
eine Wäscheschleuder in den Niederlanden centrifuge
genannt, in Flandern droogzwierder.
Ein Beispiel für ein solches Phänomen ist
first floor im britischen und amerikanischen Englisch,
im Amerikanischen ist damit das Erdgeschoß gemeint, im britischen
Englisch der erste Stock.
Die Standardsprache von einem Land oder Gebiet hat
sich normalerweise aus landschaftlichen Varietäten entwickelt.
Aus bestimmten Gründen hat sich im Laufe der Geschichte einmal
eine bestimmte Varietät durchgesetzt und zur Standardsprache
entwickelt. Die Normierung der Sprache und der Unterricht in der
normierten Sprache führen zu einem Rückgang der Dialekte.
Trotzdem geben die Sprecher aus den einzelnen Regionen ihre regionale
Varietät meist nicht ganz auf, weil sie als ein Ausdruck
der eigenen Persönlichkeit gesehen wird. Auch eine Sprechergruppe
kann sich über den Gebrauch der regionalen Varietäten
als eigene Gruppe definieren und von anderen Gruppen absetzen.
Der Wortschatz einer Sprache kann in vier verschiedene Sprachniveaus eingeteilt werden. Gebräuchlich ist die folgende Unterteilung:
1. Der neutrale unmarkierte Wortschatz, z.B. Auto. Die Wörter aus diesem Wortschatz können in jedem sozialen Kontext gebraucht werden, ohne daß man im negativen oder positiven Sinn von der Norm abweicht.
2. Das formelle Sprachniveau, in unserem Beispiel Wagen.
3. Das informelle Sprachniveau, hierzu könnte bei Autos z.B. Kiste gehören.
4. Darunter besteht noch ein vulgäres Sprachniveau,
für dieses Sprachniveau ist mir keine Bezeichnung für
Auto bekannt. Wörterbücher markieren häufig
das Sprachniveau. Im großen Van Dale Deutsch-Niederländisch
verzeichnet ein aufwärts- bzw. abwärtsgerichteter Pfeil,
daß das niederländische Äquivalent auf einer etwas
höheren oder niedrigeren Sprachebene angesiedelt ist.
Wenn man ein Wort lernt, ist es sehr wichtig zu wissen,
auf welchem Sprachniveau dieses Wort angesiedelt ist. In einer
Fremdsprache macht man damit normalerweise viele Fehler. Unglücklicherweise
ist es so, daß der Gebrauch von vulgären Wörtern
in relativ formellen Situationen bei jemanden, der schon recht
gut die Sprache beherrscht, weniger als ein Sprachfehler, sondern
eher als ein Zeichen von schlechter Kinderstube angesehen wird.
Insofern sollten Sie ganz besonders darauf achten, die allzu saloppen
und vulgären Wörter zu vermeiden, wenn sie von der Situation
her nicht angemessen sind.
Der Sprachgebrauch wird beeinflußt durch soziale
Faktoren wie Status des Sprechers, auch Ausbildungsniveau, Beruf,
Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Religion und
politische Überzeugung, um nur einige zu nennen. Der Sprachgebrauch
verrät also, zu welcher sozialen Gruppe man gehört,
teils unbewußt, teils wird er auch von Sprechern bewußt
so eingesetzt, daß man sie als Angehöriger einer bestimmten
Gruppe erkennt. Ein Beispiel wäre der Gebrauch des Wortes
"Studierende" für "Studenten und Studentinnen",
womit man seine politische Korrektheit demonstriert. Gruppen können
eigenen Wortschatz entwickeln, mit denen sie sich von anderen
Gruppen absetzen, das ist z.B. bei der sogenannten Jugendsprache
der Fall, ebenso gibt es Gruppensprachen von Feministinnen, Motorradfahrern
u.v.a. Unterschiede zur Standardsprache gibt es bei den meisten
deutschen und niederländischen Varietäten nur im Bereich
des Wortschatzes, nicht in der Grammatik.
Im Niederländischen gibt es wie im Deutschen
Gruppensprachen. So nennen z.B. Studierende es doorroeien,
wenn sie eine Nacht durchlernen, oder Fußballspieler nennen
ihre Schuhe slof.
Es gibt Wörter, die in einer bestimmten Bedeutung
nur durch bestimmte Gruppen von Sprachbenutzern gebraucht; sie
sind im Wörterbuch dann auch als Fach- oder Gruppensprachen
markiert. Wenn man eine fremde Sprache benutzt, ist es wichtig,
vorsichtig zu sein mit solchen Wörtern. Wenn man sie in der
falschen Situation gebraucht, kann man in Schwierigkeiten kommen.
In diesem Bereich lassen gleich mehrere Aspekte unterscheiden.
Es ist wichtig, sich klarzumachen, daß dies hier ein Bereich
ist, worin es viele und schnelle Änderungen gibt. Das gilt
nicht so sehr für die Sprache traditioneller Berufe oder
Beschäftigungen wie etwa der Jäger- oder Seemannssprache,
wohl aber für die Sprache altersbedingter Gruppen wie etwa
Jugend- oder Schülersprache. Es kann sich dabei durchaus
um Wortformen aus dem standardsprachlichen Wortschatz handeln,
sie weisen dann aber eine weitere Bedeutung auf. So finden sich
in der Jägersprache Löffel für 'Hasenohren'
und Blume für 'Hasenschwanz' neben einer spezifischen
Grubformel wie Waidmannsheil. Weitere Fachsprachen sind
etwa die Seemannssprache, die Soldatensprache oder die Winzersprache.
Die Grenze zu den Fachtermini ist hier fließend. Ein weiterer
wichtiger Bereich ist der des Sports. Hier dringen manchmal auch
Wörter in die Standardsprachen: abseits ('buitenspel')
findet sich - wie im Niederländischen - auch in übertragener
Bedeutung. Altersbedingte Sondersprachen sind die Jugendsprache
(ätzend, tote Hose), die Schülersprache
(pauken, die Penne) oder die Studentensprache (die
Studis).
Es gibt Lexikoneinträge, die in einer bestimmten
Bedeutung zu einem bestimmten Fachgebiet gehören. Man nennt
sie Fachtermini. Viele Fachtermini sind lexikalische Einheiten,
die zum allgemeinen Wortschatz der Sprache gehören, aber
in ihrem Fachgebiet eine ganz genaue Bedeutung bekommen. So ist
z.B. in der Physik "Leistung" definiert als "Arbeit
geteilt durch Zeit". In der allgemeinen Bedeutung ist aber
Leistung unabhängig von der investierten Zeit.
Es gibt spezielle Fachwörterbücher, in
denen Fachtermini des jeweiligen Fachs aufgenommen sind. Große
zweisprachige Wörterbücher enthalten üblicherweise
auch einige Fachtermini, aber keineswegs alle. Sie müssen
eine Auswahl treffen und geben normalerweise deshalb auch nur
die gebräuchslichsten Fachtermini an. In einer bestimmten
Fachterminilogie kann ein allgemeinsprachlich vorkommendes Wort
etwas ganz anderes heißen, damit müssen Sie rechnen,
wenn Sie Fachtexte lesen.
Fachtermini entstehen nicht immer spontan, sondern
sie werden manchmal entwickelt, z.B. mithilfe von einer griechischen
oder lateinischen Wurzel oder aufgrund des Wortschatzes einer
modernen Sprache. Fachtermini werden oft durch Angehörige
des entsprechenden Fachs definiert und festgelegt. Fachtermini
werden manchmal von speziellen Gesellschaften entwickelt, z.B.
vom Deutschen Institut für Normung (DIN).
Es gibt einerseits lexikalische Einheiten, die zum
allgemeinen Sprachgebrauch gehören - hier Wörter genannt
-, und andererseits Fachtermini, die zu einem bestimmten Fachgebiet
gehören. Die Grenze zwischen den beiden kann man nicht immer
genau feststellen, und einzelne lexikalische Einheiten haben sowohl
einen allgemeinen als auch einen fachspezifischen Gebrauch. Es
gibt aber eine Anzahl von Unterschieden zwischen normalen Wörtern
und Fachtermini: Fachtermini sind normalerweise monosem (gemacht)
in ihrem Fachgebiet, während normale Wörter häufig
polysem sind, also verschiedene Bedeutungen haben. Im allgemeinen
Wortschatz einer Sprache sind die Substantive die größte
Wortgruppe, dannach folgen Adjektive, Verben, Adverbien, Konjunktionen,
Präpositionen, Pronomina und Partikeln - in dieser Reihenfolge.
Bei Fachtermini ist die Aufteilung des Wortschatzes vollkommen
anders. Die Anzahl der Substantive ist noch höher als in
der Allgemeinsprache, dafür ist die Anzahl der gesamten Funktionswörter
bei Null. Fachtermini haben fast nie eine Konnotation, sie bezeichnen
einfach den definierten Gegenstand. Die Entwicklungsgeschwindigkeit
des Wortschatzes in einzelnen Fachgebieten ist oft sehr viel höher
als in der Allgemeinsprache, es kommen täglich neue Fachtermini
dazu.
Unter "Jargon" versteht man ein Fachterminus, der nur in der gesprochenen Sprache vorkommt.
Jeder Sprachbenutzer kann, wenn er will, neue Wörter
fabrizieren, und auf diese Weise wird dem Wortschatz einer Sprache
immer neues Material zugefügt. Diese Wörter müssen
aber nicht allgemein akzeptiert werden und müssen sich nicht
durchsetzen. Es gibt ein Menge von Eintagsfliegen, Wörter
die nach kurzer Zeit wieder aufgegeben werden oder durch andere
ersetzt werden.
Für neue Erscheinungen brauchen wir neue Wörter.
Diese Art von neuen Wörtern nennt man "konzeptionelle
Neologismen". Es geht meistens um neue Erscheinungen auf
dem Gebiet der Technik oder in der Gesellschaft, z.B. Fax
oder Leihmutter. Häufig werden diese Wörter aus
einer fremden Sprache übernommen, im technischen Bereich
ist es meist das Englische. Sie werden aber dann im Deutschen
und im Niederländischen nach den Regeln der dortigen Flexion
behandelt, also z.B. faxen ist sowohl im Deutschen als
auch im Niederländischen als ein regelmäßiges
Verb in die Sprache aufgenommen worden.
Es gibt nicht nur für neue Phänomene, sondern
auch für bestehende Phänomene neue Wörter, die
man "stilistische Neologismen" nennt. Sie haben dann
oft andere Bedeutungsnuancen oder andere Konnotationen als das
ursprüngliche Wort. Ein Beispiel wäre Alkoholkranker,
womit die abwertenden Konnotationen von Alkoholiker vermieden
werden sollten.
Wörterbücher sind meistens sehr vorsichtig
mit dem Aufnehmen von Neologismen, weil man nicht weiß,
ob sich diese Wörter wirklich durchsetzen werden. Wenn Sie
vermuten, daß ein Wort sehr neu ist, können Sie ein
spezielles Neologismen-Wörterbuch benutzen.
Während neue Wörter relativ schnell im
allgemeinen Sprachgebrauch aufgenommen werden, dauert es oft sehr
lange, bis ein Wort endgültig aus dem allgemeinen Sprachgebrauch
verschwunden ist. Es ist nicht einfach festzustellen, ob ein Wort
tatsächlich von niemandem mehr gebraucht wird. Das ist ein
Grund, warum Wörterbücher veraltete Wörter nicht
allzu schnell aufgeben. Es kommt dazu, daß Leser auch ältere
Texte mithilfe des Wörterbuchs lesen. Aber selbst in modernen
literarischen Texten kann man veraltete Wörter finden. Die
Schreiber benutzen sie nämlich, um einen rhetorischen Effekt
zu erreichen, insbesondere um ihre Aussage als ironisch zu markieren.
Veralteter Sprachgebrauch ist im Lexikon üblicherweise markiert
mit einer entsprechenden Abkürzung, die Van Dale-Wörterbücher
benutzen die Abkürzung "vero." (verouderd).
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Das Wort Etymologie kommt aus dem Griechischen. Heute
bezeichnet es die Lehre von der Herkunft und Geschichte von Wörtern.
In der Antike entsprach die Suche nach der ursprünglichen
semantischen Motiviertheit eines Wortes der Suche nach dem Wesen
und Ursprung des durch das Wort bezeichneten Dinges, welche man
in der ursprünglichen Bedeutung der Wörter zu finden
glaubte. Die historisch vergleichende Wissenschaft des 18. und
19. Jh. benutzte die Erforschung etymologischer Zusammenhänge
zur Rekonstruktion einer gemeinsamen indo-europäischen Grundsprache
und als Beleg für einzelsprachliche Verwandtschaftsbeziehungen.
Die Kenntnis der Etymologie kann eine Hilfe sein
beim Begreifen von Wörtern und Redewendungen. So erklärt
z.B. die Herkunft des Wortes das Mannequin, wieso dieses
Wort ein Neutrum ist. Ursprünglich war es ein flämisches
Wort mannekijn und bedeutete "kleiner Mann, kleine
Puppe". Es wurde ins Französische übernommen als
mannequin und bekam die heutige Bedeutung von "Frau,
die Kleidung vorführt". Als ursprüngliche Verkleinerungsform
blieb das Genus im Deutschen wie bei allen Verkleinerungsformen
Neutrum.
Unter Volksetymologie versteht man eine Erklärung
einer Sprachgemeinschaft, die fremde oder nicht verständliche
Wörter auf ihnen bekannte zurückführen will, ohne
den historischen Prozeß zu kennen. Z.B. ist das französische
Wort choucroute, ein assimiliertes Lehnwort zu deutsch
Sauerkraut in der französischen Volksetymologie als
Zusammensetzung von chou (Kohl) und croûpe
(Kruste) bedeutet.
Die Etymologie gibt uns eine bessere Einsicht in
den Aufbau des Wortschatzes einer Sprache, aber sie kann uns auch
auf falsche Fährten leiten. Im Deutschen und Niederländischen
gibt es sehr viele Wörter mit einem gemeinsamen Ursprung,
die sich aber im Laufe der Sprachentwicklung in ihrer Bedeutung
weit voneinander entfernt haben. Weil dieses Phänomen so
enorm verbreitet ist bei diesen beiden sehr verwandten Sprachen,
gibt es dafür spezielle Lehrmaterialien, auf die wir an dieser
Stelle verweisen wollen, weil das Thema zu umfangreich ist, um
hier darauf einzugehen.
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Jede lexikalische Einheit hat eine bestimmte Vorkommenshäufigkeit
(Frequenz). Beim Erlernen einer lexikalischen Einheit ist dies
ein nicht unwichtiger Aspekt.
Für viele Sprachen sind auf der Grundlage bestimmter Textkorpora
Frequenzlisten erstellt worden. Es läßt sich so feststellen,
welche die frequenten und weniger frequenten lexikalischen Einheiten
einer Sprache sind. Es ist aber nicht einfach, festzustellen,
welche die 5000 frequentesten Wörter des Deutschen sind.
Im Grunde gelten solche Feststellungen nur für das Korpus,
das zur Erhebung benutzt wurde, es sei denn, es handelt sich um
ein sogenanntes repräsentatives Korpus. Die gibt es allerdings
vorwiegend als theoretische Konstrukte. Es gibt beispielsweise
Wörter, die nur in der gesprochenen Sprache vorkommmen, dort
aber eben äuberst frequent sind oder umgekehrt Wörter,
die etwa nur in juristischen Texten vorkommen. Ein weiteres Problem
ist das der Wortformen oder anders gesagt: Was wird gezählt?
Normalerweise werden die einzelnen Wortformen gezählt.
Sie werden allerdings meist lemmatisiert, d.h. die Wortformen,
also hier die Flexionsformen, eines Wortes werden der Zitierform
zugeordnet. Bei der Lemmatisierung werden nicht die "tokens"
gezählt, also die einzelnen Erscheinungsformen, sondern die
Lemmata. So sind also sing und sang zwei Formen
des gleichen Lemmas singen. Weil man nur die Lemmata zählt,
entstehen Probleme bei polysemen oder homonymen Wörtern.
Die Gesamtfrequenz eines Lemmas sagt nichts über die einzelnen
Bedeutungen aus, vgl. die verschiedenen Bedeutungen der Wortform
Band.
Bei der Bestimmung der Äquivalenzrelation zwischen
zwei lexikalischen Einheiten einer Sprache ist die Frequenz neben
Bedeutung und Gebrauchsbedingungen ebenfalls wichtig. Auch bei
abstrakten oder sogar grammatischen Wörtern begegnen einem
Frequenzunterschiede, beispielsweise beim Vergleich des niederländischen
men und dem deutschen man. In lockerer geschriebener
und gesprochener Sprache findet sich im Niederländischen
nämlich oft je. Das Deutsche hat diese Möglichkeit
nicht, wohl aber die oben verwendete reflexive Konstruktion. Daneben
gibt es im deutschen Sprachraum BefürworterInnen einer Differenzierung
zwischen man und frau. Die ausschließliche
Verwendung von man wird als nicht frauenfreundlich gesehen.
Ein Kompromißvorschlag war mensch, aber damit
sind wir wieder bei den sozialen Varietäten; wer so schreibt
oder sogar spricht, will seine politische Korrektheit zeigen.
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Die vorigen Kapitel sollten eine Übersicht geben
über die wichtigsten Aspekte von Wortschatzkenntnis. Die
Basisidee war ziemlich einfach: Wenn man Texte gut verstehen will
und korrekte und effektive Äußerungen in der Fremdsprache
produzieren will, dann muß man nicht nur einen breiten Wortschatz
haben, sondern auch einen "tiefen" Wortschatz. In diesem
Kapitel werden nun ein paar Beispiele gegeben für den Nutzen
von einem solchen "tiefen" Wortschatz, außerdem
betrachten wir kurz den allgemeinen Nutzen von Wortschatzkenntnissen
für Philologie-Studenten.
Beim Lesen von Texten in einer Fremdsprache ist es
wichtig, auf die unbekannten Wörter zu achten. Wenn man sie
einfach überliest, fehlen sie einem möglicherweise zum
Verstehen von einem größeren Teil des Textes als dem
Satz, in dem sie vorkommen. Aber man muß auch nicht gleich
nach dem Wörterbuch greifen, denn oft kann man ohne Wörterbuch
auskommen. Durch die Kenntnis, die man schon über Wörter
hat, und mithilfe von allgemeinen Lesestrategien, kann man die
Bedeutung von neuen Wörtern oft selbst raten. Das ist gut
für das Entwickeln der Lesefertigkeit im allgemeinen, weil
man sich dabei trainiert, genau und auch kritisch zu lesen, es
ist auch gut für den Aufbau einer aktiven Haltung in bezug
auf die Wortschatzerweiterung.
Theoretisch gibt es ein paar Schritte, die man unternehmen kann, um die Bedeutung eines Wortes zu raten. Im folgenden sind sie zusammengestellt:
a) Ermitteln, was es ist, das man nicht versteht, das kann helfen bei der Bestimmung des in Frage kommenden Worts.
b) Für sich selbst ermitteln, ob es wichtig ist, die Bedeutung dieses Wortes zu kennen.
c) Falls ja, die Wortart des entsprechenden Worts bestimmen. Dabei kann man nach Affixen sehen, oder die grammatische Funktion des Wortes im Satz ermitteln. Man sollte darauf achten, daß eine lexikalische Einheit aus mehreren Wörtern bestehen kann.
d) Überprüfen ob die lexikalische Einheit aus Wörtern oder Wortteilen besteht, die man kennt.
e) Den ganzen Satz gründlich durchlesen.
f) Den Text um diesen Satz herumlesen, sowohl die Sätze davor als auch die Sätze danach. Wenn die unbekannte lexikalische Einheit einen wichtigen Status im Text hat, dann kommt es oft vor, daß die danach folgenden Sätze nützlich sind für die Bestimmung der möglichen Bedeutung der unbekannten lexikalischen Einheit, es kann z.B. danach ein Beinah-Synonym der lexikalischen Einheit im Text vorkommen.
g) Die Schritte a, c und d benutzen, um eine Idee über die Bedeutung der lexikalischen Einheit zu entwickeln.
h) Im folgenden kontrollieren, ob diese Idee in den Text paßt, man kann dazu die Wortart noch einmal kontrollieren, man kann sehen, ob die lexikalische Einheit mit dieser Bedeutung gut in den Satz paßt, und man kann kontrollieren, ob der ganze Textabschnitt, in dem die lexikalische Einheit steht, gut zu verstehen ist. Danach muß man die lexikalische Einheit in einem Wörterbuch nachsehen, um seine Hypothese zu verifizieren. Dieser letzte Schritt ist essentiell! Es kommt nämlich vor, daß die geratene Bedeutung nicht die richtige ist. Wenn keine Kontrolle mithilfe des Wörterbuchs wäre, versteht man nicht nur den Text falsch, sondern es prägt sich auch die so geratene falsche Bedeutung im Gedächtnis ein.
Je mehr man Wörter aus dem Zusammenhang rät,
um so mehr Übung bekommt man darin, und das verbessert die
Fähigkeit, selbständig zu lernen, und es verbessert
auch die allgemeine Lesefähigkeit.
Beim Schreiben von Texten ist es wichtig, die einzelnen
Textteile explizit miteinander zu verbinden. Man nennt das Kohäsion
des Textes, eine gute Kohäsion des Textes fördert die
Lesbarkeit. Lexikalische Wiederholung und lexikalische Variation
gehören zu den Mitteln, mit denen man Kohäsion im Text
herstellen kann.
Wenn man in einem Text immer dieselben Wörter und Redewendungen gebraucht, kann er langweilig wirken. Deswegen wird in Ratgebern zum guten Schreiben meist gesagt, man müsse für lexikalische Variation sorgen. Es gibt aber Ausnahmen. 1. muß man, wenn man Dinge kontrastiert, die konstant bleibende Information mit denselben Wörtern wiedergeben. Ein Beispiel:
Eine Firma, die umweltfreundliche Produkte herstellt, ist nicht unbedingt so "sauber" wie eine Organisation, die mit ökologisch vertretbaren Produktionsmitteln arbeitet.
Eine Firma, die umweltfreundliche Produkte herstellt, ist nicht unbedingt so "sauber" wie eine Firma, die mit umweltfreundlichen Produktionsmitteln arbeitet.
In der ersten Version gibt es eine Variation zwischen Firma und Organisation und zwischen umweltfreundlich und ökologisch. Das macht es für den Leser nicht sofort klar, daß es in diesem Satz nur darum geht, Produkte gegen Produktionsmittel abzusetzen.
Ein zweites Beispiel betrifft Fachtermini. Fachtermini
sind exakt definiert und haben keine Synonyme, folglich ist es
sinnlos, nach Alternativen zu suchen, das kann die Lesbarkeit
des Textes nur stören.
Wenn lexikalische Variation auch manchmal gefährlich
sein kann, ist es im allgemeinen schon gut, nicht immer dasselbe
Wort zu gebrauchen. Ein einfaches Mittel, für Abwechslung
zu sorgen, ist, Wörter aus derselben morphologischen Familie
zu gebrauchen, z.B. Anwesenheit und anwesend. Man
kann auch Wörter aus dem selben semantischen Feld benutzen,
z.B. anfordern, verlangen, fordern, auferlegen, sich
aufbürden.
Man kann seine lexikalische Kenntnis auch benutzen,
um kreativ mit der Sprache umzugehen. Je mehr man mit der Art
des Wortschatzes in der fremden Sprache vertraut wird, um so mehr
merkt man, daß man es durchaus wagen kann, selbst neue lexikalische
Einheiten zu "bauen", und daß man eine recht gute
Garantie dafür hat, daß die Bedeutung dieser lexikalischen
Einheiten zu verstehen ist. Wenn man z.B. die produktiven Affixe
und die normalen Wortbildungsmuster der fremden Sprache ein bißchen
kennt, kann man seinen Wortschatz in der Sprache erheblich vergrößern.
Man kann durchaus noch nicht gebräuchliche Wortformen bilden,
wie etwa Verbableitungen auf -bar: findbar, riechbar.
Das Muster besteht genauso im Niederländischen: vindbaar,
reukbaar. Da diese Bildungen einem produktivem Muster folgen,
wird ein native speaker sie verstehen.
Wenn man das Examen in Niederlandistik oder "Deutsch-Niederländische
Sprach- und Kulturkontraste" hat, dann ist man eine Art Experte
in diesem Fach oder wird zumindest so angesehen. Das bedeutet
auch, daß man lexikalische Fähigkeiten entwickelt hat.
Was sind nun die wichtigsten Eigenschaften des Wortschatzes eines
Experten? Experten wissen viel über die Lexikoneinheiten,
die zu ihrem Wortschatz gehören. Und der Wortschatz selbst?
Am Ende des Studiums werden Sie einen großen Wortschatz
im Niederländischen haben. Das wird zu einem großen
Teil allgemeiner Wortschatz sein und die aktiv beherrschten Wörter
sollten auch in der Tiefe bekannt sein.
Wenn Sie Examen machen, wird man von Ihnen erwarten, daß Sie flüssig und mit Selbstvertrauen in niederländischer Sprache sprechen können. Dabei ist ein ganz wesentlicher Bestandteil, daß Sie Techniken beherrschen, mit denen sie das Gespräch organisieren können. Dies ist keineswegs nur ein Merkmal der Persönlichkeit, es hat ganz wesentlich mit lexikalischen Kenntnissen zu tun. Man braucht die nötigen lexikalischen Mittel zur Redeeinleitung, zum Abschwächen der eigenen Position, zur Markierung von Höflichkeit usw. Im folgenden einige Beispiele hierfür:
Die eigene Meinung mitteilen
1) Zustimmend
Precies!
Inderdaad!
Naar mijn mening zou dat een goede zaak zijn
2) Abwägend
Ja, daar zit misschien wel iets in...
Het lijkt me dat...
Het hangt ervan af...
3) Ablehnend
Nee, dat vind ik niet!
Ik denk van niet!
Wat een onzin!
Kritisieren
1) Direkt und informell:
Dat heb je verkeerd gedaan!
Dat is niet in orde!
Ik vind dat je niet goed functioneert!
2) Direkt und formell:
Dat heeft u niet goed gedaan,
Het spijt me dat ik het u moet zeggen, maar ik vind het niet
mooi.
Doet u toch niet zo onbeleefd!
3) Indirekt und formell:
Wist u dat...?
Zou u het heel erg vinden om...?
Vindt u het niet vreemd...?
Auf Kritik reagieren
1) Formell
O, wat spijt me dat!
Neemt u me niet kwalijk, ik lette niet op!
Zou u me kunnen uitleggen wat er niet goed is?
Ik begrijp niet goed wat u bedoelt!
2) Informell
Sorry!
O, wat dom van me!
Het is mijn fout!
Hoe bedoel je dat?
Wat klopt er dan niet?
Hoe moet het dan wel?
Sehr ausführlich, und nach Situationen geordnet werden solche Redemittel in der Reihe: Manieren van praten von Yolande Timmermann (erschienen bei Wolters-Noordhoff, 1993, 2 Bände) behandelt.
Bei der Schreibfertigkeit wird erwartet, daß Sie Texte über komplexe Themen schreiben können, und zwar so, daß sie kohärent sind. Um dies zu leisten, muß man alle Verbindungswörter kennen. Im folgenden sehen Sie ein paar Beispiele von wichtigen Verbindungswörtern, die Studierende leider nicht oft genug benutzen:
Im übrigen...(voor het overige...)
Im Gegensatz zu dieser These...(in tegenstelling tot deze opmerking...)
Trotzdem...(desondanks..., niettemin...)
übrigens (trouwens)
Wenn Sie Examen haben, wird von Ihnen erwartet, daß
Sie über Themen im Deutsch-Niederländischen Sprach-
und Kulturvergleich auf einem hohen Niveau diskutieren und schreiben
können. Sie haben in Ihrem Studium gemerkt, daß verschiedene
Teilgebiets des Fachs Ihre eigene Fachterminologie haben, und
man erwartet von Ihnen, daß Sie diese Terminologie kennen
und benutzen können. Sie sollten im Laufe Ihres Studiums
die Fachtermini in Ihren elektronischen Karteikasten (kaartbak)
aufnehmen, wobei Sie die Wörter mit den nötigen Kommentaren
versehen sollten in bezug auf ihre Zugehörigkeit zu einem
Spezialwortschatz.
Als Spezialist für Deutsch-Niederländische
Sprach- und Kulturkontraste sollten Sie wissen, was die bekanntesten
Fehler sind, die Niederländer im Deutschen und Deutsche im
Niederländischen machen. Man muß dafür sorgen,
daß man sie selbst nicht macht, man muß aber auch
andere davor warnen können. Weil das Deutsche und Niederländische
so ähnlich sind, aber Bedeutungen stark voneinander abweichen
können bei recht ähnlich klingenden Wörtern, ist
es ganz wichtig, sich die Wörter zu merken und aufzuschreiben,
die oft falsch gebraucht werden. Bestehende Fehlersammlungen,
wie die von van Megen und Lange sind dabei eine große Hilfe.
(Megen, Jan v., 1992. Verwante talen - vreemde vrienden.
Muiderberg. Lange, Klaus-Peter, 1993. Fehlergrammatik Niederländisch-Deutsch.
Bussum)
Eine gute Kenntnis einer Sprache verlangt auf jeden
Fall gute grammatische und lexikalische Kenntnis. Sie können
alle möglichen Sätze im Niederländischen grammatisch
analysieren. Sie kennen auch die spezifischen syntaktischen Merkmale
und Regeln des Niederländischen. Natürlich erwartet
man von Ihnen, daß Sie diese Regeln auch anwenden können.
Das gilt auch für den Wortschatz. Auch hier kennen Sie die
spezifischen Merkmale und Regeln, und Sie wenden sie rezeptiv
und produktiv richtig an. Sie können einen Text nicht nur
gut verstehen, sondern Sie können auch angeben, was die spezifischen
Textmerkmale sind, und Sie können außerdem den besonderen
Wert der durch den Autor benutzten lexikalischen Mittel beurteilen.
Auch Sie selbst können die richtigen Wörter benutzen
und die für die Textsorte angemessenen Stilmittel wählen.
Durch den richtigen Gebrauch der lexikalischen Merkmale und Regeln
des Niederländischen sprechen Sie idiomatisch richtig. Die
im folgenden angebotenen Übungen sollen diesem Ziel dienen.
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