Pneumonie versus Pneumonitis

 

  - Infektions- und Schädigungswege der Lunge
- Definitionen: Pneumonie - Pneumonitis
- ICD-Klassifikationen
- Bildgebende Verfahren
- Angemessenheit (ACR-Kriterien)
- Radiomorphologische Zeichen
- Schlußfolgerungen

 

 

 

Infektions- und Schädigungswege der Lunge

 

 

Definition der Pneumonitis nach Wichert:

Die Pneumonitis ist durch die Einwirkung physikalischer und chemischer Noxen von der infektiösen Pneumonie zu unterscheiden. Davon wiederum abzugrenzen ist die allergische Alveolitis. (Quelle: Thomas.Spezielle Pathologie.Schattauer-Verlag)

 

Definition der Pneumonitis nach Sybrecht:
Pneumonitis ist eine nicht erregerbedingte Entzündungsreaktion der Lungengewebes auf physikalische (z.B. Strahlung) oder chemische (z.B. Pharmaka) Reize. (Quelle: Sybrecht. Pneumologie. Urban & Schwarzenberg, S. 292)

 

"Entzündliche" Lungenerkrankungen - Noxen:

- Bakterien - Physikalische Noxen
- Viren - Chemische Noxen
- Pilze - Pneumokoniosen
- Helminthosen - Kollagenosen
- allergische Reaktionen  

 

 

Bildbeispiele:
Bronchial-Npl re, Strahlenpneumonitis

 

ICD-9 Verschlüsselung

a) Doppelnennungen sind möglich: 164 Nennungen unter Pneumonie, 20 Nennungen unter Pneumonitis

Beispiele:

- 508.9 Pneumonie durch Bestrahlung
dennoch handelt es sich bei diesem Krankheitsbild um eine klassische Form der Pneumonitis da ausgelöst durch physikalische Noxen !

- 518.3 Allergische Pneumonie und 495.8 Allergische Pneumonitis
handelt es sich bei diesen beiden unterschiedlichen Schlüsseln um die selbe Entität?

- 507.0 Aspirationspneumonie und 507.0 Anästhesie: Richtige Substanz ordnungsgemäß verabreicht (Pneumonitis)
hier: selber Schlüssel aber unterschiedliche Noxen

- 484.8 Typhus Pneumonie
- 484.8 Varizellen Pneumonie
- 484.8 Ascariasis (Spulwurm) Pneumonie
- 484.8 Konnatale (erworbene) Pneumonie
selber Schlüssel - unterschiedliche Entitäten

- 518.3 Eosinophile Pneumonie
- 518.3 Eosinophile Pneumonitis
Die freie Auswahl !

 

Klinik: Pneumonie versus Pneumonitis

Klinik häufig unspezifisch:

- Produktiver Husten - Brustschmerz
- Trockener Husten - Erschöpfung
- Dyspnoe - Veränderungen der Lungenfunktion
- Fieber - Abfall des PO2 im Blut
- Hämoptoe - Gewichtsverlust

 

 

 

Zur radiologischen Darstellung der Lunge ist das Mittel der ersten Wahl:
Thoraxübersichtsaufnahme
danach folgen: CT und HRCT

 

Vorteile der Thoraxübersichtsaufnahme und der (HR-)CT

Thoraxübersichtsaufnahme

(HR-)CT

- breite Verfügbarkeit - hohe Orts-/Kontrastauflösung
- geringe Belastung für den Patienten - Darstellung bis auf die Ebene des sekundären Lobulus möglich
- niedrige Kosten - Spezialindikationen vorbehalten

 

Bronchiendarstellung

Darstellbarkeit pulmonaler Strukturen: Bronchien

(aus Galanski M, Prokop M. Ganzkörper Computertomographie. Thieme 1998)

 

Parenchymdarstellung

Darstellbarkeit pulmonarer Strukturen: Parenchym (aus Galanski M, Prokop M. Ganzkörper Computertomographie. Thieme 1998)

 

 

Angemessenheitskriterien für die Rö-Thorax-Untersuchung

Symptom Schlüssel
Dyspnoe:
jedes Alter, positiver physikalischer Befund
8
über 40 Jahre, kein physikalischer Befund
8
unter 40 Jahre, kein physikalischer Befund, aber andere Zeichen, schwere Dyspnoe, Risikofaktoren
8
unter 40 Jahre, kein physikalischer Befund
NC
Akute Atemwegserkrankung:
unkompliziertes Asthma
4
Alter unter 40 Jahre, klinischer Befund negativ, keine anderen Zeichen
4
exazerbierte COPD, unkompliziert
6
Alter über 40 Jahre
8
Demenz, jedes Alter
8
Alter unter 40 Jahre, positive klein. Untersuchung, Risikofaktoren
8
Akutes Asthma, V.a. Pneumonie, Pneumothorax
9
exazerbierte COPD, Leukozytose, Sz, Anamnese KHK,HI
9

Angemessenheit der Untersuchung:
1-2 obsolet - nicht indiziert
3-4 indiziert, selten Zusatzbefunde
5-6 indiziert, häufig Zusatzbefunde
7-8 indiziert, in der Regel konklusiv
9 absolut indiziert

 

Radiomorphologische Zeichen

Atypische Pneumonie
Segment-/Lobärpneumonie
Bronchopneumonie
Sonderformen:
Alveolitis-Lungenfibrose
Einschmelzungen - Pilzpneumonie
Infarktpneumonie - vaskuläre Befunde
DDx: Atelektase

 

Schlussfolgerungen:
  • Reaktionsmuster der Lunge auch im Rö-Bild begrenzt
  • Anamnese extrem wichtig !
  • Klinik mitunter inkonklusiv, dann Bildgebung hilfreich
  • Klassifikationsprogramme "arztgerecht" machen
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