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Radiologiescript

Röntgenaufnahme 
Material zur Vorlesung "Einführung in die Radiologie - Anatomie in der Bildgebung"
Prof. Dr. K. J. Klose: Medizinisches Zentrum für Radiologie
Klinik für Strahlendiagnostik, Klinikum der Philipps-Universität Marburg


    3 Grundlagen der Bildanalyse
    3.1 Das "6-D"-Schema
    3.2 Anatomie, Makropathologie, Physik
    3.3 Analysekriterien
      3.3.1 Körperhöhlen (natürlich und unnatürlich)
      3.3.2 Parenchymatöse Organe
      3.3.3 Hohlorgane und tubuläre Strukturen
      3.3.4 Sonderformen
      a) Interaktive Prozesse
      b) Komplexe Läsionen
    3.4 Nosologie

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3 Grundlagen der Bildanalyse

Der Körper hat nur eine begrenzte Möglichkeit auf krankhafte Prozesse zu reagieren. Hierbei entwickeln sich mehr oder weniger ausgeprägte Muster, die mit bildgebenden Verfahren intravital (Endoskopie, Radiologie) oder im Präparat (Pathologie) erkannt und eingeordnet werden können. Wie in anderen Wissenschaftsbereichen (z.B. Geographie) können heute diese Muster auch zunehmend durch Computerprogramme erkannt und klassifiziert werden (automatische Mustererkennung = pattern recognition als Grundlage für die Computer aided diagnosis (CAD)). Grundlage hierfür ist eine präzise Definition und Beschreibung der Bildmuster.

In der Endoskopie und Pathologie wird neben der rein morphogischen Information (Bildmuster - pattern) auch die Farbinformation (z.B. Schleimhautrötung bei Entzündung, Spezialfärbungen zum Nachweis bestimmter Substanzen) für die Differentialdiagnose genutzt. Die Farbinformation entfällt bei der Diagnostik mit bildgebenden Verfahren. Lediglich für quantitative Aspekte wird sie heute auch in der Bildgebung genutzt (z.B. farbkodierte Duplexsonographie, Myokardszintigraphie)

In der radiologischen Diagnostik muss die makromorphologische Information durch präzise Bescheibung der vorhandenen Muster, ggfs unterstützt durch eine Kontrastmittelgabe (enteral, parenteral) klassifiziert werden. (Siehe hierzu auch Kap. 1.3)

Im Gegensatz zur Pathologie bzw. Histologie liefert die Diagnostik mit bildgebenden Verfahren nur in Ausnahmefällen (z.B. Fettgewebe in Lipomen) über eine Gewebecharakterisierung eine quasi-histologische Information.

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3.1 Das "6-D"-Schema

Die Vorgehensweise in der radiologischen Praxis kann sehr prägnant mit dem "6-D"-Schema zusammengefaßt werden
(Radiologe, 29, S.138-143, 1989).

Detect

Describe

Diagnosis

Document

Discuss

Differentiate

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3.2 Grundlagen der Bildanalyse:
Anatomie, Makropathologie, Physik

 

Die Technik des Röntgens, des Ultraschalls und der Magnetresonanz zur Erzeugung von medizinischen Bildern basiert auf unterschiedlichen physikalischen Messgrößen. All diese Techniken liefern überwiegend Aussagen zur Anatomie und möglichen Makropathologie. Insbesondere die Kontrastmittel- und Schnittbildverfahren geben jedoch zusätzlich auch physiologische bzw. biochemische Informationen.

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3.3 Grundlagen der Bildanalyse:
Analysekriterien

 

Die Analysekriterien für Projektionsradiographie, Kontrastmittel- und Schnittbildverfahren bauen aufeinander auf und sind wieder verwendbare Arbeitswerkzeuge.

Unterschiede ergeben sich für die jeweiligen physikalischen Verfahren (Röntgen, Ultraschall, Magnetresonanztomographie).

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3.3.1 Grundlagen der Bildanalyse
Analysekriterien:
Inhalt von Körperhöhlen (natürlich und unnatürlich)

 

Welche natürlichen Körperhöhlen kennen wir?
Mesotheliale Höhlen des Körpers (Pleura-, Perikard- und Peritonealhöhle)
Gelenkhöhlen (Arthrographie)

Äusserer Liquorraum (Myelographie)

 

 
Mesotheliale Höhlen
(Pleura-, Perikard- u. Peritonealhöhle)
Gelenkhöhlen
Liquorraum
Inhalt Ursache
Krankheitsbilder/Erscheinungsbilder

Luft

  • Inflammatorisch
  • Traumatisch
  • Iatrogen
Pneumothorax, Pneumoperitoneum, Pneumoperikard

Ausnahme:
Vakuumphänomen (bei Überdehnung, nicht pathologisch)

 

Flüssigkeit

  • Exsudat
  • Transsudat
  • Inflammatorisch
  • Traumatisch
Pleuraerguss, Aszites, Perikarderguss
(Pleuraerguss mit Drainage)
(Pleuraerguss - Hämatothorax)
   
Kalk   Pleuritis calcarea, Perikarditis calcarea    
Fremdkörper
  • Traumatisch
  • Iatrogen
Thoraxdrainage, Ventrikulo-peritonealer Shunt, Peritonealdialysekatheter    
Kontrastmittel
  • Iatrogen
Ausnahmeindikation Arthrographie Myelographie

 

Flüssigkeit (Pleuraerguss, Aszites, Perikarderguss) in den Körperhöhlen

Unterschiedliche Flüssigkeitsqualitäten sind in der Übersichtsaufnahme nicht zu unterscheiden!

Transsudat (spezifisches Gewicht unter 1015) Beispiel: Pleuraerguss bei Herzinsuffizienz
Exsudat (spezifisches Gewicht über 1018) Beispiel: Pleuraerguss bei Pneumonie
spezielle Exsudatformen: Hämato- und Chylothorax
Eitriger Erguss (bis hin zum Empyem = Eiteransammlung in einer präformierten Höhle)
maligner Erguss

Def. Exsudat (vom lat. exsudare = ausschwitzen)
Durch Entzündung bedingter Austritt von Flüssigkeit aus Blut- und Lymphgefäßen. Je nach Zusammensetzung serös, serös-eitrig, fibrinös, hämorrhagisch (blutig) oder jauchig.Exsudat hat ein höheres spezifisches Gewicht (über 1,018) als Transsudat.

Def. Transsudat (vom lat. sudare = schwitzen)
nicht entzündlicher Erguss in Körperhöhlen und Gewebe. Entsteht aufgrund allgemeiner oder lokaler Stauungen infolge abnormer Durchlässigkeit der Kapillaren oder pathologischer Zusammensetzung des Bluts und der Körperkolloide. Transsudat zeichnet sich aus durch Zellarmut und geringen Eiweißgehalt (unter 3 % ) und ist meist serös, selten (z.B. bei hämorrhagischer Diathese) bluthaltig. Das spezifische Gewicht, das vornehmlich vom Eiweißgehalt abhängt, liegt zwischen 1,005 und 1,015.

Körperhöhlen nicht-natürlichen Ursprungs können z.B. durch Abszesse entstehen.

Die bildgebenden Verfahren für Körperhöhlen und luminare Strukturen sind im Kapitel 2 (Kontrastmittel) beschrieben.

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3.3.2 Grundlagen der Bildanalyse
Analysekriterien:
Parenchymatöse Organe

 

Fokale Läsionen
  • uni-/multifokal
  • zystisch/solide
  • einfach/komplex
Segmentale Läsionen
  • singulär/multipel
  • vaskulär/tubulär vermittelt
  • mit/ohne Größenveränderung
Diffuse Läsionen
  • mit/ohne Architekturstörung
  • erhöhte/erniedrigte Dichte, Echogenität, Signalintensität
Anomalien
  • Form
  • Lage
  • Größe
  • Anzahl

 

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Grundlagen der Bildanalyse
3.3.3 Analysekriterien: Hohlorgane und tubuläre Strukturen

 

 

Die folgende Tabelle liefert einen Überblick, welchen makropathologischen Wirkungen Hohlorgane und tubuläre Strukturen im Organismus ausgesetzt sein können:

Lumenveränderungen
  • Füllungsdefekt
  • Dilatation/Stenose
  • Elongation/Verkürzung
Lageveränderungen
  • durch Zug/Druck
Struktur-/Wandveränderungen
  • herdförmig (siehe oben Läsionen)
  • Verdickung/Ausdünnung
  • Defekt

 

Entsprechend den allgemeinen Struktur-Prinzipien des Körpers (siehe hierzu auch Kap. 1.3) gibt es eine Reihe von tubulären Strukturen und Hohlorganen, die in der Regel Transportaufgaben im Körper erfüllen. Hierzu zählen:

ZNS Innere Liquorräume
CV Herzhöhlen und grosse Gefässe (arteriell und venös) inklusive der Organarterien und Venen
RESP Tracheobronchialsystem
GI Magen-Darm-Trakt mit drüsigen Anhangsgebilden und deren Ausführungsgängen
  • Speicheldrüsen: Mundspeicheldrüsen, Ohrspeicheldrüsen, Bauchspeicheldrüse
  • Leber mit galleableitenden Wegen und Gallenblase
URO Uropoetisches System mit Harnleiter, Harnblase und Harnröhre
REPRO Reproduktionsorgane mit Eileiter/Samenleiter, Cavum uteri/Samenblase, Scheide/Harnröhre sowie
  • Mamma mit Milchgängen
ZELL Immunsystem mit Lymphgefässen

 

Diese Strukturen werden durch krankhafte Prozesse verändert, die sich in Form immer wiederkehrender Bildmustern manifestieren.
Zu diesen Bildmustern gehören:

Entzündung
Tumor
Divertikel
Ulcus
Fistel
   
wandüberschreitende Prozesse
Stenose
Web, Ring
Blutung
Extrinsische
Interaktion
       

 

Viele der Prozesse treten in Kombination auf. So kann z.B. eine Entzündung durch die dadurch ausgelöste Schwellung auch zu einer Stenose führen.

Für weitere Informationen das jeweilige Bild oder den Begriff anklicken.

Die bildgebenden Verfahren für Körperhöhlen und luninare Strukturen sind im Kapitel 2 (Kontrastmittel) beschrieben.

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Grundlagen der Bildanalyse
3.3.4 Sonderformen: Interaktive Prozesse

 

Kurzschluß
  • AV-Fistel
  • AV-Malformation
  • AV-Shunt
Kompression
  • Pelottierung
  • Stenosierung
Infiltration
  • Verziehung
  • Stenosierung


Sonderformen: Komplexe Läsionen

Spiegel

Nebeneinander von Strukturen unterschiedlicher physikalischer Dichte

Meniskus-Zeichen

Nebeneinander einer einschmelzenden Läsion mit solidem Anteil (Fungus-Ball, Koagel, Tumor)

Sequester

Nebeneinander einer einschmelzenden Läsion mit abgestossenem Gewebe (Knochen, Abszeß)

 

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3.5 Grundlagen der Bildanalyse
Nosologie

Differentialdiagnose nach Ursachen (VICTIM I.N.D.P)

Zur Differentialdiagnose gehört die Abklärung der Krankheitsursachen - die Nosologie. Die krankheitsauslösenden Faktoren lassen sich grob in 10 Gruppen einteilen. Mit folgender Eselsbrücke werden alle wichtigen nosologischen Gruppen berücksichtigt:

 

V
Vaskulär
I
Inflammatorisch
C
Congenital
T
Trauma
I
Iatrogen
M
Metabolisch
In
Immunogen
Nomine
Neoplastisch
Dei
Degenerativ
Punctum
Psychogen

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