Logo des MZR-Marburg

Radiologiescript

MRT-Aufnahme Herz 
Material zur Vorlesung "Einführung in die Radiologie - Anatomie in der Bildgebung"
Prof. Dr. K. J. Klose: Medizinisches Zentrum für Radiologie
Klinik für Strahlendiagnostik, Klinikum der Philipps-Universität Marburg

zum Kapitelende

5. Herz- und Gefäßerkrankungen
5.1 Anatomische Strukturen

 

 

Druckverhältnisse in den vier Kammern des Herzens

Anatomie des Herzens auf einer MRT-Aufnahme

Querschnitt durch die Herzkammern

Voraussetzung für die kardiale Funktionsuntersuchung
ist eine exakte Einstellung der Standardorientierungen
4-Kammerblick,
2-Kammerblick und
Kurzachsenschnitt.
Zum Bildbeispiel: Herzachsen (MRT-Aufnahmen) bitte hier klicken.

Anatomie der Herzkranzarterien

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.2 Herz- und Gefäßerkrankungen
Klassifikation und Angemessenheit bilddiagnostischer Maßnahmen

 

Im folgenden werden für die verschiedenen klinischen Situationen Empfehlungen zu geeigneten bilddiagnostischen Maßnahmen gegeben. Die sogenannten Anforderungsratgeber basieren auf den Europäischen Leitlinien zur Anforderung bildgebender Verfahren und fassen gesicherte radiologische Vorgehensweisen bei häufigen klinischen Situationen in Empfehlungen zusammen. Sie sollen dem Arzt, der Patienten zu einer radiologischen Untersuchung überweist, dabei helfen, bei einer bestimmten gegebenen Fragestellung das beste radiologische Untersuchungsverfahren auszuwählen, d.h. jenes, durch das ein Maximum an Information bei einem Minimum an Strahlenbelastung erreicht werden kann.

Diese Leitlinien / Empfehlungen sind dabei nicht als Restriktion der klinischen Praxis zu verstehen, sondern als Konzept der guten Praxis, gegen das die Bedürfnisse des einzelnen Patienten aufgewogen werden können. Obwohl gute Gründe vorliegen sollten, wenn die Leitlinien nicht beachtet werden, stellen sie keine absoluten Regeln dar. Keine Sammlung von Empfehlungen stößt auf universelle Zustimmung. Auftretende Probleme sollten mit dem Radiologen besprochen werden.

 

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.2.1 Herz- und Gefäßerkrankungen
Akuter Thoraxschmerz und Herzinfarkt

 

Bei diesem Krankheitsbild ist die Bildgebung mit Ausnahme der Koronarangiographie (mit Interventionsmöglichkeit) zweitrangig.
Anamnese, EKG und UKG in Verbindung mit dem Labor stehen im Vordergrund.

Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primär indiziert ist die Herzkatheteruntersuchung. Sie dient dem Nachweis von Stenosen/Verschlüssen des/der infarktbezogenen Herzkranzgefäße. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit der Behandlung, z.B. durch Aufdehnen eines betroffenen Gefäßes. Die möglichen Infarktfolgen lassen sich darstellen.

2. Indiziert ist ebenfalls eine Röntgenthoraxuntersuchung. Damit lassen sich die Herzgröße, eventuelle Lungenödeme etc. feststellen. Primär sollte eine TEE (transösophageale Echokardiographie) erfolgen.

* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.

 

Fallbeispiel
Koronarangiographie: Film 1     Film 2     Film 3
(© Klinik für Kardiologie, PU Marburg)

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.2.2 Herz- und Gefäßerkrankungen
Chronischer Thoraxschmerz mit kardialer Ursache

 

Die Differentialdiagnosen eines Thoraxschmerzes können sehr vielfältig sein. Als kardiale Ursachen kommen in Frage:

Im Rahmen einer Verdachtsdiagnose, welche durch die klinische Untersuchung und EKG untermauert ist, ergeben sich folgende Vorgehensweisen:

Bei Z. n. Myokardinfarkt
Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primär indiziert ist die Echokardiographie. Mittels US können reversible Komplikationen (Ventrikelseptumdefekt , Ruptur der Papillarmuskeln, Aneurysma usw.) nachgewiesen werden.

2. Als weiterführende Untersuchung ist eine Röntgenthoraxaufnahme (RT) indiziert. Der Röntgen-Thorax dient dem Nachweis eines Lungenödems oder einer Pneumonie.

 

Bei V. a. Pericarditis
Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primär indiziert ist die Ultraschalluntersuchung. Sie ist in solchen Fällen ein sehr genaues Verfahren und so kann der beste Zugang für eine Drainage aufgezeigt werden.

2. Als weiterführende Untersuchung wird eine Röntgenthoraxaufnahme (RT) empfohlen. So können Verkalkungen bei Pericarditis constrictiva aufgezeigt werden.

 

Bei V. a. Chronische Aortendissektion
Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primär indiziert sind die Schnittbildverfahren CT oder MRT. Eine CT/MRT dient der exakten Bestimmung der Ausdehnung, Ein- und Austrittsstelle.

2. Als weiterführende Untersuchung wird eine Ultraschalluntersuchung empfohlen. Ggf. indiziert ist ein Transösophagealer US-Doppler zur Bestimmung des Restlumens und der Flußgeschwindigkeit.

 

Bei V. a. Herzklappenerkrankungen
Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primär indiziert ist die Echokardiographie. Ultraschalluntersuchungen sollen sowohl für die initiale Beurteilung und bei Veränderung des klinischen Bildes angewandt werden.

* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.

 

Nuklearmedizin
ausführliche Informationen zur Myokardszintigraphie siehe Nuklearmedizin der PU-Marburg
Dort dem Link NUKLEUS > Diagnostik und Fallbeispiele > Myokardszintigraphie folgen.

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.2.3 Herz- und Gefäßerkrankungen
Akuter Thoraxschmerz und Aortendissection

Die Klinik, die sich mit sehr starken, teils wandernden retrosternalen Thoraxschmerzen zeigt, lässt als Differentialdiagnose auch eine Lungenembolie und einen Myokardinfarkt zu. Bei Vorliegen einer negativen Enzymdiagnostik daher an Aortendissektion denken! Die bildgebenden Verfahren werden häufig in Kombination mit der transthorakalen Echokardiographie oder, besser, der transösophagealen Echokardiographie durchgeführt.

Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primär indiziert ist die Computertomographie (CT). Insbesondere Multislice- oder Spiral-CT ermöglichen äußerst genaue Befunde.

2. Als weiterführende Untersuchung ist eine Röntgenthoraxuntersuchung (RT) indiziert. Sie dient hauptsächlich dem Ausschluss eines Pneumothorax.

* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.

 

Fallbeispiel:
Stanford A Dissektion

Stanford A: Dissektion Aorta ascendens (kann auch die Aorta descendens mit betreffen)
Stanford B: Dissektion distal Arteria subclavia sinistra

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.2.4 Herz- und Gefäßerkrankungen
Akuter Thoraxschmerz/Luftnot und Lungenembolie

 

Der Verschluss einer Lungenarterie durch Einschwemmen eines Embolus führt zu einem plötzlichen Anstieg des Lungengefäßwiderstands.
Das akute Cor pulmonale durch die rechtsventrikuläre Druckbelastung kann im EKG nachgewiesen werden.
Neben der Klinik mit thorakalen Schmerzen, Dyspnoe und Tachykardie ist das EKG und der D-Dimer Test wegweisend.

Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Die Computertomographie (CT) ist Primärmethode. Diagnostisches Mittel der Wahl ist die CT (mit Kontrastmittel) bei pos. D-Dimer Test. Sie kann schnell die A. pulmonalis bis zu den Segmentarterien darstellen.

2. Bei Unklarheit kann aber auch die Pulmonalisangiographie genutzt werden, jedoch nur dann, wenn aus dem Resultat eine therapeutische Konsequenz erfolgt!

* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.

CAVE
Zur umfassenden Diagnostik gehört auch der Nachweis der Emboliequelle!
Da meist eine tiefe Bein-, teils auch Beckenvenenthrombose vorliegt, sollte eine farbkodierte
Duplexsonographie
oder besser eine kontrastmittelgestützte Darstellung der Venen (Phlebographie) erfolgen. Die Phlebographie ist geeignet, eine Venenthrombose sicher nachzuweisen bzw. auszuschließen!

Fallbeispiel

CT-Thorax einer Lungenembolie

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.3 Herz- und Gefäßerkrankungen
Koronare Herzkrankheit und Myokardinfarkt

 

Koronare Herzkrankheit (KHK)
Die KHK ist eine ischämische Herzerkrankung unterschiedlicher Ätiologie mit dem gemeinsamen pathophysiologischen Mechanismus der Koronarinsuffizienz. Bei der KHK wird das Myokard durch einen ungenügenden Blutfluß in den Koronararterien nicht bedarfsgerecht mit Blut versorgt. Die häufigste Ursache der Myokardischämie ist die Atherosklerose der epikardialen Koronararterien, die zur Stenose dieser Gefäße führt, wodurch die Ruhedurchblutung des Myokards vermindert oder die Zunahme des koronaren Blutflusses bei erhöhtem Bedarf begrenzt wird.

Myokardinfarkt
Ischämische Myokardnekrose, meist auf dem Boden einer koronaren Herzkrankheit. Oft wird der Herzinfarkt eingeleitet durch das Aufbrechen eines arterioskleroischen Atheroms (Plaque-Ruptur) und die Bildung eines gefäßverschließenden Thrombus.

 

Übersicht: Komplikationen des Myokardinfarkts

 

Funktionsanalyse des Myocards
Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Die Primärmethode ist eine Ultraschalluntersuchung. Sie folgt jedoch erst nach eingehender klinischer Untersuchung! Mit der UKG können Druckgradienten und Klappenzustand beurteilt werden.

2. Ebenfalls Primärmethode ist die Myokardszintigraphie mit Belastungsergometrie zum Ischämienachweis.

3. Für die weiterführende Diagnostik empfielt sich die MRT. Trotz Zeitaufwand kann mittels MRT das Schlagvolumen und die Kontraktilität beurteilt werden, ebenso die Myokarditis. Kardiomyopathien (DCM, HCM, RCM) lassen sich eingeschränkt mittels MRT nachweisen.

Zentrale Thoraxschmerzen - Myokardinfarkt
Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primär sollte eine Herzkatheteruntersuchung erfolgen. Sie dient dem Nachweis von Stenosen/Verschlüssen des/der infarktbezogenen Herzkrankgefäße. Möglichkeit der Behandlung z. B. durch Aufdehnen eines betroffenen Gefäßes. Darstellung möglicher Infarktfolgen.

2. Weiterführende Untersuchung ist die Röntgenthoraxuntersuchung (RT). Mittels RT können die Herzgröße, eventuelle Lungenödeme usw. festgestellt und andere Ursachen ausgeschlossen werden. Primär sollte zunächst eine TEE (transösophageale Echokardiographie) erfolgen.

* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.

 

Anmerkungen
Myokardvitalitätsdiagnostik
:

Nuklearmedizin
ausführliche Informationen zur Vitalitätsdiagnostik bzw. Myokardszintigraphie siehe Nuklearmedizin der PU-Marburg
Dort dem Link NUKLEUS > Diagnostik und Fallbeispiele > Myokardszintigraphie folgen

MRT und KHK:
MR-Koronarangiographie:
Über 600.000 müssen sich in Deutschland jährlich zum Nachweis oder Ausschluß einer KHK einer invasiven Koronarangiographie unterziehen. Nur in einem Drittel der Fälle ergibt sich eine unmittelbare interventionell-kardiologische Konsequenz.

MR-Perfusion:
Die Myokardperfusion wird im MRT semiquantitativ durch Beurteilung des "First-pass" eines extrazellulären Kontrastmittels untersucht. Da die Ruheperfussion auch bei gesunden Probanden eine hohe Variabilität aufweist, muss die KHK-Diagnostik durch die Untersuchung in Ruhe und unter pharmakologischen Stress erfolgen. Entscheidend ist hier das Verhältnis der Anstiegsgeschwindigkeiten der Signalintensitäten ("Slope") im Myokard.
"Late-enhancement" im MRT weist sowohl den akuten Infarkt als auch die Narbe nach. Durch die Bestimmung des transmuralen Infarktausmaßes lässt sich die Wahrscheinlichkeit einer Funktionserholung angeben.

Fallbeispiele
1. MRT-Diagnostik von koronaren Herzerkrankungen und Myokardinfarkt (von PD Dr. G. Bachmann, Kerckhoff-Klinik, Bad Nauheim)
2. Beispiel zur MRT bei Herzerkrankungen (Beitrag von M. Rominger)

Herzwandaneurysma

3. Herzwandaneurysma im MRT (Anklicken startet Film)

Ventrikelaneurysma

4. Ventrikelaneurysma (Anklicken startet Film)

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.4 Herz- und Gefäßerkrankungen
Herzinsuffizienz

Definition Herzinsuffizienz:
Unfähigkeit des Herzens, das vom Organismus benötigte Herzzeitvolumen bei normalem enddiastolischem Ventrikeldruck zu fördern.

Allgemeine Zeichen:

Im Übersichtsbild (Rö-Thorax) wird die leichte Herzinsuffizienz an den pulmonalen Strukturen diagnostiziert (Verweis auf Kap. 6).
Erst im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer Herzvergrösserung. Wie kann diese im Rö-Bild erkannt werden?

Der absolute Herzdurchmesser darf beim gesunden Erwachsenen 16,5 cm nicht überschreiten (Ausnahme: Sportlerherz - 17,5 cm).
Als Mass für die Herzvergrösserung dient der cardio-thorakale Quotienten (CTQ < 0,5), d.h.
die Herzbreite darf maximal 50 % der
Thoraxbreite einnehmen und dabei
das absolute Mass aber nicht übersteigen.

Wichtige Differentialdiagnosen der relativen / absoluten Herzverbreiterung sind:

1. Herzinsuffizienz
2. Multivalvuläres Vitium (Überwiegend Aotretn-/Mitralfehler
3. Pericarderguss (klassich: zeltförmige oder "Bocksbeutel"-Konfiguration des Herzen)
4. Cardiomyopathie als Ausschlussdiagnose (viele Ursache, u.a. KHK, Alkohol -Münchener Bierherz / Tübinger Weinherz), Urämie u.a.)
5 Ebstein´sche Anomalie - selten (Atrialisation des rechten Ventrikels durch tief inserierende murales Segel der Tricuspidalklappe - Bocksbeutel-Form)

 

 

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.4.1 Herz- und Gefäßerkrankungen
Linksventrikuläre Herzinsuffizienz

 

Röntgenzeichen der Linksherzinsuffizienz auf der Thoraxaufnahme beim Lungenödem

 

 

Fallbeispiele
Linksherzinsuffizienz nach Myokardinfarkt (Röntgenthorax, p.a. verschiedene Aufnahmezeitpunkte)
Röntgenthorax (p.a., lat.) mit Linksherzinsuffizienz

 

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


 

5.4.2 Herz- und Gefäßerkrankungen
Rechtsventrikuläre Herzinsuffizienz - Funktionelle Untersuchungen des Myokards

 

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz erkennt man als früheste Veränderung eine Verbreiterung der V. azygos. Ferner zeigt sich in der Thoraxaufnahme eine Verbreiterung der V. cava sup.
Im Seitenbild kommt es bei Vergrößerung des rechten Ventrikels zu einer Anhebung der Herzspitze und einer Einengung des retrosternalen Raumes.

Übrigens: Aus einer p.a. Aufnahme des Thorax kann bei Verbreiterung des Herzens nach links nicht automatisch auf eine Vergrößerung des linken Herzens geschlossen werden. Hier ist zum Nachweis einer Rechtsherzvergrößerung immer die Seitaufnahme hinzuzuziehen!

Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung des Abdomens kann z.B. eine (meist chronische) Leberstauung und ein Aszites Hinweise für das Vorliegen einer Rechtsherzinsuffizienz liefern!

Direkte Funktionsuntersuchungen des Myokards liefern die Echokardiographie, Szintigraphie und die MRT.

Fallbeispiele
Ultraschallaufnahmen bei Rechtsherzinsuffizienz
Röntgen-Thorax und CT bei pulmonal-arterieller Hypertonie
CT bei Dilatativer Kardiomyopathie (Rechtherzinsuffizienz)

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.4.3 Herz- und Gefäßerkrankungen
Globale systolische Herzfunktion

 

Globale systolische Herzfunktion - Funktionelle Untersuchungen des Myokards
Bei der MRT-Volumetrie werden aus den endokardialen Kammerkonturen in Enddiastole und Endsystole die globalen systolischen Herzvoluminaparameter bestimmt. Die zusätzliche Kenntnis der epikardialen Kammerkonturen erlaubt die Bestimmung der Herzmuskelmasse.

Ventrikuläre Volumetrie, Perfusions- und Vitalitätsanalyse des Myokards
Die Cardio-MRT erlaubt eine sehr genaue Darstellung aller Wandabschnitte des Ventrikels. Sie kommt dann zum Einsatz wenn für die Echokardiographie schwierige anatomische Bedingungen wie z.B. ein Lungenemphysem vorliegt. Mittels der MRT-Volumetrie der linken Herzkammer kann die ventrikulären Ejektionsfraktion (EF) sehr genau gemessen werden.
Die Bestimmung der Myokardperfusion kann mittels der Magnetresononanztomographie unter Adenosinbelastung visuell, semiquantitativ und quantitativ erfolgen. Hauptziel dieses Untersuchungsschrittes ist es, bei einer Stressbelastung mit Adenosin minderperfundierte Myokardareale zu detektieren. Diese Methodik für die erweitere Ischämiediagnostik, z.B. bei unklaren Belastungs-EKG-Befunden ist allerdings von den Geräteeigenschaften abhängig.

Vitalität
Die Infarkt-Analyse mit der Cardio-MRT ermöglicht völlig neue Einblicke in Lokalisation und Ausdehnung von Myokardinfarkten, die bisher in dieser Form nicht möglich waren. Hierbei kommt insbesondere die sogenannte "Late Enhancement-Technik" zum Einsatz. Diese verspätete Anreicherung von Kontrastmittel erlaubt die exakte Abgrenzung der Infarkt-Ausdehnung, sowohl was die Circumferrenz des linken Ventrikels angeht, als auch die Tiefenausdehnung innerhalb des Myokards.


Untersuchungsparameter

EDV enddiastolisches Volumen
ESV endsystolisches Volumen
SV Schlagvolumen (EDV - ESV)
EF Ejektionsvolumen (SV/EDV x 100)
HZV Herzzeitvolumen (SV x Herzfrequenz)

Bildbeispiel: Bestimmung der globalen systolischen Funktion im MRT

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.4.4 Herz- und Gefäßerkrankungen
Diastolische Füllung

Die eingeschränkte diastolische Funktion führt zum erhöhten Füllungswiderstand der Herzkammern und kommt bei einer Reihe von Erkrankungen vor (KHK, Kardiomyopathie, Klappenvitien): Eine diastolische Dysfunktion tritt häufig im Zusammenhang mit einer systolischen Herzinsuffizienz auf, kann jedoch auch ohne systolische Funktionseinschränkung durch eine Behinderung des Einstroms, gestörter Dehnbarkeit des Myokards oder externer Kompression der Ventrikel auftreten. Eine diastolische Dysfunktion kann den LV und/oder RV betreffen.

Diagramm einer diastolischen Füllungskurve

Beispiele für diastolische Funktionseinschränkungen

 

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.5 Herz- und Gefäßerkrankungen
Rhythmusstörungen

Fallbeispiel
Röntgenthorax (p.a., lat.) mit Herzschrittmacher

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.6.1 Herz- und Gefäßerkrankungen
Bluthochdruck: Aortenisthmusstenose (AIS)

In der Literatur werden weniger als 10 % aller Hypertonien zu den sog. Sekundären Hypertonien gezählt. Eine wichtige Ursache für eine sekundäre Hypertonie ist die seltene Aortenisthmusstenose.

Die Aortenisthmusstenose verursacht Auswurfbehinderungen des linken Ventrikels. Die Folge ist eine arterielle Hypertension im Bereich der oberen Körperhälfte und eine Druckreduzierung im Bereich der unteren Körperhälfte.
Stenosen im Aortenbogen können durch Mediaverbreiterungen und Intimaproliferationen entstehen. Diese werden hämodynamisch wirksam, wenn die Lumeneinengung mehr als 50 % beträgt. Es werden unterschieden:

Fallbeispiel
Aortenisthmusstenose

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.6.2 Herz- und Gefäßerkrankungen
Bluthochdruck: Renovaskuläre Ursachen

Die renale Hypertonie kann z.B. durch Nierenparenchymerkrankungen, insbesondere durch die Glomerulonephritis und die Pyelonephritis oder Zystennieren (renoparenchymatöse Form) sowie durch Erkrankungen der Nierenarterien (Abgangsstenosen, Gefäßmißbildungen, Vaskulitiden) bedingt sein. Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor für die Entstehung des renalen Hypertonus ist die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems.

Bei einer angenommenen renovaskulären Ursache ergibt sich folgendes diagnostisches Vorgehen:

Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primärdiagnostik ist die Ultraschalluntersuchung (US) der Nieren. Der US dient der Beurteilung der relativen Nierengröße und des Parenchymmusters. Mit der Farb-Doppler Sonographie kann neben der Stenose auch die Hämodynamik beurteilt werden.

2. Weiterführende Diagnostik ist mit der Intraarteriellen digitalen Subtraktionsangiographie (DSA) der Nierenarterien möglich.

3. Weiterführende Diagnostik mit Szintigraphie: Die Nierenfunktionszintigraphie ist ein etabliertes Verfahren z.B. zur Bestimmung der verbliebenen Funktion.

* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.

Nuklearmedizin
ausführliche Informationen zur Nierenszintigraphie siehe Nuklearmedizin der PU-Marburg
Dort dem Link NUKLEUS > Diagnostik und Fallbeispiele > Nieren folgen.

Fallbeispiele
Nierenarterienstenose (Bildbeispiel)
Nuklearmedizin: Captopril-Szintigraphie (http://www-nukmed.med.uni-marburg.de/nukleus/leitfaden/nieren.htm#Nieren)

vergleiche auch mit Kapitel 7.3: Chronisches Nierenversagen

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.6.3 Herz- und Gefäßerkrankungen
Bluthochdruck: Endokrine Erkrankungen

 

Endokrine Erkrankungen mit arterieller Hypertonie (Bluthochdruck) der Nebenniere sind

  • Phäochromozytom
  • Conn-Syndrom
  • Cushing-Syndrom

und der Schilddrüse sind Schilddrüsenerkrankungen mit Hyperthreose.

 

a) Nebenniere

Die Diagnose wird klinisch/laborchemisch gestellt. Die Bildgebung dient lediglich der Lokalisationsdiagnostik.

Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primärdiagnostik ist die Computertomographie. Eine Differenzierung zwischen Adenom und Malignom ist bei triphasischem CT und Dichtemessung möglich.

* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.

 

b) Schilddrüse

Die Diagnostik dient der Bestimmung der Schilddrüsengröße, der Suche nach Folgen der Vergrößerung wie Verengung des Luftröhrendurchmesser sowie dem Ausschluss von Knoten in der Schilddrüse.

Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)

1. Primärdiagnostik sind Ultraschalluntersuchung und nuklearmedizinische Diagnostik (Szintigraphie der Schilddrüse). Beide Methoden zeigen die Morphologie und erlauben eine kontrollierte Aspiration zur zytologischen Untersuchung bzw. eine Biopsie zur histologischen Untersuchung.

2. Als weiterführende Diagnostik dient die Computertomographie. Bei Struma Grad 3, Stridor/Dyspnoe, V.a. Intubationshindernis oder Tracheomalazie ist eine CT indiziert.

3. Als Spezialverfahren wird ebenfalls die Computertomographie empfohlen. Ggf. CT mit Funktionuntersuchung wie Valsalva oder Hitzenberger (Phrenikusläsion).

* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.

 

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.7 Herz- und Gefäßerkrankungen
Gefäßerkrankungen

Fallbeispiele
Aneurysma (CT des Thorax an zwei Tagen, Röntgenthorax (p.a., lat.), Digitale Subtraktionsangiographie)
Subclavia-Stenose (Digitale Subtraktionsangiographie des Aortenborgens und der Armgefäße)
Arterielle Embolie (Digitale Subtraktionsangiographie)
Venenverschluss (Subclavia-Venen-Thrombose, Digitale Subtraktionsangiographie der Armgefäße)

zum Kapitelendenach oben zum Kapitelanfang


5.8 Herz- und Gefäßerkrankungen
Bildergalerie

Zum Öffnen des Bildes bzw. der Bilder direkt auf das Bild klicken. Es öffnet sich ein extra Browserfenster.

nach oben zum Kapitelanfang

Startseite
Nächstes Kapitel
Voriges Kapitel
Glossar
Inhaltsverzeichnis