![]() |
Radiologiescript |
|
|
Material zur Vorlesung "Einführung
in die Radiologie - Anatomie in der Bildgebung"
Prof. Dr. K. J. Klose: Medizinisches Zentrum für Radiologie Klinik für Strahlendiagnostik, Klinikum der Philipps-Universität Marburg |
6. Lungen- und Pleuraerkrankungen
Röntgenaufnahme (p.a.) eines Thorax mit Normalbefund (ohne
Anzeichen einer Erkrankung)
Wenn Sie mit der Maus über die Beschriftungen fahren, werden die anatomischen
Strukturen markiert.
Die wichtigsten Lungenerkrankungen nach dem V.I.C.T.I.M.-Schema geordnet (siehe auch Kap. 3.5)
| Kapitel | Abk. | Nosologie | Erkrankung |
|---|---|---|---|
|
6.1
|
V
|
Vaskulär | Lungenembolie Pulmonale Hypertonie Herzinsuffizienz mit Lungenoedem |
|
6.2
|
I
|
Inflammatorisch | Pneumonie Pneumonitis und andere (Lungenabszeß, Tuberkulose etc.) |
|
|
C
|
Congenital |
Alpha-1-Antitrypsinmangel |
|
|
T
|
Trauma | Lungenverletzungen Inhalationsschäden Pneumokoniosen |
|
|
I
|
Immunogen |
Asthma bronchiale |
|
|
M
|
Metabolisch | Diffuse interstitelle Verkalkungen bei Niereninsuffizienz |
|
|
In
|
Iatrogen | Z.n. Lappen- oder Lungenresektion |
|
6.3
|
Corpore
|
Cancer | Bronchialkarzinom Lungenmetastasen benigne Tumoren |
|
|
Dei
|
Degenerativ | Emphysem Bronchiektasen Chronische Bronchitis |
|
|
Punctum
|
Psychogen | Asthma bronchiale |
Informationen zur Thoraxdiagnostik
Weiteres Material zur Information und zum Lernen
Internet Bücher Auf der Internetseite (http://www.mevis.de/~jend/Lunge/Tilu.html) von Hans-Holger Jend finden sich zu Lungenerkrankungen über 1000 Bilder, die alle ausführlich kommentiert sind. Sie erreichen den Link,
wenn Sie "Die Lunge im Netz" anklicken.Die Internetplattform Prometheus (http://www.prometheus.uni-tuebingen.de) bietet in der Virtuellen Bibliothek (siehe dort Handapparat) ein ausführliches Tutorial zur Thoraxdiagnostik.
Lange, Sebastian: Radiologische Diagnostik der Thoraxerkrankungen. Georg Thieme Verlag: Stuttgart, New York. (Ausführliches und sehr systematisches Standardwerk.)
Barker, Alan, F.: Bronchiectasis (Review article). N Engl J Med, Vol. 346, No. 18, 2002.
(aktueller und ausführlicher Überblick mit Differenzierung zur COPD)
Definition
Kollaps der Lunge mit Luftansammlung im Pleuraraum - spontan oder erworben
Ursachen
Spontan - nach Ruptur einer Emphysemblase
Erworben durch traumatische Verletzung der Pleura viszeralis, z.B. durch
- Rippenfraktur oder eine penetrierende Verletzung von außen (z. B. Messerstich).
- iatrogen bei Anlage eines zentral-venösen Katheters (häufiger bei Vena subclavia ZVK´s) oder nach transthorakaler Lungenpunktion
Diagnostische Kriterien
- Abhebung der Pleura viszeralis von der Thoraxwand - als Linie sichtbare viszerale Pleura (besonders gut sichtbar in Exspiration)
- Nachweis von Luft im Pleuraraum - tiefschwarzer, strukturloser Pleuraspalt
- Kollaps der Lunge (passive Atelektase durch die elastischen Rückstellkräfte des Lungenparenchyms)
Besonderheit
Spannungspneumothorax = Mediastinalverlagerung zur kontralateralen, gesunden Seite mit ipsilateralem Zwerchfelltiefstand
Ursache ist ein Ventilmechanismus an der Pleura viszeralis, der das Eindringen von Luft bei der Inspiration in den Pleuraspalt zulässt, bei der Exspiration
das Entweichen nach aussen oder innen - via Bronchialsystem - aber verhindert.
Definition
Flüssigkeitsansammlung zwischen beiden Pleurablättern als Folge (Symptom) vielfältiger Ursachen.
Ursachen
kardial - im Rahmen der Herzinsuffizienz
renal - bei Niereninsuffizienz und Erhöhung des Ganzkörperwassergehaltes
metabolisch - bei Eiweissmangel (Hungeroedem)
metapneumonisch - als Reaktion der Pleura auf eine Lungenentzündung
sympathisch - als Mitreaktion der Pleura auf ein intraabdominelles Geschehen (z.B. Pankreatitis, Abszess)
traumatisch - Hämatothorax, Biliothorax, Chylothorax
neoplastisch - bei Pleurainvasion von Tumoren - z.B. Bronchial-Ca und PleuramesotheliomFormen
Als Flüssigkeiten kommen in Frage
- Transsudat (kardial, renal, metabolisch)
- Exsudat (metapneumonisch)
- Eiter (als Komplikation jedweden Erguss, häufig metapneumonisch - Pleuraempyem)
- Blut (posttraumatich, Lungenembolie)
- Galle (iatrogen, posttraumatisch)
- Lymphe (bei Verlegung des D. thoracukus)Erguss kann sowohl ein Transsudat, als auch ein Exsudat sein! Siehe dazu auch die Erläuterungen unter Inhalt von Körperhöhlen.
Die drei häufigsten Ursachen eines Transsudates sind die Linksherzinsuffizienz, Lungenembolie und die Leberzirrhose. Zu den häufigsten Ursachen des Exsudates gehören die Pneumonie, maligne Tumorerkrankungen und die Lungenembolie!Klinisch fällt aber ein Erguss meist erst durch die Kompression der Lunge und der daraus folgenden Funktionsbeeiträchtigung (Dyspnoe) auf.
Diagnostische Kriterien
- Ein Erguss ist ab etwa 100ml sichtbar (in Seitenlage), ab etwa 300ml ist dieser auch gut in der "stehend" Aufnahme erkennbar
- Homogene Verschattung, wodurch die Zwerchfellkuppel abgeflacht erscheint
Fallbeispiele
Sero-Pneumothorax (2 Ebenen - Aufnahme)
Pleuraempyem mit Stadien der Heilung (Thoraxdrainage)
Pleuracarcinose (Neoplasie) mit Atelektase und Erguss
6.2
Lungenerkrankungen
Lungenödem - Herzinsuffizienz
Definition
Oft massiver Austritt von Flüssigkeit aus den Lungenkapillaren in das Lungeninterstitium und den Alveolarraum. Ursachen hierfür sind meist kardial, allerdings kommen auch ein verminderter onkotischer Druck oder eine toxisch/allergisch bedingte Permeabilitätssteigerung der Lungenkapillaren in Frage.
Merke
der Pathophysiologie folgend kommt es immer erst zu einem interstitiellen und später zu einem intra-alveolärem Lungenödem!
Diagnostische Kriterien
Hinweiszeichen - diskret Hinweiszeichen - fortgeschritten
- Kerley B und C - Linien = interstitielles Ödem in den interlobulären Septen = retikuläres (netzartiges) Muster
- "Milchglas-Phänomen" durch intralobuläres Oedem - in der Frühphase nur im CT sicher erkennbar
- peribronchiales Cuffing des S3 - "Signalbronchus" = Oedembildung im peribronchialen Interstitium
- "Verwaschener" Hilus = perivasales Ödem um die zentralen Pulmonalgefässe
- subpleurales Oedem (an den Lappenspalten)
- baso-apikale Umverteilung der Lungendurchblutung
- messbare Verbreiterung der Lungenvenen im Oberlappen > 4 mm
- Pleuraerguss
- Verbreiterung des Herzens (Differentialdiagnose siehe Kapitel 5)
- Rückstrom von KM in die Lebervenen (Vv. reverehentes)
- Einflussstauung
Fallbeispiele im Kapitel 5.4: Herzinsuffizienz
6.3
Lungenerkrankungen
Entzündung
Großflächige Verschattung im Bereich der Lungenlappen mit positivem Brochopneumogramm (Darstellung der luftgefüllten Bronchioli in dem sonst konsistenzvermehrten Lungengewebe) Die Verschattungen sind durch die Lappengrenzen scharf, zum übrigen Parenchym unscharf begrenzt Die Bronchopneumonie stellt sich meist als eine segmentale Verschattung ohne ein Bronchopneumogramm
Röntgenzeichen bei Bronchopneumonie (syn. Herdpneumonie)
konfluierende Fleckschatten, Befall herdförmig
(Lungenbasis betont)
Röntgenzeichen bei Lobärpneumonie
segmentale Flächenschatten
(pleuraler Begleiterguß)
positives PneumobronchogrammCT (Weichteilfenster) bei Lobärpneumonie
Um die Markierung zu sehen, fahren Sie bitte
mit der Maus über die Abbildung
interstitielles (retikuläres) Verschattungsmuster durch Verdickung der Interlobulärsepten vorwiegend streifenförmige peribronchovasculäre, perihiläre und subpleurale Verdichtungen disseminierte, feinfleckige Herde = retikulär-streifige und noduläre Lungenverdichtungen, die eher im zentralen Lungenbereich liegen diffuse milchglasartige Trübung
Röntgenzeichen bei Interstitieller (atypischer) Pneumonie
Streifenschatten
(Lungenkern betont)
Radiomorphologische Zeichen bei Pneumonien (Fallbeispiele)
Bronchopneumonie Bildbeispiel (CT)Segment-/Lobärpneumonie Atypische Pneumonie Sonderformen Alveolitis-Lungenfibrose Einschmelzungen - Pilzpneumonie Infarktpneumonie - vaskuläre Befunde DDx: Atelektase Pneumonitis* 1. Bildbeispiel: Strahlenpneumonitis nach Tangentialfeldbestrahlung wegen Mamma-Npl re
2. Bildbeispiel: CT Lungenfenster (animiert), Projektionsradiogramme
Bronchial-Npl re, StrahlenpneumonitisSarkoidose Bildbeispiel: Sarkoidose (2-Ebenen, CT)
* Entzündliche Veränderungen der Lunge, die nicht durch eine Infektion sondern durch chemische und physikalische Noxen ausgelöst werden, heißen Pneumonitis. Davon wiederum abzugrenzen ist die allergische Alveolitis. Diese Unterschiede bleiben in der ICD-Verschlüsselung unklar.
Emphysem
Irreversible Vergrößerung des Luftraums mit Destruktion von Alveolen und Lungensepten. In den meisten Fällen ist das Emphysem eine Folge von chronischer Bronchitis bzw. COPD. Sehr selten tritt es als Folge des Alpha-1-Antitrypsinmangels auf.
Formen (morphologisch)
- zentrilobuläres Emphysem (Zerstörung oder Dilatation distal der Bronchioli respiratorii)
- panazinäres (panlobuläres) Emphysem (Destruktion sämtlicher Strukturen distal der Bronchioli terminalis)
- bullöses Emphysem (z.B. para-septal) - Untergang des respiratorischen Gewebes unter Ausbildung von Blasen
- kompensatorisches Emphysem - nach chirurgischen Resektionen oder durch starke Narbenbildung
- atrophisches (seniles) Emphysem - duct-alveoläre Dilatation und Atrophie des LungengewebesDie bullösen und kompensatorischen Formen lassen sich radiologisch in der Thoraxübersicht unterscheiden, die anderen Formen nur mittels CT (HR-CT).
Formen (funktionell)
- obstruktiv
- destruktivDefinition COPD
Abkürzung von chronicle obstructive pulmonary disease, chronische Lungenerkrankung mit Obstruktion der Atemwege.
Ursache hierfür ist eine chronische Bronchitis. Auslösende Faktoren sind am häufigsten Tabakrauchinhalationen und Staubinhalationen durch Luftverschmutzung.Nur sehr selten findet sich ein Proteinase-Inhibitormangel.
Diagnostische Kriterien
In den frühen Stadien der COPD findet sich u. U. kleinere Fleck- und Streifenschatten (als Ausdruck für entzündliche Veränderungen) Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf kann sich ein glockenförmiger Thorax zeigen Die Zwerchfellkippen sind abgeflacht Es zeigt sich eine vermehrte, häufig apikal betonte Strahlentransparenz Die Lungengefäße sind rarefiziert Vergrößerter Thoraxtiefendurchmesser mit horizontal stehenden Rippen und verbreiterten Interkostalräumen
Vergleich von COPD und Bronchiektasie
COPD Bronchiektasie Ursache Rauchen Infektion oder genetische Ursache oder Immundefekt (z.B. alpha1-Antitrypsinmangel) Rolle der Infektion sekundär primär Predominanter Organismus im Sputum Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae H. influenza, Pseudomonas aeruginosa Luftstromobstruktion und Hyperanregbarkeit gegeben gegeben Befunde bei der Thoraxabbildung Hyperluzenz, Hyperinflation, Luftwegerweiterung, Schienenstrangzeichen Luftwegerweiterung und -verdickung, muköse Impaktationen Sputumqualität mukös, klar purulent
Rechts: Normale Lunge, links: Bronchiektasie (die Bronchiektasie ist am häufigsten im unteren Lappen.
Die sackförmigen Erweiterungen und die traubenartigen Cluster mit Ansammlungen
von Schleim sind Zeichen für eine schwere Bronchiektasie)
Fallbeispiele
CT-Aufnahmen eines Lungenemphysems
Der Verschluss einer Lungenarterie durch Einschwemmen eines Embolus führt zu einem plötzlichen Anstieg des Lungengefäßwiderstands.
Das akute Cor pulmonale durch die rechtsventrikuläre Druckbelastung kann im EKG nachgewiesen werden.
Neben der Klinik mit thorakalen Schmerzen, Dyspnoe und Tachykardie ist das EKG und der D-Dimer Test wegweisend.
Anforderungsratgeber* (Welche Untersuchung ist indiziert bzw. welche Untersuchung ist angemessen?)
1. Die Computertomographie (CT) ist Primärmethode**. Diagnostisches Mittel der Wahl ist die CT (mit Kontrastmittel) bei pos. D-Dimer Test. Sie kann schnell die A. pulmonalis bis zu den Segmentarterien darstellen.
2. Bei Unklarheit kann aber auch die Pulmonalisangiographie genutzt werden, jedoch nur dann, wenn aus dem Resultat eine therapeutische Konsequenz erfolgt!
* Der Anforderungsratgeber des Klinikum Marburgs entspricht inhaltlich den Europäischen Leitlinien zur Anforderung Bild gebender Verfahren.
** Weiterführende Informationen: Spiral-CT bei akuter Lungenembolie: Diagnostische Treffsicherheit
CAVE
Zur umfassenden Diagnostik gehört auch der Nachweis der Emboliequelle!
Da meist eine tiefe Bein-, teils auch Beckenvenenthrombose vorliegt, sollte eine farbkodierte
Duplexsonographie oder besser eine kontrastmittelgestützte Darstellung der Venen (Phlebographie) erfolgen. Die Phlebographie ist geeignet, eine Venenthrombose sicher nachzuweisen bzw. auszuschließen!
Lungenembolie: Schweregrade und Diagnoseverfahren (mod. nach Grosser)
Faktoren Schweregrad I Schweregrad II Schweregrad III Schweregrad IV Klinik
- kurzfristige Symptomatik
- Dyspnoe, thorakaler Schmerz
- eventuelle Folgezustände: Hämoptyse, Fieber, Pleuraerguss
- leichtgradige, anhaltende Symptomatik
- akut auftretende Dyspnoe, Tachypnoe, thorakaler Schmerz, Tachykardie
- eventuelle Folgezustände siehe I
- ausgeprägte, anhaltende Symptomatik
- akute schwere Dyspnoe, Tachypnoe, Tachykardie, thorakaler Schmerz, Zyanose, Unruhe-Angst, Synkope
- zusätzlich zu III:
ausgeprägte Schocksymptomatik (Herz-Kreislauf-StillstandSystemisch-arterieller Druck normal normal (leicht erniedrigt) erniedrigt stark erniedrigt mit kleiner Amplitude pulmonal-arterieller Druck* normal normal (leicht erhöht) PA-Mitteldruck
25 - 30PA-Mitteldruck
> 30paO2 normal 70 <= pa O2 < 80 60 <= pa O2 < 70 pa O2 < 60 Gefäßobliteration periphere Äste Segmentarterien ein PA-Ast oder mehrere Lappenarterien ein PA-Ast und mehrere Lappenarterien (PA-Stamm) Diagnoseverfahren Szintigraphie
(CT)CT
(Szintigraphie)CT CT
(TEE als Bedside-Methode)
Thorax - Röntgenzeichen bei Lungenembolie
| Westermark-Zeichen (2) und Knöchel-Zeichen (1 knuckle-sign) - Die zentrale Arterie wird durch den Embolus aufgedehnt (Ballonierung). Aus der embolischen Obstruktion (inklusive begleitende Gefäßspasmen) resultiert eine regionale Minderdurchblutung mit Reduktion des Gefäßkalibers. Dadurch entsteht eine sekundäre Transparenzerhöhung (2). | ||
Thorax CT mit Kontrastmittel
Perfusionsszintigraphie als Diagnostik bei V.a. Lungenembolie
Perfusionsszintigraphie: Die obere Reihe zeigt einen Normalbefund, die untere Reihe die krankhaften Veränderungen bei einer Lungenembolie.
Hier sind Teile der Lunge minderperfundiert und es findet sich in diesen Bereichen weniger Aktivität - das Szintigramm ist dort aufgehellt.
Im Beispiel zeigt sich dies besonders im rechten Mittellappen.
Um zwischen einer Lungenembolie und anderen Erkrankungen unterscheiden zu können, muß zusätzlich eine Ventilationsszintigraphie angefertigt werden.
Bei einer Lungenembolie ist die Perfusionsänderung nicht die Folge einer Ventilationsminderung.
Weitere Informationen unter Nuklearmedizin: Lungenszintigraphie (http://www.med.uni-marburg.de/stpg/ukm/lb/nuklearmed/nukleus/nukleus.htm)
Hier Diagnostik und Fallbeispiele anklicken - LungenszintigraphieAnmerkung: Perfusions- und Ventilationsszintigraphie sind Verfahren, die durch die treffsichere Diagnostik mittels CT zum größten Teil obsolet geworden sind.
Fallbeispiel
CT-Thorax einer Lungenembolie (siehe auch Kap. 5.2.4)
Lungenembolie (Röntgenthorax, CT animiert, im Zeitverlauf)
Lungenembolie beidseitig (CT Lungen- und Weichteilfenster, animiert)
6.6
Lungenerkrankungen
Pulmonale Hypertonie
siehe auch Rechtsventrikuläre Herzinsuffizienz im Kapitel 5.4.2 inklusive Fallbeispiele
Definition
Hochdruck im Lungenkreislauf, Erhöhung des Mitteldrucks der A. pulmonalis auf > 20 mmHG in Ruhe und > 32 mmHg unter Belastung.
Diagnostische Kriterien
- Dilatation des Pulmonalarterienhauptstammes
- Dilatation der zentralen Lungenarterien
- Kalibersprung (Übergang der erweitereten Lappenarterien zu den eingeengten Segmentarterien) = "amputierter Hilus"
- verstärkte Transparenz (peripherer Gefäßbaum ist verschmälert)
6.7
Lungenerkrankungen
Neoplasien
Definition
Die Tumoren gehen fast immer vom Epithel der Bronchien aus und lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Nicht-kleinzellige Bronchialkarzinome (NSCLC) machen etwa 75 %, kleinzellige etwa 20% aus. Von den nicht-kleinzelligen Karzinomen sind etwa 45 % Plattenepithelkarzinome, der Rest verteilt sich auf Adeno- (etwa 20%) und großzellige Karzinome.
Wichtige Hinweise zur Lokalisation
- Bronchialkarzinome finden sich rechtseitig häufiger als linksseitig!
- Oberlappen sind häufiger als Mittel- und Unterlappen betroffen
- Fast 80 % sind zentral, also hilusnah gelegen.
Diagnostische Kriterien
- Solitärer, oft unscharf begrenzter Rundherd
- Die Form ist oft nicht rund, die Abgrenzung zum umgebenden Lungengewebe kann feinradär zeichnungsvermehrt sein.
- Tumoren zeigen öfters eine zentrale, durch die Nekrose bedingte Höhle.
- Indirekte Zeichen wie "hinter" dem Tumor gelegene Pneumonie oder ein Abzess sind oft die ersten Symptome überhaupt.
Zur Diagnostik eines Bronchialkarzinoms
Fast alle Karzinome können durch eine Thoraxübersichtsaufnahme im Stehen nachgewiesen werden. Zur weiteren Therapieplanung oder Klärung der Resektabilität ist im Rahmen des Stagings eine Computertomographie mit Kontrastmittel notwendig.
Fallbeispiele
Bronchialkarzinom (Thoraxaufnahme)
Bronchialkarzinom (CT Lungen- und Weichteilfenster, animiert)
Bronchialkarzinom (CT-Aufnahme)
Bronchialkarzinom (Thoraxaufnahmen verschiedener Therapiestadien)
Lungenmetastasen (Mamma-Ca nach Mamma-erhaltender OP)
Multiple Lungenmetastasen (Kolon-Ca)
N.E.T. (Neuro-Endokrine-Tumoren) - Metastasen in der Lunge (CT Weichteilfenster, animiert)
Harmartom (Beispiel für benigne Neoplasie)
Neoplasie (Röntgenthorax, CT-Weichteil- und CT-Lungenfenster, animiert)
6.8
Lungenerkrankungen
Interventionen
Definition
Perkutane Interventionen am Thorax umfassen u. a. die Nadelbiopsie zur Gewinnung von Gewebeproben und die Anlage von Drainagen. Punktionen unter Durchleuchtung und CT sind heutzutage genauso Standard wie unter Ultraschallkontrolle.
6.9
Lungenerkrankungen
Bildergalerie